Explosion der New York Knicks

Die superreiche Lachnummer schlägt gnadenlos zurück

imageVon Seb Dumitru
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Jalen Brunson und die Knicks sind NBA-Champion.
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15.06.2026 | 21:52 Uhr
53 Jahre nach ihrer letzten Meisterschaft sind die New York Knicks wieder NBA-Champions. Sie krönen eine der denkwürdigsten Titelreisen der modernen Basketballgeschichte – und beenden eine der längsten Durststrecken im US-Profisport.

Als in der Nacht von Samstag auf Sonntag die Schlusssirene durch das "Frost Bank Center" in San Antonio schrillte, das entscheidende 94:90 in Spiel fünf auf den vier Hauptanzeigetafeln prangend, stürmten Spieler und Trainer der New York Knicks aufs Parkett, umarmten sich, schrien vor Freude. Mit dem 4:1 gegen die San Antonio Spurs hatten sie nicht nur zum ersten Mal in ihren Karrieren den NBA-Titel gewonnen, sondern eine 53 Jahre dauernde Durststrecke ohne Meistertitel beendet.

Es wirkte wie ein erlösender Befreiungsschlag und göttliche Vorherbestimmung zugleich. Tausende Knicks-Fans, sie waren in Scharen aufgetaucht in den vergangenen Tagen und Wochen, waren nach Texas gereist, hatten dort eine deutlich spürbare New Yorker Präsenz auf den Rängen hergestellt. Ihre Jubelschreie durchbrachen die Stille der Spurs-Anhänger. Knicks-Spieler fielen sich immer wieder in die Arme, erleichtert, überglücklich. Finals-MVP Jalen Brunson, den Tränen nahe, beschrieb den Moment als "die Erfüllung eines Lebenstraums".

Ekstase über Knicks-Triumph schlägt in Chaos um

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Nach den offiziellen Feierlichkeiten in der Halle, der Übergabe der Larry-O'Brien-Trophäe durch den Commissioner an die Jubeltraube in blau-orange, verlagerten sich die Feierlichkeiten in die Umkleidekabine. Ein (versehentlich) gestarteter Instagram-Livestream von OG Anunoby zeigte ausgelassene Spieler unter Champagner-Duschen, Zigarren im Mundwinkel, während sie sich um den Pokal scharten und einen Augenblick genossen, der Generationen von Knicks-Mannschaften seit den 1970er Jahren verwehrt blieb.

Playoff-Run für die Geschichtsbücher

Die Knicks waren in der regulären Saison eines der besseren Teams der Liga. Sie gewannen 53 Spiele, sicherten sich den NBA Cup und etablierten sich als Spitzenteam in der Eastern Conference. Dennoch wurden ihnen vor Playoff-Start keine echten Titelchancen eingeräumt. Als sie in der ersten Runde gegen die Atlanta Hawks 1:2 in Rückstand gerieten, passierte etwas Bemerkenswertes: gestützt auf die überwundenen Schwierigkeiten während der Saison und auf den unvergleichlichen Teamgeist, schaltete Mike Browns Truppe in einen anderen Gang. Und startete richtig durch.

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New York gewann seine nächsten 13 Spiele in Folge, fegte auf dem Weg ins NBA-Finale erst Atlanta, dann Philadelphia und Cleveland mit phasenweise rekordträchtigen Blowout-Siegen vom Parkett. In den Finals gegen San Antonio lagen die Knickerbockers in allen fünf Partien zweistellig in Rückstand, drehten aber vier Mal den Spieß um. Eine resiliente Mischung aus mentaler Stärke, Erfahrung und Beharrlichkeit machten dieses Team zum ultimativen Stehaufmännchen. Das Comeback in Spiel vier - als New York einen 29-Punkte-Rückstand in in einen Sieg in letzter Sekunde und den Madison Square Garen in ein Tollhaus verwandelte - war das größte aller Zeiten in der Geschichte der Playoffs.

