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die Ermittlungen richten sich unter anderem gegen Ibu-Präsident Anders Besseberg.
die Ermittlungen richten sich unter anderem gegen Ibu-Präsident Anders Besseberg.(Foto: dpa)
Mittwoch, 11. April 2018

Razzien und Rücktritt: Biathlon-Weltverband droht Doping-Beben

Polizei-Ermittlungen gegen zwei Top-Funktionäre, Razzien in Österreich und Norwegen, ein Rücktritt: Im Biathlon-Weltverband wackeln derzeit die Wände, Grund sollen vertuschte Dopingpraktiken sein. In Verdacht steht dabei die langjährige Verbandsspitze.

Der Biathlon-Weltverband hat offiziell bestätigt, dass österreichische Ermittler am Dienstag die Verbandszentrale in Salzburg durchsucht haben. in einer IBU-Pressemitteilung hieß es zudem, dass sich die Ermittlungen gegen den amtierenden Präsidenten Anders Besseberg aus Norwegen und die deutsche Generalsekretärin Nicole Resch richten. Zum Grund der Ermittlungen machte die IBU keine Angaben, sie sollen aber um das Thema Doping kreisen. Ins Rollen gebracht hatte die Untersuchungen offenbar die Welt-Anti-Doping-Organisation Wada. Wada-Sprecher James Fitzgerald bestätigte dem norwegischen Fernsehsender NRK aber lediglich, "dass die Angelegenheit mit Doping zusammenhängt". Laut NRK sollen zeitgleich zur Razzia in Österreich auch Durchsuchungen in Norwegen stattgefunden haben.

Nicht mehr im Amt: Ibu-Generalsekretärin Nicole Resch trat umgehend von ihrem Posten zurück.
Nicht mehr im Amt: Ibu-Generalsekretärin Nicole Resch trat umgehend von ihrem Posten zurück.(Foto: dpa)

Die IBU teilte mit, man werde bei den Untersuchungen voll kooperieren und nehme die Angelegenheit "extrem ernst". Aufgrund der polizeilichen Untersuchungen habe die 42-jährige Resch ihr Amt mit sofortiger Wirkung niedergelegt. Die Juristin aus Thüringen war seit 2008 die starke Frau im Biathlon-Weltverband, ihre Aufgaben übernimmt vorerst IBU-Exekutivdirektor Martin Kuchenmeister.

Der 72-jährige Besseberg, der seit 1992 im Amt ist, hatte bereits in den vergangenen Wochen mitgeteilt, nicht mehr als Präsident zu kandidieren. Der neue Verbandsboss und der gesamte Vorstand sollen beim IBU-Kongress Anfang September im kroatischen Adria-Ort Porec gewählt werden. Besseberg kündigte an, sein Amt erst einmal ruhen lassen zu wollen. Dem norwegischen Fernsehen sagte der IBU-Chef, dass man die Regeln befolgt habe. Aber er könne nicht sagen, ob diejenigen die die Angelegenheit untersuchen, dies auch so sehen würden. "Ich habe nichts zu verbergen", sagte Besseberg.

Das österreichische Bundeskriminalamt hatte am Dienstag Räume des Weltverbandes in Salzburg durchsucht. Das ORF-Fernsehen hatte in der Nachrichtensendung "ZiB2" über die Razzia am IBU-Sitz berichtet und ebenfalls Ermittlungen in Zusammenhang mit Doping-Vorwürfen als Grund angegeben. In Norwegen strahlte NRK ein Interview mit dem russischen Doping-Whistleblower Grigori Rodschenkow aus. Der frühere Leiter des Moskauer Anti-Doping-Labors sagte, die IBU habe vor den Winterspielen 2014 in Sotschi dazu beigetragen, Doping im Biathlon zu vertuschen. "Russland erhielt sensible Informationen von der IBU", sagte Rodschenko.

Die französische Tageszeitung "Le Monde" berichtet unter Bezug auf einen Untersuchungsbericht der Welt-Anti-Doping-Agentur, dass die IBU gegen Bestechungsgelder gedopte russische Sportler geschützt habe. Dies behaupte neben Rodschenko auch ein weiterer nicht namentlich genannter Informant.

Die IBU war in der jüngsten Vergangenheit für ihre zu lasche Vorgehensweise im Anti-Doping-Kampf massiv in die Kritik geraten. So boykottierten zahlreiche Nationen zuletzt das Weltcup-Finale, das die IBU trotz des russischen Dopingskandals im sibirischen Tjumen veranstaltete - obwohl im Verband weitere russische Dopingfälle erwartet werden. Am Rande des Weltcups im finnischen Kontiolahti hatte James E. Carrabre, der für medizinische Angelegenheiten zuständige Vize-Präsident der IBU, dem ZDF gesagt: "Ich weiß ganz sicher, dass weitere russische Dopingfälle auftauchen werden."

Quelle: n-tv.de