Politik

"Unerwarteter Fehler" Impftermin-Vergabe in NRW startet als Fiasko

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Die nicht in Altenheimen lebenden über 80-Jährigen in NRW müssen weiter auf einen Impftermin warten.

(Foto: imago images/Political-Moments)

Das bevölkerungsreichste Bundesland scheitert an der Vergabe von Impfterminen für allein lebende über 80-Jährige. Termine gibt es weder über die Hotline noch die dafür vorgesehene Webseite.

Die am Morgen gestartete Vergabe von Impfterminen in Nordrhein-Westfalen hat zunächst nicht funktioniert. Am Vormittag war die Webseite entweder gar nicht erreichbar oder zeigte den Nutzern einen "unerwarteten Fehler" an. Auch über die Hotline konnten am Vormittag keine Termine vergeben werden.

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Um den Termin buchen zu können, muss man sich per SMS eine Verifizierungsnummer zuschicken lassen - und dann passiert: nichts.

(Foto: Screenshot ntv.de)

In den vergangenen Tagen hatten die über 80-Jährigen in Nordrhein-Westfalen, die nicht in Altenheimen leben, Briefe vom Sozialministerium des Landes bekommen mit dem Hinweis, dass die Terminvergabe heute um 8 Uhr anfange. Zur Anmeldung könne man entweder unter der Nummer 116117 anrufen oder die Webseite www.116117.de benutzen, über die auch andere Bundesländer die Terminvergabe organisieren. Betrieben wird die Seite vom ärztlichen Bereitschaftsdienst der Kassenärztlichen Bundesvereinigung.

Eine Frau aus Nordrhein-Westfalen, die aus einem anderen Bundesland versuchte, einen Termin für ihre Mutter zu organisieren, äußerte sich ntv.de gegenüber empört. Sie war telefonisch zwar durchgekommen, musste sich dann aber sagen lassen, dass sie keinen Termin bekommen werde, weil sie nicht aus NRW anrufe. Ob die ihr gegebene Information stimme, sei aber unklar, sagte sie, denn: "Mir wurde dies alles in schlechtem Deutsch erklärt."

Eine andere Frau berichtete ntv.de, auch sie sei über die Hotline durchgekommen. Ihr wurde gesagt, dass derzeit kein Termin vergeben werden könne, weil die Server überlastet seien. Da Hotline und Online-Buchung über dieselben Server gingen, habe am Morgen noch kein einziger Termin vergeben werden können. Ein dritter Nutzer beklagte, die Art Terminvergabe sei eine Zumutung: "Das ganze System ist darauf angelegt, dass alte Menschen überfordert sind. Wie sollen alte Leute ohne Kinder oder Enkel jemals an einen Impftermin kommen?"

"Am Anfang rumpelt es auch mal"

Später wurde auf der Webseite angezeigt, alle Termine seien ausgebucht. Nutzer aus Hessen berichten, dies sei auch dort am ersten Tag der Terminvergabe so gewesen, habe sich im Laufe des Tages jedoch als falsch herausgestellt. Im Laufe des ersten Anmeldungstages seien dann doch noch Termine zu bekommen gewesen.

Die Kassenärztlichen Vereinigungen von Nordrhein und von Westfalen-Lippe erklärten, es werde mit Hochdruck an der Beseitigung der Engpässe gearbeitet. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet sagte ntv, bei einer Million Menschen, die angeschrieben worden seien, sei es klar, dass es "am Anfang auch mal rumpelt". Im Laufe des Tages habe sich die Lage verbessert. "Jeder wird seinen Termin bekommen", versicherte Laschet.

In der Tabelle der Impfquote in Deutschland belegt Nordrhein-Westfalen bei den Erstimpfungen den drittletzten Platz, weniger Erstimpfungen gab es nur in Baden-Württemberg und Hessen.

Update: Auf Anfrage von ntv.de teilt das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen mit, aktuell könnten rund eine Million Impfberechtigte Termine für eine Schutzimpfung vereinbaren. "Bei einem so großen Vorhaben kann es trotz intensiver Vorbereitungen und Abstimmungen mit den Kassenärztlichen Vereinigungen auch mal ruckeln. Fakt ist: Am ersten Tag der Terminvergabe konnten bis jetzt 244.300 Termine vergeben werden (Stand: 25.1., 17.00 Uhr). Wahr ist aber auch: Die Internetseiten und Hotlines waren erwartungsgemäß dem ersten Ansturm nicht gewachsen. Die Kassenärztlichen Vereinigungen arbeiten hier derzeit mit Hochdruck daran, diese Engpässe zu beseitigen. Deshalb bitten wir alle, die von diesen Engpässen betroffen sind, herzlich um ein wenig Geduld. Wenn es beim ersten Mal noch nicht geklappt hat, sollte man es zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal versuchen. Es gehen keine Impftermine verloren. Es ist ausreichend Zeit und Vorlauf für die Terminvergabe, so dass jeder, der geimpft werden möchte, drankommen wird - wenn auch nicht sofort."


Quelle: ntv.de, hvo