Panorama

Immunschutz aus der Spritze Alle Daten, alle Fakten zur Corona-Impfung

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Einer der Orte, an dem die Pandemie ihren Schrecken verliert: Blick in eines der europäischen Impfzentren.

(Foto: picture alliance/dpa/KEYSTONE)

Das große Impfen kommt weiter nur langsam voran: Hausärzte, Impfzentren und mobile Impf-Teams hoffen weiter auf Nachschub. Wie viele Menschen in Deutschland haben ihre erste Impfdosis bereits erhalten?

Es ist ein Triumph der internationalen Forschung, zugleich aber auch eine Geduldsprobe für die leidgeplagte Öffentlichkeit: Weniger als ein Jahr nach dem Ausbruch der Coronavirus-Pandemie kommt die Massenimpfung gegen die potenziell tödliche Covid-19-Erkrankung in kleinen Schritten voran.

Noch immer steht in Deutschland nur eine begrenzte Menge an Impfstoff zur Verfügung. In der Woche nach Ostern wurde die deutsche Impfkampagne auf die niedergelassenen Ärzte ausgeweitet, die Zahl der täglich verimpften Dosen steigt dadurch an einzelnen Meldedaten kräftig an.

Die Menge an verfügbarem Impfstoff nimmt langsam zu, die Zahl der Geimpften in Deutschland wächst. Noch immer aber sind mehr als 80 Prozent der Bevölkerung komplett ungeimpft. Hinzu kommen immer wieder Rückschläge. Im März zum Beispiel sorgte ein zeitweiliger Stopp der Impfungen mit dem Vakzin Astrazeneca für Wirbel: Der Wirkstoff gilt nach einer Überprüfung mittlerweile wieder als "wirksam und sicher". Verimpft wird das Mittel in Deutschland den geltenden Empfehlungen zufolge in erster Linie in den Altersgruppen über 60 Jahren.

Mitte April erhielt Bundeskanzlerin Angela Merkel eine Erstimpfung mit Astrazeneca. "Das Impfen ist der Schlüssel, um die Pandemie zu überwinden", erklärte sie nach der Impfung. Merkel nutzte die Gelegenheit, um allen zu danken, die "sich in der Impfkampagne engagieren - und allen, die sich impfen lassen".

Einen zusätzlichen Schub für die deutschen Impfbemühungen soll die Ausweitung des Impfprogramms beisteuern. Kurz nach Ostern konnten auch niedergelassene Ärzte ihre Patienten in Hausarztpraxen zur Corona-Schutzimpfung empfangen. Dadurch konnte die Zahl der täglich eingesetzten Impfdosen kurzfristig mehr als verdoppelt werden. In der Spitze konnte die Impfleistung in Deutschland bis auf fast 738.000 Impfungen pro Tag erhöht werden. Gelingt es so, rechtzeitig einen ausreichenden Bevölkerungsanteil zu immunisieren, bevor die dritte Welle außer Kontrolle gerät?

Geimpft werden in Deutschland vorrangig besonders gefährdete Personen. Damit ist der Kampf gegen Sars-CoV-2 in eine neue Phase eingetreten: Durch den planmäßigen Aufbau eines Immunschutzes kann die Welt dem Erreger erstmals mehr entgegensetzen als nur Abstand halten, Mund-Nase-Masken, Lüften und Hygiene. Es bestehen sehr gute Aussichten, dass die Impfung die Ausbreitung des Virus rasch eindämmen könnte - sobald ein ausreichender Anteil der Bevölkerung geimpft ist.

Durch Studien ist bereits belegt, dass sich das individuelle Erkrankungsrisiko durch die Impfung massiv absenken lässt - weitgehend unabhängig vom verwendeten Impfstoff. Bei der Frage nach dem Schutz vor einer Coronavirus-Infektion gibt es je nach Impfstoff unterschiedlich hohe Wirkungsgrade. Vieles hängt jetzt davon, wie schnell der Immunschutzschirm aufgespannt werden kann. Dazu gibt es tagesaktuelle Daten, die eine Übersicht liefern, wie viele Menschen in Deutschland bereits geimpft wurden.

Die Daten aus dem sogenannten Impfquoten-Monitoring des Robert-Koch-Instituts (RKI) sind nicht nur für das weitere Vorgehen in der Pandemie-Abwehr und die Entscheidung über etwaige Lockerungen von Bedeutung: Um den Überblick zu behalten und zugleich die Wirksamkeit der Maßnahmen einschätzen zu können, werden bei jeder Impfung eine Reihe von Angaben erhoben.

