Der russische WBA-Weltmeister im Schwergewicht, Murat Gassiev, ist nach eigener Aussage bereit, für eine Titelvereinigung gegen Agit Kabayel nach Deutschland zu kommen. "Mir ist es egal, wo ich kämpfe. Deutschland, neutrales Territorium oder auf dem Mond", sagte Gassiev dem US-Magazin "The Ring". Er suche nie den Schauplatz seiner Kämpfe aus, so der 32-Jährige. "Ich werde nach Deutschland gehen. Ich bin ein Kämpfer, wo ich kämpfe, ist mir gleich."
Kabayels Manager Spencer Brown hatte "The Ring" zuvor bereits bestätigt, Gespräche mit dem Lager des Russen über einen Vereinigungskampf zu führen. Auch Kabayel selbst bezog Gassiev in seinem jüngsten Youtube-Blog in "die ganz enge Auswahl" seines nächsten Gegners ein. "Das wäre sportlich einfach interessant, da noch einen Titel zu holen. Das nächste Ziel heißt Undisputed Champion (unumstrittener Weltmeister aller vier großen Verbände, Anm.d.Red.)", sagte der 33-Jährige aus Wattenscheid. "Mit der nächsten Veranstaltung müssen wir ins Stadion."
Das Management des WBC-Champions plant im Herbst einen Kampf in einem deutschen Stadion. Als wahrscheinlichster Schauplatz gilt die Arena in Düsseldorf, die mehr als 50.000 Zuschauern Platz bietet. Kabayel stand zuletzt im Januar in Oberhausen im Ring, schlug bei seinem den polnischen Zwei-Meter-Riesen Damian Knyba vor 13.000 Zuschauern in der Rudolf-Weber-Arena in der dritten Runde durch Technischen K.o. Die Halle für den als "Homecoming" inszenierten Kampf Kabayels war damals binnen weniger ausverkauft. Ein Erfolg, auf dem das Management des Boxers und Promoter-Legende Frank Warren nun aufbauen wollen.
"Wenn wir beginnen zu reden, dann passiert es"
Gassiev boxte erst am 11. Juli: In Moskau schlug er den kurzfristig als Herausforderer eingesprungenen Peter Kadiru aus Hamburg durch Abbruch in Runde sechs. Beobachter zweifeln, dass der WBA-Meister seine "Home Base" verlässt und den Titel im Ausland aufs Spiel setzt. Dem tritt Gassiev nun entgegen. "Natürlich ist eine Titelvereinigung viel besser (als eine normale Titelverteidigung, d.Red.), aber ich habe gute Leute um mich herum. Ich glaube zu 1000 Prozent an meinen Trainer. Wenn er Titelvereinigung sagt, greifen wir nach der Titelvereinigung. Wenn er sagt Titelverteidigung, machen wir das. Vielleicht nächstes Jahr oder dieses Jahr kämpfen wir gegen Kabayel. Wann es auch passiert, es ist ein guter Kampf", sagte er. Er lege den Fokus auf sein Leben, "Agit fokussiert sich auf seines. Wenn wir beginnen zu reden, dann passiert es."
Kabayel (WBC) und Gassiev (WBA) sind seit dem Rückzug von Oleksandr Usyk Weltmeister. Der Ukrainer hatte die Gürtel von WBA, WBC und IBF Ende Juni niedergelegt. Kabayel stieg beim WBC daraufhin vom Interims- zum vollwertigen Champion auf. Gassiev, der zuvor den zweitrangigen "regulären" WBA-Titel hinter Superchampion Usyk innehatte, ist nun alleiniger Weltmeister des ältesten der vier großen Verbände.
Der Weg zum Gipfel war für Kabayel aber ungleich härter: Bei seinem Interims-WM-Triumph schlug er den hochgehandelten China-Koloss Zhang Zhilei k.o. Gassiev eroberte den "regulären" WBA-Titel durch einen K.o.-Erfolg gegen den 44-jährigen Kubrat Pulev, der in keiner anerkannten Rangliste unter den Top 10 zu finden war. Die WBA hatte den Titel eigentlich auch abschaffen wollen. Der Kölner Mahmoud Charr hatte einen Kampf um den Gürtel aber eingeklagt, den er Ende 2024 gegen Pulev verlor.
Gassiev war von 2016 bis 2018 auch Weltmeister im Cruisergewicht (bis 90,72 Kilogramm). Im Duell um die Muhammad Ali Trophy der World Boxing Series und alle vier WM-Gürtel unterlag er Usyk im Sommer 2018 in Moskau haushoch nach Punkten.


