Wenn Jürgen Klopp in Amsterdam erstmals als Bundestrainer an der Seitenlinie steht, soll ihm zumindest ein Hauch des "Totaalvoetbal" entgegenwehen. Genau das erwarten sie in den Niederlanden von Xavi, dem neuen Bondscoach, der mit dem klaren Auftrag ausgestattet ist, der Elftal die revolutionäre Spielidee erfolgreicher Tage einzuimpfen. Als Bewunderer des legendären Johan Cruyff könnte er besser kaum geeignet sein. Oder?
Er fühle sich gewissermaßen als "Sohn des niederländischen Fußballs", sagte Xavi, der in der goldenen Ära des FC Barcelona wie kaum ein anderer die Cruyff-Philosophie repräsentiert hatte. Der niederländische Verband inszenierte den 46-Jährigen daher bei der Vorstellung sogar als eine Art "Halb-Holländer", wie die Zeitung "AD" durchaus kritisch analysierte.
Cruyff reformierte einst das System der Katalanen, die Talentschmiede La Masia gäbe es ohne ihn vermutlich in ihrer heutigen Form nicht, und damit vielleicht auch keinen Pep Guardiola, keinen Lionel Messi, keinen Xavi? Der geniale Stratege, der Spaniens Erfolgsära mit Triumphen bei der WM (2010) und der EM (2008, 2012) prägte, betonte immer wieder, wie wichtig Cruyffs Einfluss auf sein eigenes Verständnis des Spiels war.
Die besondere Beziehung zu Holland
Er fühle eine "besondere Verbundenheit" zum niederländischen Fußball, sagte Xavi. Nicht nur Cruyff beeinflusste ihn, auch andere Trainer wie Louis van Gaal, unter dem er 1998 in Barcelona debütiert hatte, oder Frank Rijkaard, mit dem er 2006 die Champions League gewann, hätten "eine wichtige Rolle" bei seiner Entwicklung als Profi und Coach gespielt.
Aus Sicht von Verbandschef Nigel de Jong, einst Gegner Xavis im WM-Finale 2010, passt der Nachfolger von Ronald Koeman jedenfalls "sehr gut" zur Mischung aus Ballbesitz und Angriffsfußball, die das niederländische Spiel künftig wieder auszeichnen soll. Das Blatt AD merkte jedoch an, dass dem Verband nach einer "chaotischen" Suche mit Absagen von Arne Slot oder Peter Bosz einfach "kaum noch Alternativen" geblieben seien.

"Jürgen Klopp kann DFB-Team zurück in die Weltspitze bringen"
Und tatsächlich stehen hinter den Qualitäten Xavis als Trainer einige Fragezeichen. Nach seiner Premiere als Chefcoach in Katar brachte ihm die Rückkehr nach Barcelona einen Meistertitel, aber auch viel Kritik ein. Zu defensiv, zu mutlos, zu konservativ spiele das Team unter seiner Führung, lauteten die Vorwürfe, die Xavis drei Jahre im Camp Nou begleiteten.
Nach dem ernüchternden WM-Aus für Oranje im Sechzehntelfinale unter Koeman bleibt ihm vor seiner Premiere als Nationalcoach wenig Zeit. Schon am 24. September muss Xavi gegen Klopps DFB-Team zeigen, wie schnell er Cruyffs Idee auf seine neue Mannschaft übertragen kann.

