Die "echte" WM ist für George Russell wohl nicht mehr zu gewinnen, also hat der Brite einen imaginären Wettkampf ausgerufen - und der hat nun vielversprechend begonnen. "Lasst uns so tun, als stünde alles wieder auf null", sagte der zuletzt so häufig geschlagene Mercedes-Pilot in Baku, "und dann sehen wir mal, wie sich die Punkte bis zum Saisonende verteilen."
Und siehe da: Das erste Training auf diesem neuen Weg lief bestens für Russell, und es lief äußerst schleppend für seinen Teamrivalen Kimi Antonelli. Der souveräne WM-Spitzenreiter verpasste die Hälfte der Trainingszeit für den Großen Preis von Aserbaidschan: In der ersten Session rollte sein qualmender Mercedes mit Hydraulik-Problemen nach 30 Minuten aus, zur zweiten tauschte das Team dann vorsichtshalber den Antrieb aus. Erneut verpasste Antonelli etwa eine halbe Stunde.

Max Verstappen muss 100 Karts überholen
Auf dem fordernden Stadtkurs in Baku ist das ein Nachteil, und der war auch in der Zeitentabelle abzulesen. Russell war mit 1:43,347 Minuten weit enteilt, Antonelli fehlte mehr als eine halbe Sekunde. Vor dem Qualifying am Freitag (14 Uhr MESZ/Sky) deutet vorerst alles auf ein Privatduell zwischen den beiden Mercedes-Piloten hin, Red-Bull-Pilot Max Verstappen lag als Dritter bereits acht Zehntelsekunden zurück. Dahinter sortierte sich das Ferrari-Duo Charles Leclerc und Lewis Hamilton ein.
Den Großangriff auf Antonelli ruft Russell in diesen Tagen aber nicht aus. Zum einen geben das die eigenen Leistungen der vergangenen Monate nicht her, zum anderen ist der Rückstand erheblich. Als WM-Zweiter hat er 81 Punkte weniger, noch neun Rennen stehen im Programm. "Das ist ein riesiger Abstand, aber darüber denke ich jetzt gar nicht nach", sagte Russell.
Er habe nicht gut in diese Saison gefunden, hatte größere Probleme, sich an die neuen Autos und Motoren anzupassen, als andere Piloten. "Aber in den vergangenen Rennen bin ich deutlich zufriedener", sagte Russell. Er wolle nun versuchen, "jedes einzelne Rennen zu gewinnen, jede einzelne Pole Position zu holen. Das ist mein Ziel."
Russell geht nun erstmal mit dem Vorteil längerer Trainingszeit ins Qualifying am Freitag, allerdings schaffte es Antonelli in diesem Jahr meist schnell, sich anzupassen. Das Rennen findet bereits am Samstag (13.00 Uhr MESZ/Sky) statt, da die Formel 1 ihren Zeitplan für Baku angepasst hat: Alle Sessions wurden um einen Tag vorverlegt, um eine Kollision mit einem nationalen Gedenktag am Sonntag zu vermeiden.

