Politik

Überraschende Einblicke Wie das Leben in Nordkorea wirklich ist

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Nordkoreanische Soldatinnen und Soldaten bei der Arbeit.

(Foto: Joseph A. Ferris III)

Nordkorea ist eine der grausamsten Diktaturen der Welt. Doch in dem Land gibt es überraschende Tendenzen der Öffnung, die das Regime so nicht goutieren dürfte. Ein neues Buch schildert die erstaunlichen Entwicklungen.

Nordkorea - ein steinzeitlich-stalinistisches Land, abgeschottet vom Rest der Welt. In Pjöngjang regiert Alleinherrscher Kim Jong-Un mit eiserner Hand. Freude kennen die Menschen hier nicht. Und wegen der Indoktrination durch die staatliche Propaganda können sie sich ein Leben ohne Repression, Hunger und den Hass auf den Westen gar nicht mehr vorstellen. Den Westen hält das Regime mit seinem Atomwaffenprogramm auf Distanz. Ein falsches Wort, und der Irre von Pjöngjang drückt auf den roten Knopf.

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So sehen viele Menschen Nordkorea - und sitzen damit einseitigen Vorurteilen auf. Die beiden jungen Journalisten Daniel Tudor und James Pearson legen in ihrem Buch "North Korea Confidential", das zur Pflichtlektüre über das zeitgenössische Nordkorea werden könnte, ein differenzierteres Bild vor. Denn der Alltag in Nordkorea weicht in vielen Fällen vom Klischee ab. Die Autoren beschreiben das Leben in dem Land, wie es wirklich ist. Dazu befragten sie Dutzende Flüchtlinge und prüften deren Aussagen - so gut es im Fall von Nordkorea eben geht.

Eine Auswahl der überraschendsten Befunde:

Erkenntnis 1: Die meisten Nordkoreaner erwirtschaften den Großteil ihrer Einkünfte auf dem freien Markt.

Tudor und Pearson vergleichen kapitalistisches Wirtschaften in Nordkorea mit Sex im viktorianischen Großbritannien: Jeder macht es, doch nur wenige geben es öffentlich zu. Dabei ist der Kapitalismus in Nordkorea allgegenwärtig. In Vorgärten bauen die Menschen Gemüse zum Eigengebrauch und Verkauf an. An den Straßenecken existieren kleine Märkte, auf denen Nordkoreaner mit Geld längst mehr kaufen können, als das Regime zuteilt. Und der Handel mit dem Nachbarland China floriert ebenso wie der Gebrauch des Yuan als inoffizielle "harte" Währung des Landes.

Seinen Ursprung hat der Kapitalismus in Nordkorea in den Hungersnöten der 1990er-Jahre, als das Regime die Menschen schlicht nicht mehr ernähren konnte. Selbsthilfe, auch illegale, wurde inoffiziell geduldet. Private Felder und kreative Beschaffungsformen von notwendigen Gütern haben sich in die heutige Zeit gerettet. Schmiergelder an der richtigen Stelle sorgen dafür, dass man seinen Geschäften weitgehend unbehelligt nachgehen kann. Dasselbe gilt für Handelsreisen nach China. Genehmigungen dafür werden normalerweise nur selten erteilt. Doch alleine 2012 haben 130.000 Nordkoreaner China besucht. Und was sie mit sich bringen, ist häufig illegal und daher schwer gefragt: Handys mit Verbindung ins Ausland, Computer sowie DVDs und USB-Sticks - voll bepackt mit den neuesten Serien und Filmen aus dem feindlich-imperialistischen Ausland.

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Berlinern dürften die U-Bahnen von Pjöngjang bekannt vorkommen: Seit 1998 sind ausrangierter Fahrzeuge der BVG in Betrieb.

(Foto: Wang Hsieh)

Erkenntnis 2: Viele Nordkoreaner konsumieren südkoreanische und US-amerikanische Medien.

Über China und Großhändler in grenznahen nordkoreanischen Orten finden DVDs und seit etwa fünf Jahren auch USB-Sticks mit südkoreanischen und US-amerikanischen Filmen und Serien ihren Weg auf lokale Märkte im ganzen Land. Der Besitz solchen Materials ist illegal. Doch auch hier gilt: Wer schmiert, muss nichts befürchten. Und USB-Sticks sind im Fall einer Durchsuchung leicht zu verstecken. Der Besitz von Computern und DVD-Spielern mit USB-Buchse nimmt rapide zu - die Geräte werden aus China eingeführt oder umgerüstet. Und wer kein Abspielgerät hat, sieht bei Bekannten mit.

Das führt dazu, dass die Mehrzahl der Nordkoreaner mindestens gelegentlich mit ausländischen Medien in Kontakt kommt. Das wiederum hat Folgen: Von der Propaganda verbreitete Stereotypen über die USA und Südkorea finden weniger Glauben. Zudem ändert sich die Sprache. Südkoreanische Modewörter halten im Norden Einzug. So zu reden wie die "US-Marionetten" im Süden ist schick. Und auch sonst breiten sich Trends aus dem kapitalistischen Ausland im eigentlich abgeschotteten Nordkorea aus.