Am Ende war einer der dominantesten Postseason-Runs überhaupt perfekt. Neun Auswärtssiege in Folge, eine 13-Spiele-Siegesserie (zweitlängste in der NBA-Geschichte), das höchste Net-Rating jemals (minimum fünf Partien), ein Rekord-Plus von +283 Punkten, die zweitbeste Bilanz (16:3) in der Best-of-Seven-Ära... und eine makellose weiße Weste in "clincher games" – Ausdruck des ultimativen Killerinstinkts, wenn es darauf ankam. "Einer der besten aller Zeiten" nannte der ikonische Kommentator Mike Breen den Lauf dieses Teams, das sich nach diesen statistisch außergewöhnlichen Leistungen in die Diskussion der besten Playoff-Mannschaften der NBA-Historie gedrängt hat.

Renaissance nach dunklem Tal der Tränen

Leon Rose war ein mächtiger Spieleragent, als er vor sechs Jahren die Rolle des Präsidenten im New Yorker Front Office übernahm. Die Knicks galten damals als einer der funktionsgestörtesten Klubs im Profisport. Unter der Leitung des volatilen und megalomanischen Teambesitzers James Dolan war die reichste Franchise der NBA zur ständigen Lachnummer verkommen – chronisches Fehlmanagement, endlose Trainerwechsel und bittere Fehden mit ehemaligen Spielern gingen einher mit einer erfolglosen Saison nach der anderen. Zwischen 2001 und 2020 verloren die Knicks häufiger als jedes andere Team und verpassten 15 Mal in 19 Jahren die Playoffs.

Selbst die 1990er Jahre, die bis dato letzte Hochphase der Knicks, waren vom permanenten Scheitern und traumatischen Niederlagen geprägt, die sich tief in der New Yorker Psyche verfestigt hatten: Die alljährlichen Pleiten gegen Michael Jordans Chicago Bulls ('91, '92, '93 und '96); Charles Smith in Crunchtime; die Finalniederlage in Spiel sieben gegen Houston (1994); und eine weitere Finalpleite, 1999 gegen San Antonio, als Franchise-Legende Patrick Ewing verletzt zuschauen musste und unter Tränen alleine im Team-Bus zusammenbrach.

Rose, der noch nie öffentlich Rede und Antwort gestanden hat, fing bei weniger als Null an und baute die erschütterte Organisation im Stillen neu auf. Er umgab sich mit kompetenten Mitarbeitern und vertrauten Weggefährten, wie William 'World Wide Wes' Wesley, einem der am besten vernetzten Menschen im internationalen Basketball. Er setzte auf geduldige Kaderzusammenstellung und die Etablierung einer echten Kultur, die zu New York passt. Anstatt wie Dolan große Namen zu verpflichten, legte er seinen Fokus auf übersehene Talente und starke Persönlichkeiten.

Teambuilding 101: Alpha und das Omega

Jalen Brunson galt als zu kleiner, defensiv überforderter Guard, als ihn Rose im Juli 2022 verpflichtete. Die Dallas Mavericks hatten sich geweigert, ihm einen neuen Vertrag anzubieten. Sein Vater Rick, ein ehemaliger Teamkollege von Ewing im Finals-Team der Knicks, war wenige Wochen zuvor als Assistenztrainer eingestellt worden. Jalen, der als Kind in den Katakomben des "Madison Square Garden" aufwuchs und bereits in der High School (1x) und mit Villanova am College (2x) insgesamt drei Titel gewonnen hatte, avancierte im Knicks-Dress zum All-Star und All-NBA Kaliber, berüchtigt für sein Elite-Scoring und Nerven aus Drahtseilen.

Welchen Anteil hat der deutsche Hukporti am Knicks-Erfolg?

