Bilderserie
Donnerstag, 12. April 2018

Joschka Fischer wird 70: Der erste Star, den die Grünen hatten

Bild 1 von 71
Haben Sie den Mann links im Bild schon mal gesehen? (Foto: AP)

Haben Sie den Mann links im Bild schon mal gesehen?

Haben Sie den Mann links im Bild schon mal gesehen?

Na, macht es jetzt klick?

Es ist Grund zum Feiern. Joschka Fischer, der ehemalige Grünen-Politiker und Außenminister, wird 70 Jahre alt. Ein Rückblick auf den Werdegang des ersten Stars, den die Grünen hatten.

Das Jahr 1983 markiert eine Zäsur in der deutschen Politik. Mit den Grünen gelingt einer neuen Partei der Einzug in den Bundestag.

Die linke Partei hat sich im Umfeld der Umwelt- und Friedensbewegung konstituiert. Ihr Ziel: das Parlament in Bonn aufmischen.

Einer der 28 Abgeordneten heißt Joschka Fischer. Fischer stammt aus Baden-Württemberg, das Gymnasium hat er ohne Abschluss abgebrochen.

In den 60ern ist er in den Studentenbewegung aktiv, später als Sponti in linksradikalen Gruppen.

Gemeinsam mit Daniel Cohn-Bendit zieht es Fischer Anfang der 80er zu den Grünen.

1982 tritt er der Partei bei und wird in den Bundestag gewählt. (hier mit Petra Kelly, Marieluise Beck und Helmut Kohl)

Fischer erwirbt sich schnell einen Namen: Im Plenum trägt er Sonnenbrille und Turnschuhe. 1984 beschimpft er Bundestagsvizepräsident Richard Stücklen als "Arschloch" (der Satz wird berühmt, vollständig lautet er: "Mit Verlaub, Herr Präsident, Sie sind ein Arschloch").

Aber Fischer nimmt einen kleinen Umweg auf dem Weg nach ganz oben. 1985 wechselt er von Bonn nach Wiesbaden.

Fischer wird Umweltminister in der ersten rot-grünen Landesregierung. Die Koalition zerbricht jedoch schon noch zwei Jahren.

Nach den Neuwahlen bilden CDU und FDP eine Regierung, Fischer und die Grünen wechseln in die Opposition.

Nur ein kleiner Rückschlag für den damals 39 Jahre jungen Fischer.

Der muss trotzdem nicht fürchten, Aufmerksamkeit zu verlieren.

Fischer, der dem realpolitischen Flügel der Partei angehört, schreibt Bücher ...

... und profiliert sich bei den Grünen als führende Figur.

Während die Grünen bei der Bundestagswahl 1990 eine Niederlage hinnehmen müssen, kehren sie ein Jahr später in Hessen in die Regierung zurück.

Fischer wird nicht nur Umweltminister, sondern auch stellvertretender Ministerpräsident unter dem sozialdemokratischen Regierungschef Hans Eichel. In dieser Zeit verdichten sich auch die Kontakte zwischen Grünen und SPD (hier mit Eichel, Rudolf Scharping und Oskar Lafontaine im Bundesrat).

Fischer verlässt Wiesbaden jedoch vorzeitig, er hat größere Ziele, will zurück in den Bundestag - was ihm nach der Bundestagswahl 1994 auch gelingt.

Obwohl er nicht Vorsitzender, sondern "nur" Fraktionschef der Grünen ist, macht sich Fischer an die Neuausrichtung der Partei.

Für internen Ärger sorgt nicht nur seine Forderung nach einer Interventionspflicht der Uno bei Völkermord.

1996 spricht er sich - im Gegensatz zu seiner Partei - für den Bundeswehreinsatz in Bosnien aus.

Fischer profiliert sich, auf dem Spielfeld, ...

... aber auch daneben.

Er netzwerkt (hier mit dem PDS-Politiker Gregor Gysi) ...

... und sondiert künftige Beschäftigungsfelder (1996 mit Kerstin Müller und Jürgen Trittin beim deutschen IFOR-Kontingent in Kroatien).

Fischer kämpft für die Abwahl des langjährigen Bundeskanzlers Helmut Kohl und für eine rot-grüne Mehrheit bei der Bundestagswahl.

Dafür bringt er sich in Form, ...

... speckt kräftig ab, ...

... nimmt Anlauf ...

... für sein großes Ziel.

Am Abend des 27. September 1998 erwarten die Grünen mit Spannung die Hochrechnungen. Reicht es?

Es reicht. 1998 kommt es in der deutschen Politik zu einer Zäsur. SPD und Grüne haben eine knappe Mehrheit.

Die Grünen übernehmen erstmals im Bund Regierungsverantwortung, Fischer wird Außenminister ...

... und Stellvertreter von SPD-Kanzler Gerhard Schröder.

