Brisantes Lipowitz-Duell

"Ergebnisse zählen, nicht persönliche Befindlichkeiten"

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13.07.2026 | 22:29 Uhr

Gut eine Woche alt ist die Tour de France des Jahres 2026 schon und vorneweg fährt - wenig überraschend und absolut unangreifbar - der unschlagbar wirkende Dominator Tadej Pogacar. Der Rest der Radsportwelt kämpft auch beim wichtigsten, spektakulärsten Rennen des Jahres um die Plätze hinter dem Slowenen. Das Team Red Bull-Bora-hansgrohe leistet sich dafür eine spektakuläre Doppelspitze mit Olympiasieger Remco Evenepoel und dem deutschen Hoffnungsträger Florian Lipowitz.

Eine vielversprechende Konstellation, die große Chancen bietet - und reichlich Potenzial für Reibung: "Ich habe ihn gebeten, dass er für mich anfährt und das hat er nicht", schimpfte Evenepoel nach der schweren sechsten Etappe, die die Fahrer in die Pyrenäen geführt hatte. Und weiter: "Ja, ich war sauer - und zwar zu Recht. Bei der Katalonien-Rundfahrt bin ich 30 Kilometer lang für ihn an der Spitze gefahren. Ich habe um einen Kilometer Führungsarbeit gebeten, aber das ging nicht. Das hat mich geärgert, und das ist etwas, das wir heute Abend gründlich besprechen müssen."

"Ergebnisse zählen"

Lipowitz räumte den Ärger am Tag darauf ab, aber die Situation im Team ist noch nicht sortiert. Für Jan Ullrich ist das kein Problem: "Am Tag nach dem kritischen Interview von Evenepoel hat er schon deutlich positiver geklungen und gesagt, dass alles in Ordnung sei", sagte das deutsche Rad-Idol im Gespräch mit ntv/RTL. 

"Irgendwann werden die Abstände größer. Und dann wird der eine Co-Kapitän für denjenigen fahren, der die besseren Beine und größere Chancen auf das Podium hat. Red Bull Bora-Hansgrohe ist eine professionelle Mannschaft und da zählen letztendlich die Ergebnisse und keine persönlichen Befindlichkeiten."

Lipowitz' Lage ist ganz ähnlich der vor einem Jahr: Gesamtplatz sieben, glatte vier Minuten hinter dem unantastbaren Spitzenreiter Tadej Pogacar, dem sein fünfter Toursieg kaum zu nehmen sein wird, 1:18 Minuten hinter dem zweitplatzierten Jonas Vingegaard und 33 Sekunden hinter Isaac del Toro auf Platz drei. 2025, als Lipowitz bei seiner Tour-Premiere aufs Podest fuhr, war er am ersten Ruhetag Achter, 3:34 Minuten hinter Gelb, 2:05 hinter Platz drei. Sein Co-Kapitän Evenepoel liegt 30 Sekunden vor dem Deutschen.

"Gesamtwertung noch nicht entschieden"

Für Ullrich liefert sein Nachfolger als ambitionierter Klassementfahrer eine überzeugende Tour de France ab. "Lipowitz' Leistung ist bislang sehr gut. Er ist gut reingekommen. Bei den ersten Etappen, die ihm nicht so gelegen haben, weil er nicht so spritzig ist, hat er ein paar Sekunden verloren. Das ist aber meines Erachtens kein Problem", sagte der Tour-Sieger von 1997.

"Im Fight um das Podium und die Plätze dahinter sind ganz viele Fahrer noch nah beieinander, und Florian eben auch. Gerade in den nächsten zwei Wochen kommen noch die langen Berge, die er so liebt. Das ist seine Stärke."

Auch der Toursieg ist trotz der bislang so souveränen Vorstellung von Pogacar noch keinesfalls entschieden, sagt Ullrich: "Wir wollen natürlich nicht davon ausgehen, dass jemand stürzt oder sich verletzt. Aber bei der Tour ist trotzdem so viel möglich, selbst ein Einbruch. Das hatte auch Pogacar in der Vergangenheit schon zweimal gehabt."

Ullrich selbst ging 1998 auf dem Weg zum Galibier durch die Hölle und verlor als Vorjahressieger völlig entkräftet neun Minuten auf den späteren Toursieger Marco Pantani. "Erkranken, zu wenig essen, zu wenig trinken – es kann immer alles passieren und es ist noch ein langes Rennen. Für mich ist die Gesamtwertung noch nicht entschieden."

Verwendete Quellen: ntv.de, ter