Politik

Nur ein Spaß in Prag? Parlamentspräsident zeigt Stinkefinger

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Vondracek entschuldigte sich für den Vorfall.

(Foto: picture alliance / Michal Krumph)

In Parlamenten gibt es immer mal wieder legendäre Szenen - etwa Joschka Fischers Bemerkung: "Mit Verlaub Herr Präsident, Sie sind ein A…". Auch in Prag gab es nun so ein Ereignis. Beteiligt war auch dort der Parlamentspräsident.

Der tschechische Parlamentspräsident Radek Vondracek hat von seinem Podiumsplatz im Plenarsaal in Prag den Stinkefinger gezeigt. Das berichtete die Agentur CTK. Der Vorfall ereignete sich demnach kurz vor Beginn der Sitzung des Abgeordnetenhauses, der wichtigeren der beiden Parlamentskammern in Tschechien.

"Das war eine Reaktion auf eine andere Geste eines Kollegen und Kameraden - und selbstverständlich handelte es sich um einen Spaß", schrieb der 46-Jährige bei Twitter und bat die Öffentlichkeit um Entschuldigung. Vondracek gehört der populistischen Partei ANO des Ministerpräsidenten und Multimilliardärs Andrej Babis an. Der 23 Jahre alte, konservative Parlamentarier Dominik Feri postete ein Video des Stinkefinger-Vorfalls im Internet mit dem Kommentar, da solle noch einmal einer sagen, er sei der jüngste Abgeordnete.

Andere reagierten ernster. "Der Herr Vorsitzende hat wohl vergessen, dass er nicht im Gymnasium auf der Schulbank sitzt, wo ihn die anderen Schüler vielleicht als Helden gefeiert hätten", sagte die Oppositionsabgeordnete Vera Kovarova. Der Vorsitzende des Abgeordnetenhauses war bereits im vorigen März in die Schlagzeilen geraten.

Fischer und Wehner im Bundestag für Zitate gut

Damals war ein Foto aufgetaucht, das zeigte, wie Vondracek mit der Gitarre in der Hand auf dem Podium des Plenarsaals tanzte. Ein Nachspiel hatte die Sache nicht, obwohl namhafte Oppositionspolitiker seinen Rücktritt gefordert hatten. Einen ähnlichen Vorfall gab es zuletzt 2007, als der damalige Ministerpräsident Mirek Topolanek den Oppositionsbänken den Stinkefinger zeigte.

Auch in Deutschland gab es Vorfälle, die polarisierten. Darunter ist etwa der Zwischenruf "Mit Verlaub, Herr Präsident, Sie sind ein Arschloch", der 1984 im Bundestag vom Grünen-Abgeordneten Joschka Fischer kam. Er richtete sich an Bundestags-Vizepräsident Richard Stücklen.

Legendär sind auch die Beleidigungen des früheren SPD-Fraktionschefs Herbert Wehner (1906 - 1990). Der war in den 70er Jahren gefürchtet für seine Beleidigungen anderer Politiker. So bezeichnete er den CDU-Abgeordneten Jürgen Wohlrabe als "Übelkrähe" und Parteifreund Hans-Jochen Vogel als "blau-weißes Arschloch". Der "Süddeutschen Zeitung" zufolge drehten damals manche Eltern sogar den Fernseher leiser, damit die Kinder von solchen Äußerungen verschont blieben.

Quelle: ntv.de, vpe/dpa

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