Politik

Noch erwünscht? Thierse bietet Esken Austritt aus der SPD an

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Thierse hatte zuletzt in einem umstrittenen Beitrag bestimmte Entwicklungen in identitätspolitischen Debatten über Rassismus und Gender kritisiert.

(Foto: picture alliance / ZB)

SPD-Chefin Saskia Esken und ihr Vize Kevin Kühnert zeigen sich zuletzt "beschämt" über "rückwärtsgewandte" Parteimitglieder. Ex-Bundestagspräsident Thierse fühlt sich angesprochen. Laut einem Bericht fragt er nun in einem Brief an Esken, ob er in der Partei noch erwünscht sei.

Ex-Bundestagspräsident Wolfgang Thierse hat in einem Schreiben an SPD-Chefin Saskia Esken seinen Parteiaustritt zur Debatte gestellt. Das berichtet der Tagesspiegel. Thierse bittet in dem Schreiben, das der Zeitung vorliegt, darum, ihm öffentlich mitzuteilen, ob sein "Bleiben in der gemeinsamen Partei weiterhin wünschenswert oder eher schädlich" sei. Er selbst habe Zweifel, "wenn sich zwei Mitglieder der Parteiführung von mir distanzieren".

Auslöser war eine Einladung zu einer parteiinternen Diskussion, die im Namen von Esken und ihrem Vize Kevin Kühnert an ausgewählte Mitglieder versandt worden war. Darin zeigten sich beide "beschämt" über nicht näher genannte SPD-Vertreter, die ein "rückwärtsgewandtes Bild der SPD" zeichneten.

Gastbeitrag sorgt für Kritik

Damit dürfte auch ein Gastbeitrag über Identitätspolitik gemeint sein, den Thierse kürzlich in der "FAZ" veröffentlicht hatte. Darin hatte er bestimmte Entwicklungen in identitätspolitischen Debatten über Rassismus und Gender scharf kritisiert. Es gebe "Radikalisierungen des Diskurses, die eher die Konfrontation verschärfen" und "das Leben von Gemeinsamkeiten erschweren", sagte Thierse im Deutschlandfunk.

Thierse kritisiere zwar auch identitätspolitische Diskurse von rechts, doch sehe er in den Diskursen von links ein Erstarken der "Cancel-Culture". Damit ist ein öffentliches Anprangern von Einzelnen oder Institutionen nach Aussagen oder Taten gemeint, die die Kritiker als diskriminierend oder als anderweitiges Fehlverhalten werten. Thierse hält dies für "demokratiefeindlich".

Auch die Umbenennung von umstrittenen Straßennamen sehe er kritisch. Zudem sei das "Blackfacing" ein "elementarer Teil von Kulturgeschichte". Von Blackfacing spricht man, wenn sich Weiße schminken, um Schwarze darzustellen; Kritiker sehen darin eine stereotype Darstellung und Degradierung von Hautfarbe zur Verkleidung. Bei Twitter erntete Thierse viel Kritik, aber auch Anerkennung.

In dem Artikel habe er versucht, "zu Mäßigung zu mahnen und verstärkte Anstrengungen auf das Gemeinsame und Verbindende einer mehr denn je pluralen, diversen Gesellschaft zu richten", schrieb der 77-Jährige nun an Esken. "Ich meinte, dies sei gut sozialdemokratisch."

Quelle: ntv.de, hek/dpa

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