Die historische Bedeutung seines Erfolgs für das deutsche Schwimmen kannte Johannes Liebmann gar nicht. Als erster Deutscher darf sich der 19-Jährige Europameister über 800 Meter Freistil nennen. "Das wusste ich nicht. Das hört sich super an - mega", sagte Liebmann, als er in der Interviewzone des Centre Aquatique Olympique. Er ließ die etablierte Konkurrenz wie Vizeweltmeister Sven Schwarz aus Hannover, der Zweiter wurde, den starken Ungarn Zalan Sarkany oder Olympiasieger Daniel Wiffen hinter sich.
Nach seinem Rennen für die Geschichtsbücher will sich der Senkrechtstarter aber nicht ausruhen. Das "Hauptziel", sei auf jeden Fall besser zu werden, erklärte der 19-Jährige kurz nach seinem sensationellen Triumph: "Ich glaube, da ist noch ein bisschen Potenzial." Zu was er bereits jetzt im Stande ist, bewies er zuvor eindrucksvoll. Nach 550 Metern hatte sich der Senkrechtstarter von Schwarz und Sarkany abgesetzt und zog unwiderstehlich davon. Er krönte sich in 7:37,59 Minuten zum Champion und verbesserte dabei seine eigene europäische Bestmarke, die er erst im April aufgestellt hatte, um 35 Hundertstel.
Er sehe bei sich selbst aber "immer noch viele Fehler", erklärte Liebmann auf die Frage nach seinen nächsten Zielen, er sei "relativ selbstkritisch". Keine guten Nachrichten für die Konkurrenz. Denn Liebmann, der seit drei Jahren bei Bundestrainer Bernd Berkhahn in Magdeburg mit den Olympiasiegern Florian Wellbrock und Lukas Märtens trainiert, gehört schon jetzt auf einer weiteren Strecke in Paris zu den Favoriten. Am Freitag geht er als Weltjahresbester über 1500 Meter an den Start. Am Sonntag kommt es über 400 Meter zum Duell mit Weltrekordler Märtens.