Erkenntnis 3: Mode, Schönheit und Kosmetik spielen auch für junge Nordkoreaner eine wichtige Rolle.

Junge Nordkoreanerinnen und Nordkoreaner wollen - da unterscheiden sie sich nicht von Jugendlichen im Rest der Welt - aussehen wie ihre Idole. Und sie lassen sich von Regeln, die dagegen stehen, nicht davon abbringen. Mit dem Unterschied, das die Folgen der Rebellion in Nordkorea wesentlich drastischer ausfallen dürften als in vielen anderen Ländern der Welt. Wer sich mit auch in Nordkorea beliebten hautengen Blue Jeans blicken lässt, muss offiziell mit Strafen rechnen. Theoretisch kann dafür auch das Arbeitslager drohen. Doch auch hier - Sie ahnen es schon - helfen gute Kontakte und ein Päckchen Zigaretten oder ein paar Geldscheine.

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Eines der wichtigsten Fortbewegungsmittel in Nordkorea ist das Fahrrad.

(Foto: Alexander Akulov)

Tatsächlich finden regelmäßig große Mengen Kleider, auch bereits getragene, aus China und Japan den Weg nach Nordkorea. Globale Trends spiegeln sich so, mit ein wenig Verzögerung und mit behutsamer Dosierung, auch auf Nordkoreas Straßen wider. Ebenso offiziell verpönt wie verbreitet ist Makeup für Frauen. Und eine weitere Mode aus Südkorea erreicht den Norden: Schönheitsoperationen - wenn auch nur in kleinem Ausmaß.

Viele Südkoreaner lassen sich das Augenlid so operieren, dass bei geöffnetem Auge eine Falte entsteht. Das soll sie europäischer aussehen lassen. Und genau das lassen auch immer mehr Nordkoreaner "an sich machen". Es gibt zahllose Hinterhofbuden, die die recht simple Operation für ein paar Dollar anbieten. Es ist ebenso weit verbreitet, den Eingriff selbst vorzunehmen. Im Internet kursieren Videos mit Anleitungen dazu. Über USB-Sticks finden sie ihren Weg nach Nordkorea.

Erkenntnis 4: Nordkoreaner verstehen es durchaus, Partys zu feiern.

Im Koreanischen gibt es das Wort "eumjugamu" - und es bezeichnet eine Trias, die die Menschen im Süden wie im Norden gleichermaßen lieben: Trinken, Musik und Tanzen. Frei übersetzt also: Party machen. In dem Land, in dem die Ressourcen, nämlich Geld für Alkohol sowie Strom für Musik und Licht, knapp sind, ist die Leidenschaft fürs Feiern dennoch sehr groß. Dabei kommen sowohl auf dem legalen Markt erstandene Drinks als auch auf dem Land selbst Gebranntes und Gebrautes zum Einsatz. Nordkoreaner lieben Bier und vor allem Soju - ein Schnaps aus Reis oder Kartoffeln mit rund 20 Volumenprozent.

Nordkoreaner, die ihre Freizeit im Park verbringen und sich dabei das eine oder andere Glas genehmigen, sind ein häufig anzutreffendes Bild. Weitaus wilder und länger dauern Haus-Partys, wie sie überall üblich sind. Die Musik kommt vom USB-Stick. Und wenn der Strom, wie nach wie vor häufig in die Provinz, abgeschaltet wird, geht das Fest bei Kerzenlicht weiter.

Erkenntnis 5: Ein beträchtlicher Teil der Nordkoreaner besitzt ein Handy. Einige von ihnen können damit sogar ins Ausland telefonieren.

Nordkorea hat seit einigen Jahren einen eigenen Netzbetreiber für Handy-Telefonie - und die Nutzung nimmt immer mehr zu. Mitte 2013 zählte die halbstaatliche Koryolink schon zwei Millionen Handykunden. Das bedeutet, dass immerhin acht Prozent der Nordkoreaner ein Handy besitzen. Die meisten der Nutzer leben in der Hauptstadt. Auch Smartphones sind vor allem in Pjöngjang immer weiter verbreitet. Allerdings sind diese eher Prestigeobjekte als wirklich nützlich. Eine Verbindung zum Internet gibt es nämlich nicht. Wer eine neue App haben möchte, der muss in den nächsten Koryolink-Laden gehen und sie sich installieren lassen.

Mit dem Handy telefonieren zu können ist jedoch alles andere als ein Ausdruck einer neuen Kommunikationsfreiheit. Gespräche werden vom Geheimdienst zum Teil live mitgehört. Ungenierter plaudert es sich mit einem chinesischen Handy, die auf dem Schwarzmarkt erhältlich sind und in den grenznahen Regionen heimlich benutzt werden. Wer sich erwischen lässt, muss jedoch mit drastischen Strafen rechnen.

Bei all diesen überraschenden Details aus dem nordkoreanischen Alltagsleben zeigen Daniel Tudor und James Pearson auch die andere Seite der Diktatur: Wie ist das Leben in den Straflagern? Wie kommen Bürger des Landes in sie herein? Und gibt es einen Ausweg aus ihnen? Wer hat die Macht in Pjöngjang? Welche Fraktionen spielen eine Rolle?

Quelle: n-tv.de

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