Vier Jahre gesperrt?

Trotz Doping-Ärger: Owen Ansah krönt sich zum drittschnellsten Mann Europas

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Owen Ansah gewann Bronze über 100 Meter. (Foto: picture alliance/dpa)
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11.08.2026 | 23:03 Uhr
Dem deutschen Sprinter Owen Ansah droht eine vierjährige Sperre, ihm wird vorgeworfen, einen Dopingtest verweigert zuhaben. Bei der EM holt er nun trotz des Störfeuers nervenstark die Bronzemedaille über 100 Meter - was Deutschland seit 40 Jahren nicht mehr gelang.

Owen Ansah kämpfte, er gab alles und warf sich mit letzter Kraft ins Ziel. Danach begann das große Zittern, die Zielfoto-Auswertung zog sich quälend lange Sekunden hin. Dann die Erlösung für Deutschlands-Topsprinter. 10,19 Sekunden, Bronze über 100 m bei der Leichtathletik-EM, Sprint-Geschichte geschrieben. Und das trotz all des Wirbels um seinen mutmaßlich verweigerten Dopingtest.

"Ich dachte: Gib Gas, mach weiter", sagte Ansah nach seinem Coup im ZDF: "Am Ende wusste ich gar nicht, ob ich Dritter geworden bin. Aber umso glücklicher bin ich, dass ich mit einer Bronzemedaille nach Hause fahren kann."

Unbeeindruckt von seiner drohenden Sperre stürmte Ansah im Sprint-Showdown von Birmingham zum größten Erfolg seiner Karriere und musste sich nur dem neuen Europameister Romell Glave (10,09 Sekunden) und dessen britischem Landsmann Jeremiah Azu (10,16) geschlagen geben. Dass ein deutscher Sprinter von einer EM mit einer Medaille nach Hause fährt, hatte es zuvor eine halbe Ewigkeit nicht gegeben.

Ansah ist "im Hier und Jetzt"

Rund 90 Minuten nach dem Silber-Coup von Hammerwerfer Merlin Hummel gewann Ansah die vierte Medaille für das DLV-Team in Birmingham und schrieb zudem Geschichte - 40 Jahre nach DDR-Sprinter Steffen Bringmann (Silber in Stuttgart) gewann der 25-Jährige als erster Deutscher wieder eine EM-Medaille über 100 m. Doch ob Ansah Bronze behalten darf, ist unklar.

Schließlich wirft die Nationale Anti-Doping-Agentur (NADA) dem deutschen Rekordhalter vor, im Juli einen Dopingtest verweigert zu haben und fordert eine Sperre von vier Jahren für den 9,98-Sekunden-Mann. Ansah weist die Vorwürfe zurück und will gegen die drohende Sperre vorgehen.

"Ich bin hier. Ich habe hier Gas gegeben. Ich bin im Hier und Jetzt, darauf konzentriere ich mich", sagte Ansah: "Auf die Sachen, die in der Zukunft passieren, da kann ich keinen Einfluss drauf nehmen. Ich bin hier. Und so fahre ich nach Hause und so lasse ich mich auch von meinen Freunden, von meinem Team, von meiner Familie feiern."

"Die 200 Meter liegen mir mehr"

Da bislang keine vorläufige Suspendierung ausgesprochen wurde, ist Ansah in Birmingham startberechtigt. Sein Auftritt im Alexander Stadium war mit großer Spannung erwartet worden, der Druck immens - doch Ansah präsentierte sich von all dem Wirbel um seine Person gänzlich unbeeindruckt. Elegant und entschlossen flog er der ersten ganz großen Einzel-Medaille seiner Karriere entgegen. Ansah holte sich die deutsche Fahne zum Jubeln, winkte ins Publikum und strahlte.

Und seine Mission ist noch nicht beendet. Während er vom Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) in den Staffeln nicht eingesetzte werden wird, geht Ansah noch über die 200 m an den Start.

"Glaub an Dich, zieh durch", ist Ansahs Motto in diesen bewegten Tagen: "Vertraue auf Deine Stärken. Über die 200 Meter möchte ich genau mit so viel Selbstbewusstsein an den Start gehen. Und mein Trainer sagt immer, die 200 Meter liegen mir mehr. Und dann gucken wir mal, was dabei rauskommt."

Verwendete Quellen: ntv.de, dbe/sid