Von den Impfteams notiert werden etwa der Tag der Impfung, der verwendete Impfstoff, die Chargennummer sowie Alter und das Geschlecht der geimpften Personen. Dazu kommen Angaben zum Wohnort anhand der Postleitzahl und die sogenannte Impfindikation, also ob die betreffende Person einer Risikogruppe oder einer sonstigen Impf-Kategorie angehört.

Erfasst wird auch, ob es sich um eine erste Impfung oder bereits um die zweite handelt, nach der bei den aktuell verwendeten Impfstoffen von Biontech/Pfizer und Moderna erst die Immunisierung erfolgt. Selbst nach abgeschlossener Impfungen sind die Geimpften noch nicht vollständig geschützt: Die volle Wirkung der Immunisierung tritt erst nach einigen Tagen ein.

Die bei der Impfung erhobenen Daten werden in den Impfzentren und von den mobilen Impfteams vor Ort über ein spezielles Online-Portal eingegeben und digital an die Bundesdruckerei übermittelt, wo sie im Auftrag des RKI zwischengespeichert und vom RKI täglich abgerufen werden.

"Über die Anzahl der durchgeführten Impfungen (unterschieden nach erster und zweiter Impfung) soll täglich berichtet werden", heißt es. Auf dieser Grundlage sind auch Angaben zur regionalen Impfquote möglich.

In Europa machte die EU-Arzneimittelbehörde EMA am 21. Dezember den Weg frei für den Einsatz des Covid-19-Impfstoffs von Biontech und Pfizer. Die EU-Kommission erteilte kurz darauf formell die Zulassung. Am 22. Dezember erteilte dann auch das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) in Deutschland die Freigabe der Impfstoff-Chargen.

Die EMA-Zulassung für den Impfstoff des US-Herstellers Moderna erfolgte am 6. Januar. Der Wirkstoff mRNA-1273 wird seit 15. Januar auch in Deutschland verimpft. Seit Ende Januar steht ein weiterer Impfstoff zur Verfügung: Die EU-Zulassung des von der Universität Oxford und Astrazeneca entwickelten Vakzins ChAdOx1 wurde am 29. Januar erteilt. Damit kommen innerhalb der Europäischen Union mittlerweile drei verschiedene Impfstoffe im Kampf gegen Sars-CoV-2 zum Einsatz.

Im März gab es allerdings neue Probleme: Mehrere Länder hatten die Impfungen mit dem Wirkstoff von Astrazeneca nach einigen Fällen schwerer Blutgerinnsel bei Geimpften vorsorglich ausgesetzt. Am 15. März entschied sich auch Deutschland zu einem Astrazeneca-Stopp, der vorerst für die Dauer von maximal zwei Wochen vorgesehen war. Am 18. März erklärte die EMA den Astra-Impfstoff nach einer Überprüfung für "zuverlässig und sicher".

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn kündigte daraufhin die Wiederaufnahme der Impfungen mit diesem Wirkstoff bereits ab 19. März an. Die "Ereignisse", die zur Aussetzung geführt haben, würden als seltene Nebenwirkungen in einer Ergänzung zum Aufklärungsbogen berücksichtigt, hieß es. Die EU-Behörde betonte, dass die Vorteile des Vakzins die Risiken überwögen.

Ende März gab es dann eine neue Wendung: Neue Daten zu vereinzelten Komplikationen führten zu einer weiteren Neubewertung des Astrazeneca-Impfstoffs. Bund und Länder folgten einer überarbeiteten Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) und setzten die Impfung mit diesem Mittel für Menschen unter 60 Jahren aus. Spahn sprach in einer ersten Reaktion von einem "Rückschlag". Allerdings könnten nun die über 60-Jährigen schneller geimpft und die 60- bis 69-Jährigen in die Kampagne einbezogen werden.

Vereinzelte Komplikationen wurden zuletzt auch bei Impfungen mit dem Wirkstoff des US-Herstellers Johnson & Johnson (J&J) berichtet. Die US-Behörden empfahlen daraufhin die vorsorgliche Aussetzung der Impfungen mit diesem Mittel, um den Berichten genauer nachgehen zu können.

