All die Schmähungen im Madison Square Garden, all die Provokationen, kleine wie große, LeBron James ließ sich davon den Abend nicht verderben. "Die Halle ist so besonders. Es hat Spaß gemacht", sagte der Basketballstar nach seinem Debüt für die Philadelphia 76ers, zuvor hatte er den NBA-Fans in New York wehgetan - schon wieder.
James, nach acht Jahren bei den Los Angeles Lakers zu den Sixers gewechselt, crashte mit seinem neuen Team die Meisterparty der stolzen Knicks. Erst fand die Bannerzeremonie statt, dann ging das Auftaktspiel mit 106:100 an die Gäste, doch auf den Rängen kochte es schon vorher. Denn James hatte sich im Sommer nicht nur für Philadelphia, sondern auch gegen New York und die laut eigener Aussage "weltweit beste Arena für Basketballer" entschieden.
"Ich könnte noch deutlich besser sein"
"We don't want you", wir wollen dich nicht, riefen Zuschauer beleidigt, als James an der Freiwurflinie stand. Er sei "soft", war aus der zweiten Reihe zu hören, und das kam gar nicht gut an. "Im Mittleren Westen ist nichts soft. Ich komme nicht von der Westküste. Ich komme aus Ohio, Baby", antwortete James und schaute böse.
Am Ende war das Geplänkel egal. Der viermalige Champion überzeugte mit 14 Punkten, neun Rebounds und sieben Assists, sah aber Luft nach oben. "Ich könnte noch deutlich besser sein", sagte der 41-Jährige bei NBC, "ich finde langsam meinen Rhythmus, bin ja erst seit etwas mehr als zwei Wochen bei der Mannschaft."
Besonders stark präsentierte sich Tyrese Maxey, der als Topscorer auf 28 Punkte kam und James an einen alten Bekannten erinnerte. "Der erste, der mir mit dieser Art von Schnelligkeit in den Sinn kommt, offensiv wie defensiv, ist Dennis Schröder", sagte der Altstar. Nationalmannschaftskapitän Schröder, inzwischen bei den Charlotte Hornets, hatte 2020/21 und 2022/23 in LA an James' Seite gespielt.
"Hey, das geht nicht"
Einiges lief nach dessen Neustart wie immer, einiges war neu. So warf James vor dem Tip-off beim legendären "Chalk Toss" Kreide in die Luft, doch sein Anblick im blauen Sixers-Jersey ist noch gewöhnungsbedürftig. Es wurde von einem Patch geziert, "24 NBA Seasons" stand darauf, denn so lange ist der Ausnahmespieler aus Akron jetzt schon dabei.
James hatte am Spieltag eine kurze Anreise. "Sixers Bron" wohnt in New York, pendelt im Hubschrauber nach Philadelphia, 40 Minuten dauert ein Flug. Dass er nicht bei den Knicks landete, rein organisatorisch wäre vieles einfacher gewesen, hatte mit deren Titelgewinn im Finale gegen die Spurs zu tun.
"Nachdem sie San Antonio geschlagen hatten, dachte ich mir: 'Hey, das geht nicht.' Ich hätte das nicht tun können", hatte James zuletzt gesagt und den Medienvertretern erklärt: "Ihr hättet mir das absolut nicht durchgehen lassen." Die 76ers machten das Rennen bei der Entscheidung über seine wohl letzte Station. In den MSG kehrt der Neu-New-Yorker aber noch mehrmals zurück, als ungern gesehener Gast.


