Furioses Ende im Zehnkampf

Neugebauer bleibt auf letzten Metern fast stehen und stürzt ins Ziel

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14.08.2026 | 06:54 Uhr
Zweiter Titel in Folge: Weltmeister Leo Neugebauer gewinnt auch bei der Leichtathletik-EM Gold im Zehnkampf. Der 26-Jährige rettet am Ende eines packenden Krimis einen Vorsprung von nur 38 Punkten auf seinen Teamkollegen Niklas Kaul ins Ziel.

Auf den letzten Metern wurde es dramatisch. Leo Neugebauer hatte Gold vor Augen, aber seine Beine kaum noch Kraft. Der Vorsprung auf den Teamkollegen Niklas Kaul wurde kleiner und kleiner. 38 magere Pünktchen rettete der deutsche Zehnkampf-Gigant schließlich ins Ziel. Fast schon gehend stürzte er über die Ziellinie und hatte es wieder geschafft. Auf den WM-Titel im vergangenen Jahr folgte nun der goldene EM-Coup.

"Ich habe alles gegeben, auf den letzten 50 Metern haben mich meine Beine wieder ein bisschen im Stich gelassen, aber ich habe nochmal durchgezogen", sagte Neugebauer im ZDF über das Finale im 1500-Meter-Lauf: "Es hat gereicht. Also zwei Medaillen für Deutschland im Zehnkampf - das geht gar nicht besser." Neugebauer hatte bei seinem EM-Debüt schon nach der zweiten Disziplin die Führung übernommen und schien lange auf Gold programmiert. Doch der 26-Jährige leistete sich auch immer wieder Wackler, hatte zudem unverschuldet großes Pech - so wurde er beim Stabhochsprung Opfer einer peinlichen Panne der Organisatoren. 

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Zehnkämpfer Neugebauer äußert sich zu EM-Gold-Krimi

Einer der heißesten Tage jemals

Am laut britischen Medien wärmsten Tag des Jahres und fünftwärmsten Tag seit Beginn der Aufzeichnungen lieferten sich Neugebauer und Kaul einen heißen Kampf um Gold. Über 1500 Meter sorgten die beiden für einen Krimi. "Ich wusste, wie weit ich ungefähr hinter Niklas sein sollte, habe alles gegeben, um das so zu machen", sagte Neugebauer. Schon bei den 400 Metern am Ende des ersten Wettkampftags kämpfte der Gold-Junge. Er ging wahnsinnig schnell an, brach dann aber ein. Der Schaden indes hielt sich in Grenzen.

Chaos hatte es zuvor am zweiten Wettkampf-Tag der Zehnkämpfer im Stabhochsprung gegeben, das hatte vor allem Neugebauer unnötige Kräfte gekostet. Er und weitere sechs Mehrkämpfer überquerten in brütender Hitze vermeintlich die Höhe von 4,80 Metern. Das Problem: Die Höhe der Latte wurde von den Kampfrichtern nicht auf 4,80 Meter eingestellt. Stattdessen lag die Latte noch bei der vorherigen Höhe von 4,70 Metern. Doch damit nicht genug: Bei Versuchen von Neugebauer waren die Abstände der Ständer, auf denen die Latte liegt, nicht auf den Wert eingestellt, den er angegeben hatte. Ähnlich erging es dem Franzosen Makenson Gletty.

"So etwas habe ich noch nie erlebt"

"So etwas habe ich noch nie erlebt", hatte Neugebauer gesagt, der bei einem der Wiederholungssprünge in den Einstichkasten fiel und sich dabei an der Wade verletzte. "Es kommen immer wieder neue Sachen, aber das ist auch einfach generell der Zehnkampf. Man muss mit vielen verschiedenen Sachen zurechtkommen." Nach einem Protest erhielt Neugebauer bei brütender Hitze von 35 Grad Celsius im Alexander Stadium eine weitere Chance über 4,80 Meter - und nutzte diese. Am Ende überquerte er sogar 4,90 Meter. "Gott sei Dank ist es noch mal gut gegangen. Das war echt verrückt." Bundestrainer Jörg Roos sprach von "Wettkampfverzerrung".

Von dem Wirrwarr nicht betroffen war Kaul, der in der anderen Stabhochsprung-Gruppe startete und eine Saisonbestleistung nach der anderen bei der EM aufstellte - und beinahe noch Neugebauer abgefangen hätte. Der 28-Jährige blies an seinem traditionell starken zweiten Tag zur Aufholjagd. "Ich bin Zweiter geworden, habe eine Silbermedaille gewonnen und die explizite Betonung liegt auf gewonnen", sagte Kaul.

Für ihn war es der größte Erfolg seit seinem EM-Titel vor vier Jahren in München. Der Weltmeister von 2019 hat nach eigenen Worten in den vergangenen Jahren gelernt, Spaß daran zu haben, Zehnkampf zu machen. Nach den enttäuschenden Olympischen Spielen von Paris, als er Achter wurde, habe es Klick gemacht. Er sei dort "sehr verkrampft dieser olympischen Medaille hinterhergerannt" und "total auf die Nase geflogen", erklärte Kaul. "Letztes Jahr war schon gut. Auch mit einem vierten Platz bei Weltmeisterschaften."

Kaul will noch einmal drauflegen

Er wolle in den kommenden Jahren Neugebauer weiter ärgern, erklärte Kaul. "Ich glaube, ich muss in ein, zwei Disziplinen noch ein bisschen was drauflegen, damit das dann auch ein Duell bleibt in den nächsten ein, zwei Jahren. Aber damit beschäftige ich mich, keine Ahnung, nächste Woche oder so." Erst einmal wolle er die Silbermedaille - ähnlich wie Neugebauer seinen EM-Titel - feiern.

Der hatte auf den letzten Metern sein Kämpferherz ausgepackt und verteidigte den Vorsprung knapp. Der Sieg sei "einfach nur eine coole Bestätigung" nach seinem WM-Titel von Tokio. Schließlich habe er sich selbst gezeigt, "dass ich, wenn es drauf ankommt, auch richtig durchbeißen kann, was auch einen guten Zehnkämpfer ausmacht." Und so setzte Neugebauer seinen atemraubenden Aufstieg weiter fort. Deutscher Rekord (8961), Olympia-Silber, WM-Gold, jetzt der EM-Titel - der Modell-Athlet ist derzeit das Maß aller Dinge im Zehnkampf. Nun fehlt Neugebauer eigentlich nur noch Olympia-Gold in seiner Sammlung.

Verwendete Quellen: ntv.de, tno mit dpa/sid