In Deutschland sollten J&J-Impfdosen ab Mitte April ausgeliefert werden. Der Hersteller reagierte umgehend, der Europastart für J&J-Impfungen wurde verschoben. Noch offen ist, wie sich die neuen Probleme mit dem J&J-Mittel auf die deutschen Impfbemühungen auswirken wird.

Am zweiten Weihnachtsfeiertag erhielt eine 101-jährige Seniorin in Sachsen-Anhalt als erster Mensch in Deutschland eine Impfung. Seit dem 27. Dezember ist die größte Impfaktion der Geschichte überall im Land angelaufen. Probleme bei der Beschaffung und Belieferung führen zu Verzögerungen und teils großem Unmut.

Der weitere Fahrplan ist genau festgelegt: In einem logistischen Kraftakt werden die Impfdosen tiefgekühlt an die Bundesländer ausgeliefert. Überall in Deutschland stehen mobile Impfteams bereit, um gemäß der vorbereiteten Impfstrategie zunächst Menschen über 80 in Alten- und Pflegeheimen sowie deren Pflegekräfte und das besonders gefährdete Personal in Krankenhäusern zu immunisieren.

Das Vorgehen folgt ethischen Überlegungen: Der Impfschutz soll zunächst jenen Menschen angeboten werden, die das größte Risiko tragen, schwer oder gar lebensbedrohlich an Covid-19 zu erkranken. "Eine Priorisierung ist notwendig, weil zunächst nicht ausreichend Impfstoff zu Verfügung steht, um alle Menschen zu impfen, die das wünschen", heißt es dazu beim Bundesgesundheitsministerium.

Bereits Ende Januar hätten bundesweit eigentlich drei bis vier Millionen Impfdosen zur Verfügung stehen sollen. Für das zweite Quartal wurden umfangreichere Liefermengen angekündigt - und teils schon fest eingeplant. Doch auch Anfang April hinkt Deutschland diesen Plänen mit den bisher erzielten Impffortschritten weit hinterher.

Da die Behandlung mit den Impfstoffen von Biontech und Moderna zwei Impfspritzen im Abstand von bis zu drei Wochen vorsieht - und die Impfungen in Deutschland nur durch medizinisches Personal durchgeführt werden können -, wird es in jedem Fall noch dauern, bis die für einen echten Immunschutz der Bevölkerung erforderliche Mehrheit der Menschen in Deutschland geschützt ist.

Die Impfquoten klettern von Bundesland zu Bundesland in unterschiedlichem Tempo. Noch immer aber ist nur ein geringer Bruchteil der Bevölkerung vollständig geimpft, hat also auch die erforderliche Zweitimpfung bereits erhalten.

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Auch so schon ist der Zeitplan ehrgeizig: Die Anzahl der Impfdosen, die pro Woche an die Länder verteilt werden, soll in den kommenden Wochen kräftig steigen. Einige Bundesländer sind im Vertrauen auf eine konstante Lieferung nach Plan dazu übergegangen, die eingetroffenen Impfdosen so schnell wie möglich als Erstimpfung anzuwenden - ohne ausreichend Reserven für die nach drei Wochen anstehende Zweitimpfung vorzuhalten.

Nach den Hochbetagten und besonders gefährdeten Pflegekräften und Ärzten sind laut Impfplan die über 70-Jährigen, Kontaktpersonen gefährdeter Risikogruppen sowie Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr an der Reihe. Erzieher und Lehrer zum Beispiel folgen erst in der dritten Kategorie.

Bezahlt wird die Impfung vom Bund, die Kosten für den Aufbau und die Organisation der Impfzentren tragen die Länder und die Krankenkassen. Die Lieferungen werden nach ihrem Bevölkerungsanteil an die Bundesländer verteilt. Für das gesamte erste Quartal wurde mit 11 bis 13 Millionen Impfdosen gerechnet. Ende März konnten tatsächlich insgesamt rund 15,4 Millionen Impfdosen ausgeliefert werden, darunter allein 12,4 Millionen Dosen des Wirkstoffs von Biontech.

Für das gesamte Jahr soll Deutschland allein von Biontech über 85 Millionen Impfdosen bekommen. Weitere Impfstoffkandidaten stehen vor der Zulassung. Wenn alle zugelassen werden sollten, kann Deutschland voraussichtlich mit insgesamt 300 Millionen Impfdosen rechnen.

Quelle: ntv.de

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