Politik

Weitere russische Niederlage? Think Tank sieht Ukraine als Sieger im Kampf um Charkiw

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Ukrainische Soldaten fahren auf einer zurückeroberten Straße.

(Foto: REUTERS)

Die Stadt Charkiw ist seit Beginn des Ukraine-Kriegs hart umkämpft. Nun schätzt das Institute for the Study of War ein, dass die russischen Streitkräfte dort einen gravierenden Rückschlag erlitten haben. Die Experten vermuten gar einen lokalen Sieg.

Die ukrainischen Streitkräfte "scheinen die Schlacht von Charkiw gewonnen zu haben". Zu dieser Einschätzung kommt das in den USA ansässige Institute for the Study of War, ein Thinktank für Verteidigungsfragen. Charkiw, die zweitgrößte Stadt der Ukraine, liegt nur 50 Kilometer von der russischen Grenze entfernt und wird seit Kriegsbeginn im Februar von Russland bombardiert.

Das US-Institut sieht im Kampfgeschehen um Charkiw einen weiteren offensichtlichen Rückschlag für die Kriegsziele von Russlands Präsident Wladimir Putin. Das werde unter anderem daran deutlich, dass russische Einheiten nicht versucht hätten, ihre Stellungen rund um die Stadt gegen einen Gegenangriff ukrainischer Truppen zu halten. "Die Ukraine scheint also die Schlacht um Charkiw gewonnen zu haben", so das Institut. "Die ukrainischen Streitkräfte haben die russischen Truppen daran gehindert, Charkiw einzukesseln, geschweige denn einzunehmen, und sie dann aus der Umgebung der Stadt vertrieben." So hätten sie das auch schon beim Kampf um die ukrainische Hauptstadt Kiew gemacht.

Die Erfolge könnten nach Einschätzung von internationalen Militärexperten aber vor allem darauf beruhen, dass das russische Militär in dem Abschnitt nur schlecht ausgebildete Kämpfer aus den Separatistengebieten Luhansk und Donezk eingesetzt hatte. Ein kürzlich veröffentlichtes Video einer Gefangennahme von zwei aus Chrustalnyj stammenden Soldaten scheint diese These zu belegen.

Ersatz durch Söldner?

Die US-Experten vermuten hingegen eine Strategieänderung Russlands. Offenbar ziele die Aktion darauf ab, eigene Truppen unter anderem durch Söldner zu ersetzen. Russische Einheiten hätten in den vergangenen Tagen kaum noch versucht, sich gegen ukrainische Streitkräfte zu behaupten, so die Analysten. "Berichte westlicher Beamter und ein Video eines Offiziers der Volksrepublik Donezk (DNR) deuten darauf hin, dass Moskau sich darauf konzentriert, die eigenen Truppen geordnet zurückzuziehen, anstatt die Stellungen in der Nähe der Stadt zu halten." Danach würde es Stellvertreterkräften erlaubt, in die Kräfte einzugreifen. Die Ukraine kontrolliert demnach jetzt ein Gebiet, das sich bis zum Fluss Siverskyi Donets erstreckt, etwa 40 km östlich der Stadt.

Zuvor hatte der britische Militärgeheimdienst erklärt, Russland habe bei einem gescheiterten Versuch, den strategisch wichtigen Fluss im Donbass südöstlich von Charkiw zu überqueren, "bedeutende gepanzerte Manövrierelemente" einer taktischen Bataillonsgruppe verloren, die normalerweise etwa 800 Mann stark ist. Örtliche Behörden berichten aber auch, dass Moskau weiterhin Dörfer nördlich von Charkiw bombardiert.

Am Freitagabend hatte der ukrainische Verteidigungsminister Oleksii Reznikov in einem Facebook-Beitrag geschrieben: "Wir treten in eine neue, lange Phase des Krieges ein." Er prognostizierte "extrem harte Wochen", in denen die Ukraine weitgehend allein gegen einen "wütenden Aggressor" stehen werde. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte in seiner täglichen Videoansprache am Freitag gesagt: "Die schrittweise Befreiung der Region Charkiw beweist, dass wir dem Feind niemanden überlassen werden."

Quelle: ntv.de, sba

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