Politik

"Einen und zusammenführen" Seehofer installiert Findungskommission

553cb343022a06544c8ffb2be5b5f4d5.jpg

Entscheidung vertagt? Ein Quartett um Seehofer soll nun Gespräche führen.

(Foto: REUTERS)

Erst die Fraktion und dann der Vorstand: CSU-Chef Seehofer hat für heute eine Erklärung zu seiner Zukunft in der Partei angekündigt. Bislang ist nur bekannt, dass eine Entscheidung doch noch Zeit braucht - und prominente Hilfe.

In München hat der CSU-Vorstand die Beratungen über die künftige personelle Aufstellung der Christsozialen begonnen. Parteichef Horst Seehofer hat seine persönliche Zukunft dabei offengelassen. Er vermied in seinem Eingangsstatement jegliche Aussage zu möglichen neuen Kandidaturen als Parteichef oder Ministerpräsident Bayerns, wie aus Teilnehmerkreisen verlautete. Zudem versprach er eine "befriedende" Lösung. Er wolle die Partei "einen, befrieden und zusammenführen".

Seehofer hat seine mit Spannung erwartete Aussage zu seiner persönlichen Zukunft nach eigenen Worten auf Anraten seiner engsten Vertrauten verschoben. Er hätte dem CSU-Vorstand eigentlich etwas zu seinen persönlichen Zukunftsplänen sagen wollen, erklärte er nach übereinstimmenden Teilnehmerangaben in der Sitzung.

Nun wolle er aber bis Anfang Dezember Gespräche über eine "Zukunftslösung" für die Partei führen, hieß es. Begleitet werde er dabei von den beiden Ehrenvorsitzenden Edmund Stoiber und Theo Waigel sowie Parteivize und Landtagspräsidentin Barbara Stamm. Unklar blieb zunächst also auch, ob Seehofer weiter Parteichef bleiben will. Dabei hatte er noch am Mittag angekündigt, am Abend werde "alles klar" sein.

Söder: Situation ist ernst

Vor Beginn der Sitzung hatte der als möglicher Nachfolger von Seehofer gehandelte bayerische Finanzminister Markus Söder gesagt, es sei ganz wichtig, vor dem CSU-Parteitag Mitte Dezember eine Einigung zu erreichen. Die CSU sei in einer ernsten Situation. In der Fraktion hat Söder seit längerem eine klare Mehrheit hinter sich.

Bereits am Mittag hatte Seehofer in der Landtagsfraktion seinen Zeitplan präsentiert. Vorstandskreise nannten als mögliche Lösung, dass Seehofer etwa den Verzicht auf eine erneute Spitzenkandidatur und das Amt des Ministerpräsidenten erklären könnte. Gleichzeitig war aber auch erwartet worden, dass in einem solchen Fall die Nachfolge noch nicht geklärt wird und dies den Beratungen der CSU-Gremien überlassen wird.

"Zu Harmonie zurückkehren"

Seehofer hatte zuvor betont, er wolle alles dazu beitragen, "dass wir zu einer Harmonie und einer Kameradschaft und Kollegialität in der CSU wieder zurückkehren". Sein Bestreben sei, "dass wir die verschiedenen Interessen zusammenführen und dass wir am Ende eines solchen Prozesses wieder sehr geschlossen als Christlich Soziale Union auftreten, wie es eigentlich zu unserer Tradition gehört". Auch mit Söder habe er "intensiven Kontakt", sagte der CSU-Vorsitzende auf Nachfrage.

Seehofer steht seit dem Absturz der CSU bei der Bundestagswahl auf nur noch 38,8 Prozent massiv unter Druck, mindestens eines seiner Ämter abzugeben. Die Junge Union etwa forderte den Rückzug des 68-Jährigen als Ministerpräsident spätestens zur Landtagswahl im Herbst 2018.

Quelle: ntv.de, jwu/dpa/AFP