Abschied von "Nellie"

Der Mann, der Dirk Nowitzki eine Woche im Keller versteckte

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Erfolgsduo: Dirk Nowitzki und sein ehemaliger Trainer Don Nelson. (Foto: imago sportfotodienst)
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10.08.2026 | 19:46 Uhr
Einst zwängte er sich mit Dirk Nowitzki in einen VW Golf, nun ist Don Nelson gestorben: Der ehemalige NBA-Trainer holte den deutschen Riesen mit spitzfindigen Plänen in die USA zu den Dallas Mavericks. Die Basketballwelt ist um ein Unikum ärmer.

Ein VW Golf, weiß, in die Jahre gekommen. Am Steuer sitzt Dirk Nowitzki, Don Nelson zwängt sich daneben, Sohn Donnie muss auf die Rückbank, als es quer durch Würzburg geht. Die Abordnung der Dallas Mavericks nimmt im Sommer 1998 Unbequemlichkeiten in Kauf, denn die Basketballhoffnung, gerade 20 geworden, soll unbedingt im Draft geholt werden, aus Deutschland nach Texas wechseln, den NBA-Klub nach oben führen. Der Rest ist Geschichte.

Am Sonntag nun ist Don Nelson mit 86 Jahren gestorben. Ligaboss Adam Silver würdigte die unkonventionelle Trainerlegende vor allem für Erfindungsreichtum, er habe das Spiel in der NBA durch "seine Unerschrockenheit, seinen Einfallsreichtum und seine tiefe Überzeugung revolutioniert". Nelson war der Erfinder von "Nellie Ball", eine Taktik, die auf Schnelligkeit und Athletik setzte - auf "run and gun".

Sein Name aber bleibt nicht zuletzt untrennbar mit dem Weg von Nowitzki verbunden. Entsprechend dankbar verabschiedete sich der mittlerweile 48-Jährige von seinem Förderer. "Nellie ... Du hast mich nicht nur gedraftet. Du hast an mich geglaubt. Du hast Dinge in meinem Spiel gesehen, bevor mir überhaupt klar war, dass ich dazu fähig bin", schrieb Nowitzki bei X. "Ich glaube nicht, dass meine Karriere so verlaufen wäre, wenn du nicht mein erster Trainer gewesen wärst und mir die Freiheit gegeben hättest, mein Spiel zu spielen. Ich kann nur DANKE sagen. Für alles. RIP, Legende."

"Dirk sollte unser Spieler werden"

Nelson wollte Nowitzki damals unbedingt, reiste deshalb mit seinem Sohn und dem damaligen Klubbesitzer Ross Perot Jr. nach Würzburg, es wurde geredet und gegrillt, auch Mentor Holger Geschwindner war natürlich dabei. Man wurde sich einig und schmiedete einen Plan. "Wir haben Dirk vor dem Draft einige Wochen lang versteckt", erzählte Nelson einst der "Sports Illustrated". "Wir wollten einfach verhindern, dass er woanders zum Probetraining geht. Er sollte unser Spieler werden. Er war damit einverstanden. Also versteckte er sich eine Woche lang in Donnies Keller."

Durch einen Deal mit den Milwaukee Bucks, den die Franchise auf ewig bereuen dürfte, kam Nowitzki im Rahmen des Draft nach Dallas. Nelson, als Profi fünfmal Meister mit den Boston Celtics, nahm den jungen Blondschopf an die Hand, 13 Jahre später (2011) führte dieser den Klub zum bis heute einzigen NBA-Titel. Da war der Coach schon nicht mehr da, 2005 hatten sich die Wege getrennt. Sohn Donnie arbeitete weiter in Dallas, war General Manager im Meisterjahr, blieb bis 2021.

Don Nelson, der während seines Engagements in Dallas eine Krebserkrankung überstand, beendete seine Karriere (ohne Titel) nach 31 Trainerjahren und 1335 Siegen 2010 bei den Golden State Warriors. Nur Gregg Popovich (1390) steht in der Bestenliste vor dem Hall-of-Famer. Als Basketball-Rentner zog Nelson auf eine Farm auf Maui und wurde Unternehmer, züchtete Blumen, baute Kaffee und Cannabis an.

In Frisco/Texas starb Nelson nun. "Während seiner letzten Woche umgaben ihn Freunde und Familie mit Liebe", hieß es in einer Mitteilung der Nelsons. Der Ehemann, Vater, Großvater und Urgroßvater sei "friedlich zu Gott heimgekehrt". Die Basketballwelt ist um ein Unikum ärmer.

Verwendete Quellen: ntv.de, dbe/sid