Herr Dörr, das Rennwochenende auf dem Norisring steht vor der Tür. Wie blicken Sie auf den anstehenden Klassiker in Nürnberg?
Ben Dörr: Die ist riesig! Der Norisring ist mit seinen Betonwänden und Leitplanken sehr speziell. Man muss extrem präzise fahren, das macht den besonderen Reiz aus. Unserem McLaren kommt die Strecke nicht unbedingt entgegen. Trotzdem werden wir alles probieren, um auch an diesem Wochenende gut abzuschneiden. Die Strecke ist einfach cool, es macht jedes Jahr Spaß, dorthin zu kommen.

Am Lausitzring haben Sie Ihren ersten DTM-Sieg gefeiert und damit Geschichte für McLaren geschrieben. Wie fühlt sich dieser Erfolg mit etwas Abstand an?
Wir sind natürlich alle super happy über unseren ersten Sieg in der DTM. Vor allem das Team hat sich unglaublich gefreut. Mit Startplatz zehn hatten wir nicht die besten Karten. Ich bin einfach überglücklich, dass es endlich mit dem ersten Sieg geklappt hat. Der Pokal steht bei mir zu Hause im Wohnzimmer direkt neben der Trophäe für den zweiten Platz in Zandvoort. Hoffentlich kommen über die Saison noch ein paar dazu.
In dieser Saison ist bei Ihnen der Knoten endgültig geplatzt. Wie erklären Sie sich diesen enormen Leistungssprung im Vergleich zu den Vorjahren?
Ich fahre wesentlich mehr Rennen als in den Jahren zuvor, in denen ich ausschließlich in der DTM gestartet bin. In dieser Saison nehme ich beispielsweise auch in der GT World Challenge oder auch an einigen NLS-Rennen teil und habe deshalb deutlich mehr Fahrpraxis im McLaren. Das hilft sehr. Dazu habe ich natürlich in der DTM eine Menge gelernt und viel Erfahrung gesammelt. So konnte ich mich von Rennen zu Rennen verbessern und bin mittlerweile auf einem ziemlich guten Level.

Aller guten Dinge sind drei: Wenn Sie Ihre Entwicklung im dritten DTM-Jahr betrachten – in welchem Bereich haben Sie den größten Sprung gemacht?
In der DTM ist Konstanz sehr wichtig, Schnelligkeit allein reicht nicht aus. In dieser Hinsicht habe ich die größten Fortschritte gemacht und mir unterlaufen kaum noch Fehler. Es gelingt uns auch immer besser, im Qualifying alles auf den Punkt zu bringen. Zudem verstehe ich den McLaren viel besser als zu Beginn und kann mögliche Probleme genauer einschätzen.
Die DTM-Konkurrenz ist extrem hochkarätig. Welchen Ratschlag würden Sie einem Rookie geben, um in der DTM Fuß zu fassen?
Training ist alles. Das Niveau in der DTM ist extrem hoch. Da hilft nur viel Fahrzeit, sonst wird man nicht besser und kann nicht mithalten. Wichtig ist es auch, sich abends mit den Ingenieuren zusammenzusetzen und gemeinsam zu überlegen, was man verbessern kann. Man braucht aber Geduld und muss immer dranbleiben, dann klappt das auch in absehbarer Zeit mit guten Ergebnissen.
Ein prominenter Stammgast in Ihrer Box ist Bodybuilding-Legende Markus Rühl. Welche sportlichen Impulse kann ein Kraftsportler einem Rennfahrer mitgeben?
Markus ist super nah am Team und passt perfekt zu uns. Er hat an jedem Wochenende immer mal wieder kleine Tipps für mich, wie man sich auf ein Rennen optimal vorbereitet und an seiner Fitness arbeiten kann. Gerade bei den heißen Wetterverhältnissen auf dem Lausitzring hat er mir super Ratschläge gegeben, wann und was man als Sportler trinken sollte. Das war bei den Temperaturen im Auto eine große Hilfe.

Mit Timo Glock haben Sie zudem einen extrem erfahrenen Ex-Formel-1-Piloten an Ihrer Seite. Wie stark profitieren Sie und das ganze Team von seiner Expertise?
Von Anfang an hat Timo mir ungemein geholfen. Für mich war in der DTM anfangs vieles neu, während Timo sehr viel Erfahrung mitgebracht hat. Das hat sich ausgezahlt und dem ganzen Team geholfen. Inzwischen bin ich auf einem sehr guten Level und wir harmonieren als Teamkollegen richtig gut. Wir tauschen uns regelmäßig aus: Jeder bringt seine Erfahrungen ein, das passt sehr gut.
Mit Ben Dörr sprach Helena Sonntag.
