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Kurz am Absturz vorbeigeschrammt Kanzlerjet wird mit Totalschaden verschrottet

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Landung 2018 in Portugal: Auch Kanzlerin Merkel nutzt die "Global 5000" gerne für Reisen innerhalb Europas.

(Foto: picture alliance / Michael Kappe)

Ständige Pannen bei Regierungsfliegern sind inzwischen fast ein Running Gag. Doch der Beinahe-Absturz eines Kanzlerjets im April mit folgender Notlandung entbehrt jeder Komik. Die Bundeswehr teilt jetzt mit, dass das Flugzeug wegen Totalschadens ausgemustert werden muss.

Nach der dramatischen Notlandung eines Regierungsflugzeugs im April muss die Bundeswehr die Unfall-Maschine vom Typ "Global5000" ausmustern. Das berichtete der "Spiegel" unter Berufung auf den Generalinspekteur der Bundeswehr und den Hersteller. Demnach habe der Flugzeugbauer Bombardier einen Totalschaden diagnostiziert. Wegen erheblicher Schäden an den Tragflächen und am Fahrwerk seien die Reparaturkosten deutlich höher als der Marktwert des Jets.

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Der Jet der Flugbereitschaft der Bundeswehr war am 16. April nach einer Wartung bei Bombardier in Berlin-Schönefeld zu einem Probeflug abgehoben. Schon kurz nach dem Start verloren die Piloten die Kontrolle, da ein wichtiges Teil der Steuerung bei der Instandsetzung falsch installiert worden war. Bei der riskanten Notlandung verfehlte der Regierungsflieger die Landebahn. Beide Tragflächen schrammten den Boden. Anschließend schlitterte der Jet über den Rasen und rammte ein Hinweisschild.

In den vier Monaten seither machten Techniker gravierende Schäden an dem Jet aus, berichtete das Magazin weiter: Drei der vier Holme zur Aufhängung der Tragflächen und das komplette Fahrwerk müssten ausgetauscht werden. Im Verteidigungsministerium empfehlen Fachleute daher, den beschädigten Jet auszumustern. In Industriekreisen hieß es, Bombardier werde wegen eines Einbaufehlers bei der Wartung den Totalschaden wohl bezahlen müssen.

Peinliche Pannenserie: Bundeswehr hält an Lufthansa-Wartung fest

Die Ausmusterung der Maschine trifft die Flugbereitschaft der Bundeswehr nach einer herben Pannenserie. Erst am Samstag hatte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nur mit Verspätung nach Polen reisen können, weil seine Maschine einen technischen Defekt hatte. In der vergangenen Woche hatte Außenminister Heiko Maas Pech mit einem Luftwaffen-Airbus, der wegen eines Defekts nicht starten konnte.

Die Luftwaffe besitzt noch drei weitere Bombardier Global 5000. Eine durch ein Flughafenfahrzeug beschädigte Maschine des gleichen Typs war erst kürzlich aus der Reparatur gekommen. Die Cityjets werden von Kanzlerin Angela Merkel und anderen Regierungsmitgliedern auf Kurz- und Mittelstrecken eingesetzt. Die Maschinen bieten Platz für kleinere Delegationen von bis zu 13 Passagieren.

Für Entlastung soll das Folgemodell sorgen: Bereits vor der Sommerpause hatte das Verteidigungsministerium drei neue Mittelstreckenmaschinen bestellt. Der erste Jet, eine "Global6000" von Bombardier, werde bereits in Kanada getestet und solle noch diese Woche an die Bundeswehr übergeben werden, hieß es in dem "Spiegel"-Bericht. Zugleich wolle die Bundeswehr an der Lufthansa als alleinigem Wartungsunternehmen für die Regierungsjets festhalten, meldete das Blatt weiter. Dabei habe die Bundeswehr der Lufthansa "sehr klar gemacht", dass es in Zukunft keine weiteren Pannen geben dürfe.

Quelle: n-tv.de, mau

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