Rund um den WM-Skandal der aufgehobenen Rot-Sperre von US-Stürmer Folarin Balogun gibt es eine neue Enthüllung. Wie die englische "Times" berichtet, soll die umstrittene Entscheidung von nur einer Person der FIFA-Disziplinarkommission getroffen worden sein. Demnach habe allein der Vorsitzende Mohammad Al Kamali aus den Vereinigten Arabischen Emiraten darüber entschieden.
Die weiteren 17 Mitglieder der FIFA-Disziplinarkommission sollen laut "Times" nicht in die Entscheidung involviert gewesen sein, was unüblich sei. Bei einem Fall dieser Tragweite würde im Normalfall ein mehrköpfiges Gremium entscheiden, heißt es weiter. Die Umwandlung der automatischen Spielsperre Baloguns in eine Bewährungsstrafe vor dem Achtelfinale der USA gegen Belgien beruhte auf Artikel 27 der FIFA-Disziplinarordnung und ist äußerst selten. Bei einer Weltmeisterschaft wurde eine automatische Spielsperre wegen einer Roten Karte noch nie aufgehoben.
US-Präsident Donald Trump hatte zuvor nach eigenen Angaben mit einem Anruf bei der FIFA um eine Überprüfung der Sperre gebeten. Infantino betonte später in einer Stellungnahme, dass die FIFA-Disziplinarkommission "unabhängig" sei. Später veröffentlichte der Weltverband eine Erklärung des Vorsitzenden der FIFA-Disziplinarkommission. Darin wird ebenfalls betont, dass das Gremium "unabhängig" sei.
Der Weltverband äußerte sich bislang nicht zu dem "Times"-Bericht. Die Entscheidung und die Kommunikation der FIFA um deren Präsidenten Gianni Infantino im Fall Balogun war von vielen Seiten scharf kritisiert. Auch die Europäische Fußball-Union UEFA und der Deutsche Fußball-Bund stellten sich gegen die Entscheidung und forderten weitere Aufklärung. Eine genaue Begründung zur Aufhebung der Sperre lieferte die FIFA bislang nicht.
Einen ähnlichen Fall gab es schon im Vorfeld des Turniers: Eine Rotsperre für Superstar Cristiano Ronaldo war ebenfalls zur Bewährung ausgesetzt worden. Er hätte eigentlich die ersten beiden Spiele seiner mutmaßlich letzten Weltmeisterschaft verpasst.

