Politik

Ex-SPD-Chefin "muss Cut machen" Nahles gibt letztes Interview als Politikerin

Andrea Nahles während einer Pressekonferenz im Februar 2019 in Berlin

Andrea Nahles während einer Pressekonferenz im Februar 2019 in Berlin.

(Foto: imago images/Christian Spicker)

Vor vier Monaten zieht sich Andrea Nahles fast vollständig aus der Politik zurück. Nun gibt sie ihr letztes Interview als Politikerin. Mit einer Lokalzeitung spricht sie unter anderem über ihren Rücktritt. Ruhig angehen möchte sie ihr neues Leben aber nicht.

Seit ihrem Rücktritt als SPD-Partei- und Fraktionschefin Anfang Juni hat sich Andrea Nahles beinahe komplett aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Bis auf einen Auftritt in einem Kloster äußerte sie sich weder zur großen Koalition oder zur Lage ihrer Partei. Auch zum Rennen um ihre Nachfolge gab es keinen Kommentar. Doch nun - kurz nach der Ankündigung, ihr Bundestagsmandat zum 1. November niederzulegen - stellte sie sich wieder den Fragen von Journalisten.

Heimatverbunden wie sie ist, wählte sie dafür nicht die Hauptstadtpresse, sondern eine Lokalzeitung in ihrem Wahlkreis in der Eifel. "Das ist das letzte Interview, das ich als Politikerin geben werde", sagte Nahles der Zeitung "Blick aktuell" bereits am Montag. Damit sei die Geschichte "Andrea Nahles als öffentliche Person" beendet.

Nahles gestand mit Blick auf ihren Rücktritt ein, noch nicht so "ganz durch mit der Sache" zu sein. Sie erlebe Hochs und Tiefs. "Aber ich schaue nach vorne." Sie habe eine Übergabe des Amts durchgeführt, "weil ich da Freunde habe, denen ich Gutes will". So könne sie "besser damit umgehen, ohne Groll". Dazu müsse sie jetzt aber einen "Cut" machen.

Was kommt nach der Politik?

Auf die Frage, wie Nahles' Tochter mit der Situation umgegangen sei, sagte die 49-Jährige, dass das Mädchen zuerst traurig gewesen sei, "weil ich auch traurig war". Aber jetzt freue sie sich, weil die Mutter endlich mal öfter zu Hause sei. "Aber ganz so idyllisch wird es nicht bleiben, wenn ich eine neue Aufgabe habe." Wie diese aussieht, dazu hielt sich Nahles bedeckt: "Ich weiß es nicht." Sie sei in Gesprächen, sagte sie dem Bericht zufolge. Beruflich in der Eifel bleiben, werde sie aber "wohl eher nicht".

Nahles war mit einer Unterbrechung seit 1998 im Bundestag. Seit der Bundestagswahl 2017 führte sie fast zwei Jahre die Fraktion. Außerdem war sie von 2013 bis 2017 Arbeitsministerin und von April 2018 bis Juni 2019 Parteivorsitzende. Nach dem Desaster der SPD bei der Europawahl war Nahles stark unter Druck geraten - und hatte schließlich alle Spitzenämter niedergelegt.

Auf die Frage, was von ihr wohl in den Geschichtsbüchern stehen werde, sagte Nahles dem Bericht zufolge: "Ich hoffe, der Mindestlohn." Und immerhin sei sie ja auch die erste weibliche Fraktionsvorsitzende der SPD im Bundestag und die erste Vorsitzende der Partei nach 155 Jahren gewesen.

Quelle: n-tv.de, fge/dpa

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