Politik

Laschet in Erftstadt Kichern in der Katastrophe - voll daneben!

Zusammen mit Bundespräsident Steinmeier besucht Ministerpräsident und CDU-Chef Laschet den stark vom Hochwasser betroffenen Rhein-Erft-Kreis. Doch ein kurzer Moment sorgt für Kritik: Laschet kichert inmitten der Katastrophe. Das macht man wirklich nicht.

Vorn im Bild drückt der Bundespräsident sein Mitgefühl aus, seine Trauer und seine Fassungslosigkeit. Hinten im Bild, ein paar Meter entfernt, feixt eine Gruppe anderer, und mittendrin steht NRW-Landesvater Armin Laschet, derzeit aussichtsreichster Kanzlerkandidat. Man scherzt, man lacht, so geht das qualvoll lange Sekunden. Die Gruppe wähnt sich unbeobachtet. Doch die Kamera, in die Steinmeier spricht, filmt auch sie.

Nein, Armin Laschet lacht nicht über Steinmeier oder gar über die weit mehr als hundert Toten der Hochwasser-Katastrophe, das kann und will man nicht für möglich halten. Das zu unterstellen ist böswillig und lächerlich zugleich. Nein, Armin Laschet lacht über irgendetwas, vermutlich über etwas ziemlich Belangloses, ein kleines Witzchen vielleicht. Aber das genau ist jetzt sein Problem und es könnte sehr groß werden für den Kanzlerkandidaten.

Niemand verlangt von Politikern, ständig mit bitterernster Miene durchs Land zu laufen. Aber wenn Politiker in Katastrophengebieten auftreten, sich ein Bild machen, Mitgefühl ausdrücken und Hilfe versprechen - dann gibt es keine Nebensachen, die ablenken dürfen. Dann darf es keinen Moment ohne volle Konzentration geben, keinen Moment, der inmitten von Leid und Tod peinlich unernst wirkt. Zwar sind inzwischen Videos aufgetaucht, die auch Steinmeier lächelnd zeigen, während Laschet spricht. Es ist jedoch kein so albernes Lachen wie beim Ministerpräsidenten.

Wäre das Merkel unterlaufen?

Politiker müssen nicht mit den betroffenen Menschen weinen, das kann schrecklich anbiedernd sein. Aber gleichsam Bedingung für die Nähe zu den Opfern ist in solchen Politiker-Momenten die absolute Selbstkontrolle: Um es den geschlagenen Menschen leichter zu machen, ihre eigene Würde zu wahren. Um den Opfern und dem ganzen Land zu zeigen, wie ernst die Lage genommen wird, wie ernsthaft an schneller Hilfe gearbeitet wird. Es sind Gesten, ja, aber sie zählen, im Guten wie im Schlechten.

All das kann ein Moment des kindischen Kicherns kaputt machen, eben weil es auf jeden Moment ankommt. Denn dieses Lachen markiert den Kontrollverlust, der einem Spitzenpolitiker bei einem derartigen Auftritt nicht passieren sollte. Und wer sich fragt, ob damit nicht etwas Übermenschliches von Politikern verlangt wird - der möge sich auch fragen, ob Angela Merkel so etwas im ersten oder im letzten Jahr ihrer Kanzlerschaft unterlaufen wäre. Die Antwort ist: Nein.

Auch darum ist Merkel Bundeskanzlerin, und Wahlkämpfer Armin Laschet jetzt in der Not zu erklären, warum er genauso für das Amt geeignet sein soll wie sie. Noch ein paar Fehlleistungen wie diese - und er kann sich die Mühe sparen: Die ganz normalen Menschen der Mitte, die Armin Laschet für einen Wahlsieg unbedingt braucht, haben ein untrügliches Gespür für Dinge, die "man nicht macht". Und Kichern in der Katastrophe - das macht man wirklich nicht.

Ergänzung: Laschet hat sich inzwischen für sein Verhalten entschuldigt. "Umso mehr bedauere ich den Eindruck, der durch eine Gesprächssituation entstanden ist. Dies war unpassend und es tut mir leid", twitterte er.

Quelle: ntv.de

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