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Karl-Anthony Towns, geboren in New Jersey, gedraftet von Minnesota, galt dort als unseriöser Verlierertyp, ehe seine Mutter und sieben weitere Familienangehörige an den Folgen von Covid verstarben. Rose holte ihn 2024 per Trade nach New York, wo er sich endlich konstant etablierte. OG Anunoby, der Torontos Titellauf 2019 verpasst hatte, galt als verletzungsanfällig, ehe er vor drei Jahren verpflichtet wurde. Mikal Bridges galt trotz seines Potenzials als viel zu teuer, weil Rose im Tausch als exorbitant interpretierte fünf Erstrundenpicks plus drei Spieler nach Brooklyn geschickt hatte. Für Josh Hart war der Trade nach New York 2023 der dritte innerhalb von vier Jahren. Brunson, Hart und Bridges, die schon am College zusammengespielt hatten, avancierten als "Nova Knicks" zu absoluten Publikumslieblingen und zum emotionalen Puls des Teams.

Head Coach Mike Brown hatte als ehemaliger Cheftrainer in Cleveland die Finals erreicht und als Assistent in Golden State und San Antonio bereits vier Meisterschaften gewonnen. Er war zweifacher Trainer des Jahres in der NBA - unter anderem für die Sacramento Kings, die ihn trotz ihrer einzigen Playoff-Teilnahme in 20 Jahren vor die Tür setzten. Rose schnappte Brown vergangenen Sommer als Nachfolger von Tom Thibodeau auf. Brown modernisierte das Playbook, setzte auf Kommunikation, amalgamierte modernen Offensivbasketball mit Härte und Zähigkeit alter Schule.

Mekka des Basketballs

Nach und nach setzten diese Knicks alle Puzzleteile zusammen. Ein kleines davon ist der Deutsche Ariel Hukporti, der aber nur Rollenspieler war. Browns besonnene Arbeit während der langen Saison, Brunsons Führungsqualitäten, die Kontinuität im Kader und der stete Glaube an die eigenen Fähigkeiten - auch in schier aussichtslosen Situationen -, kulminierten im historischen Comeback-Sieg in Spiel vier vor den eigenen, deliriösen Fans. Fünf Jahrzehnte Warten, Hoffen, Leiden, entluden sich augenblicklich.

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So sehen Sieger aus.

Spike Lee, 69-jähriger Filmemacher und Oscar-Preisträger, in Brooklyn aufgewachsen, hält den Knicks seit 41 Jahren die Treue und hat seither insgesamt mehr als 10 Millionen US-Dollar für Tickets in der ersten Reihe ausgegeben. "Wir warten seit 1973 darauf. Diesmal ist das Schicksal auf unserer Seite", sagte der stets in blau und orange gekleidete Edelfan, der alle Tiefen hautnah miterlebt hat. Als der legendäre "Wu-Tang Clan" in der Halbzeitpause von Spiel vier im Garden auftrat, rappte einer der Künstler "Knicks in five!" ins Mikrofon. Die Knicks lagen zu dem Zeitpunkt mit 27 Punkten hinten, gewannen am Ende dennoch, 107:106. Anunobys "Hand Gottes" Tip-In kurz vor Schluss, dann Brunsons 45 Punkte in Spiel fünf... New Yorks Titelgewinn schien irgendwie immer vorherbestimmt zu sein. Nicht einmal Donald Trumps antiklimaktischer Garden-Besuch in Spiel drei - New Yorks einzige Niederlage in den Finals - ruinierte die Vibes.

Das ewige Warten ist endlich vorbei. Manchmal passt im Sport einfach alles zusammen. Und die klassische Underdog-Story wie die Faust aufs Auge. Eine Bande Geächteter, deren Mentalität und Arbeitsmoral nicht besser mit der Malocher-Stadt New York harmonieren könnte, rückte eng zusammen und fing zum richtigen Zeitpunkt die perfekte Welle, die sie unter tosendem Rückhalt einer ausgehungerten Fangemeinde zum ultimativen Triumph ritt. Vom Symbol unerfüllter Erwartungen ganzer Generationen, zurück auf den Gipfel des Sports. Zum ersten Mal seit 1973 und 1970: Im "Mekka des Basketballs" sind die Knicks wieder die unumstrittenen Könige.

Verwendete Quelle: ntv.de