Bester Slalom der KarriereEmma Aicher macht US-Superstar Shiffrin "sehr nervös"

Emma Aicher glänzt als Vierte und Zweite beim Weltcup in Are - und macht den Kampf um den Gesamtweltcup noch einmal ein wenig spannend.
Emma Aicher war kaum zu bremsen. Sie jubelte ausgelassen, riss die Arme in die Höhe und schrie ihre Freude hinauf in den strahlend blauen Himmel. Bei der Siegerehrung scherzte sie dann ein wenig mit der erkennbar überglücklichen Siegerin Mikaela Shiffrin, der sie mit ihrem herausragenden zweiten Platz beim Slalom im schwedischen Are gewaltig den Blutdruck nach oben getrieben hatte. "Ich bin schon sehr zufrieden mit dem ganzen Tag", sagte Aicher lapidar nach dem besten Slalom ihrer Karriere.
Die beste Skirennläuferin der Gegenwart wirkte bei weitem nicht so gelassen. "Ich war sehr nervös, sehr aufgeregt, ich bin ziemlich glücklich, im Ziel zu sein", bekannte Shiffrin nach ihrem 109. Sieg im Weltcup, der mit 0,94 Sekunden Vorsprung vor der Deutschen deutlich ausfiel. Aber: Mit der Übernahme der Führung im Finale hatte Aicher die Slalom-Königin gewaltig unter Druck gesetzt. Die Olympiasiegerin musste liefern, sonst wäre ihr Vorsprung im Kampf um den Gesamtweltcup weiter geschmolzen.
Vor den letzten vier Rennen dieser Saison ab Samstag auf den Olympia-Pisten von 1994 in Kvitfjell und Hafjell in Norwegen liegt Shiffrin nun immerhin 140 Punkte vor ihrer Verfolgerin - und obwohl der Vorsprung auf den ersten Blick beruhigend erscheint, gibt sich die Amerikanerin keineswegs siegessicher. "Ich muss noch kämpfen, Emma fährt gerade in jedem Rennen unglaublich. Mein Team und ich müssen bis zum Ende kämpfen", sagte sie.
Hoffen auf Shiffrin-Patzer
Aicher hatte in Are schon mit dem besten Resultat ihrer Karriere im Riesenslalom geglänzt - als Vierte lag sie zwei Plätze vor Shiffrin. Der Endspurt um die große Kristallkugel wäre allerdings noch spannender als ohnehin schon, hätte Aicher nicht zuvor das Wochenende im Val di Fassa verpatzt: Ein zwölfter Platz Platz in der Abfahrt und das Aus im Super-G kosten am Ende womöglich einen knappen Sieg im Gesamtweltcup.
Völlig chancenlos geht Aicher freilich nicht in die finalen vier Rennen, fährt sie weiter so wie an diesem Wochenende in Are. In der Abfahrt und im Super-G könnte sie viele Punkte gutmachen und Shiffrin vor dem Riesenslalom und Slalom weiter unter Druck zu setzen. Eine realistische Aussicht auf die große Kugel hätte Aicher aber wohl nur, wenn sie in allen vier Disziplinen auf das Podest fährt und Shiffrin patzt.
Schon jetzt aber ist die Saison von Aicher herausragend. Zweimal Silber bei Olympia, im Weltcup drei Siege, drei zweite und drei dritte Plätze - die Allrounderin hat den Alpinen im Deutschen Skiverband (DSV) beinahe im Alleingang eine erfolgreiche Saison beschert. Außer Aicher schafften es im Weltcup nur Kira Weidle-Winkelmann (zweimal Zweite), mit der sie gemeinsam Team-Silber bei Olympia gewann, und Linus Straßer (einmal Dritter) aufs Podest.