Politik

Frustration und Korpsgeist Polizeidienst begünstigt Vorurteile

113790118.jpg

Polizisten treffen meist nur dann auf Ausländer, wenn es Probleme gibt. Zusammen mit Faktoren wie Stress, Überstunden und dem Gefühl, zu wenig ausrichten zu können, begünstigt das Vorurteile.

(Foto: picture alliance/dpa)

Menschen, die viel Kontakt mit Migranten haben, neigen gewöhnlich weniger zu Vorurteilen. Bei Polizisten ist das offenbar anders. Ein Sozialpsychologe erklärt warum und nennt auch ein einfaches Gegenmittel.

Polizisten tragen nach Einschätzung eines Sozialpsychologen ein höheres Risiko, Vorurteile zu entwickeln. "Die Gefahr ist aufgrund negativer beruflicher Erfahrungen erhöht", sagte der Marburger Sozialpsychologe Ulrich Wagner.

Eigentlich zeige die Forschung, dass Menschen mit viel Kontakt zu Ausländern weniger Vorurteile hätten - die Begegnungen seien nämlich meist positiv. Seien die Erlebnisse aber überwiegend negativ, würden Vorurteile nicht abgebaut, sondern eher verstärkt. "Man muss sich darüber im Klaren sein, dass Polizisten im Umgang mit Menschen mit Migrationshintergrund sehr häufig in unangenehme Situationen kommen", sagte Wagner. "Das braucht dann schon eine gewisse demokratische Standfestigkeit, um dem etwas entgegenzusetzen." 

Zu diesen "überzufällig häufigen" negativen Begegnungen kommen Wagner zufolge zwei weitere Faktoren, die den Effekt verstärken: "In Berufen mit großen Belastungen gibt es großes Zusammengehörigkeitsgefühl." Das führe dazu, dass man zu unpassenden Äußerungen oder Übergriffen "eher schweigt, als Kollegen zu verpetzen".

Ein weiterer Grund sei "ein gewisser Frustrationsfaktor" aufgrund vieler Überstunden, hoher Belastung und dem Gefühl, zu wenig ausrichten zu können. Um ein Abdriften nach rechts zu verhindern, müssten Polizisten wieder mehr Anerkennung bekommen, sagte der Sozialpsychologe.

Außerdem müsse man ihrem Korpsgeist etwas entgegensetzen. Das könnte zum Beispiel eine Vertrauensperson sein, an die man sich wenden kann, ohne in eine offene Konfrontation gehen zu müssen. Die Politik sei außerdem gut beraten, rechte Einstellungen in der Polizei in empirischen Studien erforschen zu lassen, wie es die Bundeswehr getan habe.

Quelle: ntv.de, mbo/dpa