Formel1

"Herzschlag hörte komplett auf" Der Tag, der Schumacher verwundbar machte

AP_99071101902.jpg

Mit einem Bruch des rechten Schien- und Wadenbeins musste Michael Schumacher nach seinem Unfall insgesamt 14 Wochen pausieren.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Nur einen richtig schweren Unfall erleidet Michael Schumacher in seiner Formel-1-Karriere: Vor genau 20 Jahren in Silverstone. Frontal rast er mit 107 km/h in die Reifenstapel, bricht sich Schien- und Wadenbein - weil sein Ferrari-Team "Mist baut". Es ist ein Crash, der den Rekordchampion verändert.

In seiner Rennfahrer-Karriere wirkte Michael Schumacher fast unverwundbar. Bis zum 11. Juli 1999. Der Tag vor genau 20 Jahren, an dem er durch einen technischen Defekt zum hilflosen Gefangenen in seinem Formel-1-Boliden wurde. An dem sich der Ferrari des späteren Formel-1-Rekordweltmeisters in Silverstone frontal in einen Reifenstapel bohrte, wodurch Schumachers rechtes Schien- und Wadenbein brachen. Der Tag, der Schumacher nachdenklich machte, ihn veränderte. "Nach dem Unfall, da glaubst du an ein Zeichen, du solltest mit dem Motorsport Schluss machen", sagte Schumacher damals mit etwas Abstand über seinen schwersten Crash in einem Rennwagen, der bei den Beobachtern die schlimmsten Befürchtungen ausgelöst hatte.

5760018.jpg

Die Front seines Ferrari wurde komplett zerstört.

(Foto: picture-alliance / dpa)

"Im ersten Moment habe ich sofort an Ayrton Senna gedacht und geglaubt, Michael hätte sein Leben gelassen", sagte damals der Motorrad-Star Ralf Waldmann. Schumacher fuhr in seinem Ferrari F399 306 Stundenkilometer schnell, ehe er vor der nahenden Kurve bremste, aber einfach weiter geradeaus raste. 107 Stundenkilometer betrug seine Geschwindigkeit noch, als er in der Streckenbegrenzung einschlug. Die Front seines Autos wurde völlig zerstört. Schumacher war anschließend zu 14 Wochen Rennpause gezwungen, ehe er nach drei gescheiterten Versuchen im Oktober des gleichen Jahres in Malaysia doch noch auf die Rennstrecke zurückkehrte.

"Herzschlag plötzlich komplett aufgehört"

Schumacher gab später offen zu, dass ihn der 11. Juli 1999 verändert hatte. Zehn Jahre später in der Talkshow Johannes B. Kerner sagte er, er habe gespürt, wie "mein Herzschlag immer weniger wird und plötzlich komplett aufhört. Lichter gehen aus. Und dann denke ich, so fühlt es sich wohl an, wenn du dann auf dem Weg nach oben bist."

In seinem Wagen war Schumacher nur noch Passagier. Hilflos gefangen, nachdem seine Bremsen wegen einer gelockerten Entwicklungsschraube versagt hatten. Wie es genau dazu kommen konnte, blieb ungeklärt. "Fakt ist: Wir haben Mist gebaut", sagte der frühere Ferrari-Technikchef Ross Brawn, der auch von menschlichem Versagen bei den Mechanikern sprach.

5822611.jpg

Das von der Cockpit-Kamera in Schumachers Ferrari aufgenommene Bild zeigt die Situation, in der die Vorderradbremsen blockieren. Sekunden später prallte der Bolide mit über 100 Stundenkilometern in eine Reifenbarriere.

(Foto: picture-alliance / dpa)

Spekulationen um möglicherweise vertuschte Unfall-Ursachen wie eine defekte Lenkung oder ein kaputtes Gaspedal wies Brawn zurück. Schumacher wurde im nahen General Hospital in Northampton operiert, nach nur 42 Stunden in einer filmreifen Geheimaktion inklusive Ablenkungsmanövern und Täuschungen aber schon wieder aus der von Fans und Medien umlagerten Klinik entlassen.

Die Bilder um das Krankenhaus glichen dabei auf erschreckende Weise den Szenen aus dem Dezember 2013, als Schumacher nach seinem furchtbaren Ski-Unfall in den Alpen in Grenoble versorgt werden musste.

Nur mentale Spätfolgen

*Datenschutz

Zwar ließ Schumachers einziger schlimmer Crash in rund 20 Jahren Formel 1 ihn grübeln, Spätfolgen gab es jedoch nicht. Ganz anders als bei seinem fatalen Sturz im Skigebiet von Méribel vor gut fünfeinhalb Jahren, der das Leben der Motorsport-Legende für immer verändern sollte. Bis heute ist kaum etwas über den genauen Gesundheitszustand Schumachers bekannt. Der mittlerweile 50 Jahre alte Rheinländer wird konsequent von der Öffentlichkeit abgeschirmt. Noch unerreichte 91 Grand-Prix-Siege feierte Schumacher, der 2009 auch einmal mit dem Motorrad schwer gestürzt war und danach mit 41 Jahren trotzdem noch sein Sensations-Comeback in der Formel 1 feierte. Er wurde siebenmal Weltmeister und zum Vorbild einer ganzen Generation. Der heutige Ferrari-Star Sebastian Vettel gab schon mehrfach offen zu, den Rat Schumachers, der sein großes Kindheitsidol war, zu vermissen.

Ganz verschwunden ist der Name Schumacher aus dem Formel-1-Kosmos aber nicht - und ist auch an diesem Wochenende beim zehnten Saisonlauf in Silverstone sehr präsent. Schumachers 20 Jahre alter Sohn Mick fährt im Rahmenprogramm erstmals in der Formel 2 auf dem Traditionskurs. In gut zwei Wochen wird Mick beim deutschen Heim-Grand-Prix in Hockenheim sogar erstmals den Weltmeister-Ferrari seines Vaters aus dem Jahr 2004 steuern. "Es wird ein emotionaler Moment, Mick in einem Wagen zu sehen, mit dem man so viele großartige Erinnerungen verbindet", sagte Brawn, der mittlerweile Formel-1-Direktor ist. 2004 war Schumacher letztmals Weltmeister geworden. Auch wenn ihn der Silverstone-Crash verändert, geprägt hat: Fünf seiner WM-Titel holte der Ausnahmekönner danach.

Quelle: n-tv.de, cwo/dpa

Mehr zum Thema