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Nachtschicht und leere Ränge Tennisprofis hadern mit "Piqué-Cup"

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Nächtliches Tennis interessiert kaum jemanden.

(Foto: imago images/Agencia EFE)

"Eine Party rund um Tennis" soll das reformierte Davis-Cup-Finalturnier werden. Doch schon nach einigen Tagen gibt es Nachbesserungsbedarf. Nachtschichten und Zuschauermangel sind nur zwei Probleme. Dass mit Gerard Piqué ausgerechnet ein Fußballprofi das Tennis verbessern will, erntet zusätzlich Kritik.

Gerard Piqué hatte seinen Mund ganz schön voll genommen. "Ich will, dass der Davis Cup eine Party rund um Tennis wird", sagte der Fußballstar des FC Barcelona, der den traditionsreichen Mannschaftswettbewerb mit seiner Investmentfirma Kosmos übernommen und radikal reformiert hat. Spieler, Fans, einfach alle Beteiligten sollten "die beste Woche ihres Lebens haben", so der Wunsch Piqués. Von dieser Wunschvorstellung ist das Turnier der Männer-Nationalmannschaften allerdings noch weit entfernt. Frotzelnd ist schon von einem "Piqué-Cup" die Rede. Roger Federer, der in Madrid nicht dabei ist, sagte, dass es "schon etwas komisch" sei, "einen Fußballer in unserer Welt zu haben".

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Piqué verkündete großspurig "die beste Woche des Lebens".

(Foto: imago images/ZUMA Press)

Schon nach den ersten Tagen der Premiere in Madrid wird ersichtlich, dass es dringend Nachbesserungsbedarf gibt. Matches bis teilweise tief in die Nacht, viele leere Plätze in den Stadien und wenig Stimmung - ausgegoren ist dieser neue Davis Cup noch nicht. "Du hast 18 Teams und versuchst, alles in einer Woche auf drei Plätze zu quetschen", fasste der Weltranglistenzweite Novak Djokovic nach dem Viertelfinaleinzug mit Serbien eines der Hauptprobleme des neuen Formats zusammen. Diese Fülle an Matches sorgte in der Tat für Schwierigkeiten.

Das US-Team machte etwa den letztlich unbedeutenden Sieg im Gruppenspiel gegen Italien erst nachts um 4.04 Uhr perfekt. "Ich weiß gar nicht mehr, wo wir sind, wie viel Uhr wir haben, welcher Tag ist", sagte US-Kapitän Mardy Fish anschließend. Auch Spaniens Nummer eins Rafael Nadal kritisierte die Spielplanung heftig, nachdem die Gastgeber ihre Auftaktpartie gegen Russland um 1.49 Uhr nachts beendet hatten. "Das bereitet große Schwierigkeiten - für die Spieler und gleichzeitig auch für die Fans, die ins Stadion kommen", sagte der Weltranglistenerste, schließlich müssten Letztere am nächsten Morgen wieder zur Arbeit. Die Veranstalter reagierten und verlegten an diesem Donnerstag die Startzeiten der verbleibenden Begegnungen am Morgen wie am Abend jeweils um eine halbe Stunde nach vorne.

Djokovic hat weitere Reformideen

Freilich lief auch im alten Format nicht alles blendend, oft fehlten die Topspieler und manche Partien liefen im internationalen Fokus unter dem Radar - eine Reform war dringend notwendig. Geht es nach Djokovic, ist diese aber noch nicht abgeschlossen. "Vielleicht kann man ein Elite-Turnier mit 8 statt 18 Mannschaften machen", sagte er und schlug vor, im Vorfeld Qualifikations-Turniere "an verschiedenen Orten rund um die Welt" durchzuführen. Dies gäbe zumindest mehr Teams die Chance auf stimmungsvolle Heimspiele, die den alten Davis Cup ausgemacht hatten.

Denn viele Plätze im Madrider Sportkomplex Caja Magica blieben an den ersten Tagen leer, nur die Gastgeber spielten vor vollem Haus. Mit Abstrichen sorgte auch die große südamerikanische Gemeinde in Spanien für die gewohnte Davis-Cup-Atmosphäre - die deutsche Mannschaft kann wie viele andere Nationen in Madrid davon aber nur träumen. "Wir als deutsches Team können nicht dieses interaktive Gefühl mit den Fans herstellen, weil nur wenige Leute aus Deutschland hergekommen sind", sagte Routinier Philipp Kohlschreiber. Es sei "schade, dass ein paar Ränge leer sind", räumte Teamkollege Jan-Lennard Struff ein.

Doch es gab auch Lob für die Veranstalter. Die Bedingungen für die Spieler seien top, betonte Struff. "Die Anlage ist sehr gut", sagte die deutsche Nummer eins, "beim Drumherum ist alles gut gelöst". Für die "beste Woche des Lebens" müssen die Organisatoren um Piqué aber noch an anderen Stellen kräftig nachbessern.

Quelle: ntv.de, Tobias Schwyter, sid