Politik

Tee als beliebtes Mittel Nawalny wäre nicht das erste Gift-Opfer

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Britische Ermittler am Tatort im Fall Skripal.

(Foto: picture alliance / Andrew Matthe)

Putins prominentester Kritiker Alexej Nawalny liegt mit einer schweren Vergiftung im Krankenhaus. Schon jetzt werden Vermutungen laut, der Kreml könnte dahinterstecken. Denn bereits in der Vergangenheit wurden Gegenspieler Putins vergiftet.

Der prominente Kreml-Kritiker Alexej Nawalny wird mit Vergiftungserscheinungen auf der Intensivstation eines sibirischen Krankenhauses behandelt. Der 44-Jährige sei bewusstlos, erklärte seine Sprecherin Kira Jarmisch. Demnach wird der Oppositionelle beatmet, sein Zustand sei kritisch. Der Jurist ist einer der schärfsten Kritiker von Russlands Präsident Wladimir Putin. "Wir vermuten, dass etwas in seinen Tee gemischt wurde", sagte Jarmisch. Den Tee habe er in einem Café auf dem Flughafen von Tomsk getrunken. Die Nachrichtenagentur Interfax meldete unter Berufung auf den Besitzer der Gaststätte, dass dort nun die Überwachungskameras überprüft würden. Ob sich der Vorwurf, Nawalny sei von seinen Gegnern vergiftet worden, noch erhärtet, ist völlig unklar. Sicher ist jedoch, dass er nicht der erste Gegenspieler Putins wäre, der mit Gift aus dem Weg geräumt wurde. Ein Überblick:

Sergej Skripal:

Vom russischen Militärnachrichtendienst GRU lief Sergej Skripal vermutlich um die Jahrtausendwende zum MI6 über. 2004 wurde er in Moskau enttarnt, verhaftet und zu einer langen Lagerstrafe verurteilt. Sechs Jahre später wurde er vom damaligen russischen Präsidenten Dmitri Medwedew begnadigt. Putin sagte 2010 über ihn und andere damals Begnadigte: "Die Verräter werden ins Gras beißen. Vertrauen Sie mir. Diese Leute haben ihre Freunde betrogen, ihre Waffenbrüder." Skripal setzte sich nach seiner Freilassung nach Großbritannien ab und nahm seine Agententätigkeit einem Bericht des "Focus" zufolge wieder auf. Am 4. März 2018 wurde er mit seiner 33-jährigen Tochter bewusstlos auf einer Parkbank in Salisbury gefunden. Kurz zuvor soll er mit zwei Russen in einem Hotel Tee getrunken haben. Drei Tage später gaben britische Ermittler bekannt, dass Skripal und seine Tochter mit einem Nervenkampfstoff vergiftet worden seien. Die damalige Premierministerin Theresa May sagte am 12. März, es sei "sehr wahrscheinlich", dass die russische Regierung hinter dem Mordversuch stecke. Das Attentat löste eine schwere diplomatische Krise zwischen den Ländern aus. Skripal überlebte jedoch.

Alexander Litwinenko:

Jahrelang arbeitete Litwinenko für den sowjetischen Geheimdienst KGB und nach dem Zusammenbruch der UdSSR für den Nachfolgedienst FSB. 1998 kritisierte er die russische Regierung erstmals öffentlich dafür, über den Geheimdienst Gegner aus dem Weg zu räumen. 2000 floh er nach Großbritannien und beantragte politisches Asyl. Danach begann er laut "Daily Mail" für den britischen Geheimdienst MI6 zu arbeiten. In der Nacht vom 1. zum 2. November 2006 zeigte er heftige Vergiftungserscheinungen. Kurz vor seinem Tod am 23. November desselben Jahres fanden Ärzte in seinem Urin erhebliche Mengen radioaktiven Poloniums. Wenige Stunden bevor er das Bewusstsein verlor, erklärte er in einem Interview mit der "Times", dass ihn der Kreml zum Schweigen gebracht hätte. Das Gift wurde ihm vermutlich in seinen Tee gemischt.

Piotr Wersilow:

Das Mitglied der russischen Polit-Punk-Band Pussy Riot wurde im September 2018 mit einem Ambulanzflieger nach Berlin gebracht und anschließend von Spezialisten behandelt. Zuvor hatte er in einem Moskauer Krankenhaus gelegen. Seine Lebenspartnerin Nadeschda Tolokonnikowa sagte der "Bild"-Zeitung damals, sie gehe davon aus, dass ihr Partner mit Absicht vergiftet worden sei, und dass es entweder um Einschüchterung oder sogar einen Mordanschlag gehe. Nach Medienberichten fanden Ärzte in seinem Blut starke Psychopharmaka. Zwischenzeitlich soll sich Wersilow in Lebensgefahr befunden haben. Die genauen Hintergründe sind bis heute unklar.

Wiktor Juschtschenko:

Der ehemalige ukrainische Präsident Juschtschenko erlitt im September 2004 eine Dioxinvergiftung. Wochenlang wurde er im Krankenhaus behandelt und konnte nicht am Präsidentschaftswahlkampf teilnehmen. Seinen eigenen Angaben zufolge wurde ihm das Gift bei einem Abendessen mit ukrainischen Geheimdienstlern verabreicht. Im März 2018 antwortete Juschtschenko in einem Interview mit der BBC auf die Frage, ob Präsident Putin involviert gewesen sei mit der Aussage, er habe dazu eine Antwort, aber er werde sie nicht aussprechen. Europa sollte erkennen, dass die größte Bedrohung für seine Bürger ein Russland sei, das im 21. Jahrhundert mittelalterliche Methoden anwende.

Quelle: ntv.de, bdk