Fischer trägt von nun an Krawatte und sitzt auf der Regierungsbank ganz vorn. Am 27. Oktober 1998 werden die Kabinettsmitglieder vereidigt.

Fischers Spielfeld ist jedoch in der Ferne.

Als deutscher Chefdiplomat ...

... reist er um die Welt.

Der Krieg in Jugoslawien ist die erste große Bewährungsprobe der neuen Bundesregierung.

Im Streit um den Nato-Einsatz im Kosovo fliegen bei den Grünen nicht nur die Fetzen. Beim Parteitag 1999 in Bielefeld wird Fischer, der für den Einsatz wirbt, mit einem Farbbeutel beworfen.

Mit roter Farbe beschmiert beschwört er die Delegierten, ihn zu unterstützen: "Auschwitz ist unvergleichbar. Aber ich stehe auf zwei Grundsätzen, nie wieder Krieg, nie wieder Auschwitz, nie wieder Völkermord, nie wieder Faschismus. Beides gehört bei mir zusammen." Eine Mehrheit folgt seiner Linie.

Im Juni 1999 billigt der Bundestag den Kosovo-Einsatz. Auch später muss Fischer seiner Partei immer wieder Kompromisse abringen.

Die internen Kämpfe bei den regierungsunerfahrenen Grünen sind schwierig, in seinem Amt blüht Fischer jedoch auf (hier mit Palästinenser-Präsident Jassir Arafat).

Bei den Deutschen genießt der ...

... Ober-Grüne große Beliebtheit.

In den Fußstapfen von Willy Brandt und Hans-Dietrich Genscher macht Fischer eine bessere Figur, als viele erwartet hätten.

Dabei bleibt sogar gelegentlich Zeit für Scherze.

Am 11. September 2001 wird die Welt erschüttert. Nach den Terror-Anschlägen in den USA sichert die Bundesregierung den USA vollen Beistand zu. Die Amerikaner fordern eine militärische Beteiligung Deutschlands.

Als es um Afghanistan geht, ist die rot-grüne Bundesregierung noch an der Seite der USA. Den sich anbahnenden Irak-Krieg lehnt sie jedoch kategorisch ab. Dieses Nein ...

... wird 2002 zum Wahlkampfschlager.

Fischer ist vor der Bundestagswahl erneut das Zugpferd seiner Partei.

Die rot-grüne Koalition kann ihre knappe Mehrheit halten.

Es geht weiter - wenn auch nicht so lange wie geplant.

Das angeschlagene Verhältnis zu den USA ist auch in Fischers zweiter Legislaturperiode das dominierende außenpolitische Thema.

Fischer wirbt um Verständnis für die deutsche Position, mit mäßigem Erfolg. Die US-Regierung ist mächtig vergrämt und kritisiert den "deutschen Sonderweg" massiv.

Auch die Visa-Affäre beschäftigt Fischer. Der Außenminister wird für massenhafte Missbrauchsfälle bei der Erteilung von Visa in deutschen Botschaften verantwortlich gemacht.

Vor einem Untersuchungsausschuss übernimmt Fischer die Verantwortung, tritt aber nicht zurück.

Eigentlich sind es noch gut eineinhalb Jahre bis zur nächsten Bundestagswahl, aber die Tage der rot-grünen Bundesregierung sind gezählt.

Im Mai verliert die SPD 2005 bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen die Regierung. Anschließend ruft Kanzler Schröder vorgezogene Neuwahlen für September aus. Fischer hält dies für einen Fehler, kann daran aber nichts mehr ändern.

Auch infolge der umstrittenen Hartz-Reformen sind die Umfragen der Regierungsparteien mies. Noch im Juli 2005 liegen SPD und Grüne zusammen unter 35 Prozent, die Union erreicht mehr als 45 Prozent. Viel deutet auf einen klaren Sieg von CDU und CSU hin.

Wieder soll es Fischer für die Grünen richten.

Der Außenminister tourt durch das Land, seine Stimme röhrt über die Marktplätze der Republik.

Es ist Fischers letztes Gefecht ...

... und das Ende von Rot-Grün.

Fischer muss CDU-Chefin Angela Merkel gratulieren, die neue Kanzlerin wird.

Im September 2006 legt Fischer sein Bundestagsmandat nieder. Anschließend wird es ruhig um ihn.

Fischer übernimmt Gastprofessuren an verschiedenen Universitäten, gründet eine Beraterfirma (hier mit seiner fünften Ehefrau Minu Barati-Fischer).

Kurzzeitig für Schlagzeilen sorgt Fischer 2009, als er im Umfeld des geplanten und inzwischen eingestellten Nabucco-Pipeline- Projektes als Berater engagiert wird.

Im politischen Ruhestand geht Fischer auf Distanz zu seiner Partei. Seit dem Ende seiner politische Karriere hat er keinen Grünen-Parteitag mehr besucht. Dennoch ist er bis heute eine der prägendsten Figuren der Partei.

weitere Bilderserien