Der Unüberwindbare hielt auch nach der Schlusssirene dicht. "Gerade passt's, würde ich sagen", ließ sich Jonas Neffin nach seinem jüngsten Coup nur entlocken. Der Torhüter, über den im Moment die ganze Deutsche Eishockey Liga (DEL) spricht, redet nicht so gerne über sich und seine grandiosen Leistungen.
Viermal hat der neue Goalie der Eisbären Berlin in seinen ersten fünf Spielen seinen Kasten sauber gehalten, nur ein einziges Tor kassierte der 26-Jährige bislang - und das erst, nachdem die Schiedsrichter schon abgepfiffen hatten. Beim 4:1 des Rekordmeisters vor anderthalb Wochen gegen die Nürnberg Ice Tigers war eine Strafe gegen Berlin angezeigt, der Puck trudelte auf Neffin zu, es ertönte ein Pfiff, die Scheibe rutschte unter dem Torhüter durch ins Netz.
Neffins Fabelwerte
"Ich dachte, wenn abgepfiffen ist, ist es kein Tor", sagte Kapitän Kai Wissmann damals. Das dachte wohl auch Neffin, doch die Schiedsrichter entschieden nach Videobeweis auf Tor, weil niemand mehr den Puck berührt hatte und deshalb gemäß der Regelauslegung eine "Fortsetzung des Spiels" vorlag.
In der regulären Spielzeit hat also noch niemand Neffin bezwungen. Alle 118 Schüsse, die bislang vor dem Abpfiff auf sein Tor kamen, hat er abgewehrt. Ein Gegentorschnitt von 0,20 und eine Fangquote von 99,16 Prozent sind Fabelwerte. Und auch vor sieben Jahren, als er mit 19 Jahren für seinen Heimatklub Iserlohn Roosters sein allererstes DEL-Spiel bestritt, blieb er beim 1:0 gegen Red Bull München ohne Gegentor.
"Das ist eine brutale Teamleistung"
"Es macht Spaß", sagte Neffin nach dem 3:0 des Tabellenführers am Sonntag bei den Fischtown Pinguins in Bremerhaven, seinem jüngsten Shutout. "Aber jedes Spiel beginnt neu, Schuss für Schuss." Seine beeindruckende Serie habe er der Mannschaft zu verdanken, betonte der gebürtige Iserlohner: "Das ist eine brutale Teamleistung."
Dass Neffin im zweiten Versuch so in seine DEL-Karriere startet, hatte wohl niemand erwartet. Nach dem Abgang der Meistergoalies Jake Hildebrandt und Jonas Stettmer holte Sportdirektor Stéphane Richer den Kanadier Jack LaFontaine aus der drittklassigen ECHL, der auch als Nummer eins in die Saison startete. Doch nach elf Gegentoren in den ersten drei Spielen durfte Neffin ran - und vernagelte den Berliner Kasten.
Iserlohn dürfte sich ärgern
In Iserlohn dürften sie sich ärgern, dass sie "einem der größten Torhütertalente Deutschlands" (Richer) keine echte Chance gaben. Nach seinem grandiosen Debüt durfte Neffin in der Saison 2022/23 noch viermal ins Roosters-Tor, kassierte aber 15 Gegentreffer. Über die Oberligisten Blue Devils Weiden und Herner EV ging es in die DEL2 zu den Dresdner Eislöwen, ehe ihn sich die Eisbären Regensburg schnappten. Dort fand er "Vertrauen" und "Ruhe", musste sich "weniger Gedanken um das große Ganze machen", wie er erzählte. Der Lohn: In der vergangenen Saison wurde er zum Torhüter und Spieler des Jahres in der DEL2 gewählt - mit sechs Shutouts.
Womöglich gibt es bald die nächste Belohnung: Der neue Bundestrainer André Rankel nominiert demnächst den Kader für den Deutschland Cup in Düsseldorf (5. bis 8. November). Dem Berliner Rekordtorschützen dürfte der neue Eisbären-Held schon aufgefallen sein.
