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Sagenhafter Endspurt bei Heim-EM Ringer ersprintet historisches Marathon-Gold

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Der deutsche Marathonläufer Richard Ringer gewinnt das Rennen in München.

(Foto: picture alliance/dpa)

Faustdicke Überraschung beim Marathon der Leichtathletik-EM in München: Richard Ringer fliegt auf der langen Zielgeraden in phänomenaler Sprintermanier zur Goldmedaille. Es ist die erste deutsche Medaille im Marathon seit 36 Jahren.

Unter einem weiß-blauen Himmel genoss Richard Ringer mit geschlossenen Augen den größten Moment seiner Karriere und lauschte andächtig der Nationalhymne. Sein goldener Schlussspurt im Marathon soll dem deutschen Leichtathletik-Team den erhofften Schub für die Heim-EM in München geben.

Mit dem ersten Europameistertitel für einen deutschen Marathonläufer und zuvor dem Team-Sieg für die deutschen Frauen auf der längsten Laufdistanz legten die Gastgeber in München einen Traumstart hin. Die letzte deutsche Medaille im Marathon lag lange zurück: 1986 hatte Herbert Steffny in Stuttgart Bronze geholt. Dazu gab es Silber für das Männer-Team, im Einzel liefen Amanal Petros und Miriam Dattke in faszinierenden Rennen als Vierte nur knapp an weiteren Medaillen vorbei.

"Unfassbar - ich wollte 2018 performen und bin das erste Mal ausgestiegen. Und jetzt bin ich Europameister", sagte der 33 Jahre alte Ringer, der vor vier Jahren bei der EM in Berlin über 10.000 Meter ausgestiegen war. Der Routinier aus Rehlingen hatte angekündigt, noch etwas gutmachen zu wollen - und hielt Wort.

Der eigentlich als Mitfavorit gehandelte Petros war nicht überrascht, dass der zwischenzeitlich schon zurückgefallene Ringer 50 Meter vor der Ziellinie am Münchner Odeonsplatz an Maru Teferi aus Israel vorbeirauschte und in 2:10:21 Stunden noch gewann. "Der kommt ursprünglich von der Mittelstrecke. Er hat es klasse gemacht, ich bin stolz auf ihn", sagte Petros. Dem in Eritrea geborenen Läufer ging auf den letzten Metern die Puste aus, so reichte es 18 Sekunden hinter Ringer nur zu Rang vier. Das störte Petros nicht: "Ich bin super, super zufrieden. Dadurch haben wir Silber gewonnen. Es hat sehr gut angefangen für Deutschland."

"Ja was, lange Hose an ist doch okay"

Auch Ringer betonte den Teamgedanken und die gegenseitige Motivation. So habe ihn Petros nach 25 Kilometern gefragt, wie es ihm gehe. Letztlich landete nur Israel in der Mannschaft vor den Deutschen. Zudem half Ringer bei warmen, aber nicht zu heißen Temperaturen zur Mittagszeit nicht nur das Eis unter seiner Kappe, die er auf der langen Zielgeraden wegwarf, ehe er den Turbo zündete. Die Gewöhnung an solches Wetter durch sein Training in Amerika sah er als mitentscheidend an. "Hitzewelle? Ja was, lange Hose an ist doch okay", sagte Ringer grinsend zu seiner Akklimatisierung.

Drei Wochen nach dem Ende der Weltmeisterschaften in den USA mit nur zwei Medaillen war die Freude über den starken EM-Auftakt auch beim Deutschen Leichtathletik-Verband groß. "Man merkt, was Erfahrung für ein Pfand ist", sagte Chefbundestrainerin Annett Stein über Ringer, der 2016 schon EM-Dritter über 5000 Meter war. "Auch die Mannschaftsmedaillen im Marathon sind herausragend, wir sind alle sehr, sehr glücklich", ergänzte Stein.

Verbandspräsident Jürgen Kessing erklärte, es sei genau das eingetreten, was man sich gewünscht und erhofft habe. "Ich gehe davon aus, dass der Funke gezündet hat innerhalb des Teams und dass er übergesprungen ist auf das Publikum. Das war heute ein guter Start, und so kann es weitergehen." Die Stimmung entlang des Rundkurses durch die Münchner Innenstadt, der viermal absolviert werden musste, beflügelte alle.

Quelle: ntv.de, dbe/dpa

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