Tadej Pogacar hat die Tour de France 2026 eisern dominiert. Bei seinem rekordträchtigen fünften Gesamtsieg thronte der Slowene nach 21. Etappen über insgesamt 3321 Kilometer mit 6:26 Minuten Vorsprung auf den Zweiten Remco Evenepoel im Gelben Trikot auf dem Siegerpodest in Paris. Wann immer Pogacar im Gebirge antrat, riss er eine gewaltige Lücke. Der Radsport im Jahr 2026 - das ist Pogacar und der Rest. Schon die Klassiker-Monumente Mailand-Sanremo, die Flandern-Rundfahrt und Lüttich-Bastogne-Lüttich hatte er gewonnen. Einzig bei der störrischen und unvorhersehbaren Kopfsteinpflaster-Hatz Paris-Roubaix wurde Pogacar nur Zweiter.
"Diese Tour war überragend", resümierte die deutsche Radsport-Legende Jan Ullrich in seinem Podcast "Ulle & Rick", den er mit Erik Zabels Sohn Rick betreibt. Pogacar habe "gezeigt, was er kann. Das war seine beste Tour de France. Er fährt einfach los und gibt Vollgas bis zum Gipfel - das ist seine Stärke." Ullrich ist sicher, dass der 27-Jährige die Frankreich-Rundfahrt "auch mit zehn Minuten Vorsprung" gewinnen könne, "wenn er wollte".
Ullrich, 1997 selbst mit mehr als neun Minuten Vorsprung Tour-Champion, ging auch auf Gedankenspiele ein, wie er und die Größen seiner Generation im Kampf gegen Pogacar ausgesehen hätten. "Die Experten sind sich einig: Pogacar hat den Radsport verändert und ist der Beste aller Zeiten. Ein heutiger Pogacar hätte uns alle - (Marco) Pantani, (Lance) Armstrong und mich deklassiert." Ähnlich hatte sich zuvor Ullrichs einstiger Rivale Armstrong geäußert, dessen sieben Tour-Siege in Serie (1999 bis 2005) wegen Dopings gestrichen wurden. "Pogacar hätte mit Lance Armstrong den Boden gewischt", sagte der Amerikaner im Podcast "The Move".
Pogacar pulverisierte ewigen Pantani-Rekord
Klar ist: Wie in den meisten Sportarten sind auch im Radsport die verschiedenen Epochen nur bedingt vergleichbar. Die Über-Ikone Eddy Merckx etwa dominierte in den 1960er und 70er Jahren wie heute Pogacar - aber mit ganz anderem Material und unter weit weniger professionellen Voraussetzungen. Ullrich, Armstrong und Pantani fuhren ihre Erfolge in der Hochzeit des Epo-Dopings ein, das auch Ullrich 2023 nach vielen Jahren des Lavierens gestand. Verglichen mit Pogacar, der während der Tour einmal mitten in der Nacht um 5 Uhr zur Doping-Probe musste, fuhren der Deutsche und seine Rivalen aber auch mit Rädern, die deutlich schwerer waren, als die ultraleichten Modelle der Gegenwart.
Auch in Sachen Training, Ernährung und Kühlung habe es große Fortschritte gegeben, so Ullrich. "Ich bin ein Drittel meiner Jahreskilometer umsonst gefahren. Heute würde ich vieles anders machen", sagte er. Der 50-Jährige ist überzeugt, er wäre heute ein wesentlich besserer Radfahrer, als zu seiner aktiven Zeit. "Der Jan Ullrich von damals - ohne Doping - hätte mit der heutigen Technologie viel besser sein können."
Immerhin: Eine vergleichbare Zeit untermauert die unfassbare Dominanz Pogacars 2026. Bei seinem Sieg hinauf nach Alpe d'Huez auf der 19. Etappe benötigte er für die 13,8 Kilometer mit den 21 Serpentinen nur 35 Minuten und 27 Sekunden. Damit pulverisierte er Pantanis Ewigkeitsrekord aus dem Jahr 1995 (!), war 1:24 Minuten schneller als der legendäre "Piratello" aus Cesenatico.


