Politik

Häuser in Brand gesteckt Mehr als 100 Tote bei Massaker in Äthiopien

Zurückgelassene Schuhe von Menschen auf der Flucht vor dem Konflikt in der Region Tigray.

Zurückgelassene Schuhe von Menschen auf der Flucht vor dem Konflikt in der Region Tigray.

(Foto: dpa)

Bewaffnete Angreifer haben Dörfer im Westen von Äthiopien überfallen. Dabei sind laut Menschenrechtsorganisation Amnesty International Menschen erstochen und erschossen worden. Überlebende berichten von Häusern in Flammen. Die Zahl der Toten soll steigen.

Laut Amnesty International sind im Westen von Äthiopien mehr als 100 Menschen bei einem Massaker umgebracht worden. Am Morgen hätten bewaffnete Angehörige der Bevölkerungsgruppen der Amhara, Oromo und Shinasha Dörfer in der Region Benishangul-Gumuz angegriffen, teilte die Menschenrechtsorganisation mit. Es seien Menschen erstochen und erschossen sowie Häuser in Brand gesteckt worden.

Amnesty sprach eigenen Angaben zufolge mit fünf Überlebenden des Angriffs per Telefon. Es gebe bislang Berichte über mindestens 100 Tote, die Zahl werde aber wahrscheinlich steigen. Die regionale Nachrichtenagentur der Amhara Region, die Amhara Mass Media Agency, berichtete, Augenzeugen hätten von mehreren Dutzenden Toten und abgebrannten Häusern erzählt.

Dieser brutale Angriff unterstreiche die "dringende Notwendigkeit, dass Äthiopiens Regierung handeln muss, um die Gewalt gegen ethnische Minderheiten zu stoppen", sagte Netsanet Belay von Amnesty International. Seit September hat es demnach mehrere Wellen der Gewalt gegen Mitglieder der Amhara, Shinasha, Oromo und Agew in dieser Region gegeben.

Etliche Spannungen zwischen Bevölkerungsgruppen

Im Vielvölkerstaat Äthiopien mit seinen rund 112 Millionen Einwohnern gibt es etliche Spannungen zwischen Bevölkerungsgruppen. Sie haben unter dem seit 2018 regierenden Ministerpräsident Abiy Ahmed zugenommen. Derzeit herrscht in der nördlichen Region Tigray ein Konflikt zwischen der Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF), die dort an der Macht war, und der Zentralregierung in Addis Abeba.

Noch am Wochenende war es nach den wochenlangen Kämpfen in der äthiopischen Konfliktregion Tigray zu Spannungen mit dem Nachbarstaat Sudan über Grenzprobleme gekommen. Über die Grenze zu Sudan waren nach rund einmonatigen Kampfhandlungen knapp 50.000 Äthiopier aus der Tigray-Region geflohen.

Quelle: ntv.de, ysc/dpa