Chaos in der K.-o.-Runde

DFB-Team muss noch ewig lange auf Gegner warten

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23.06.2026 | 15:55 Uhr
Geduld ist bekanntlich eine Tugend - und auf die muss das DFB-Team bei der Fußball-WM vertrauen. Denn wer der Gegner im Sechzehntelfinale sein wird, steht vermutlich erst am Sonntag fest. Schon am Montag wird gespielt. Und doch haben es die Deutschen noch gut.

Deniz Undav hat den Reiseplanern der deutschen Fußball-Nationalmannschaft einen Gefallen getan. Mit dem späten 2:1-Sieg gegen die Elfenbeinküste - und der Mithilfe von Curacao - steht das DFB-Team bekanntlich als Gruppensieger fest. Die nächste Fahrt ist also gebucht: Es geht am Montag (22.30 Uhr/ZDF, MagentaTV und im ntv.de-Liveticker) in Boston um den Einzug ins Achtelfinale. Soweit, so klar.

Doch anders als die Reiseorganisatoren kann das Trainerteam um Julian Nagelsmann noch nicht groß planen. Denn wer der Gegner im Sechzehntelfinale sein wird, ist völlig offen. Es gibt nicht zwei oder drei Teams zur Auswahl, sondern gleich satte 15. Um sich taktisch auf den Gegner einzustellen, ist das ein Horror. Grund ist der Turnierbaum, der bestimmt, dass der Sieger der Gruppe E - Deutschland - auf einen der Tabellendritten trifft. Möglich sind da die Gruppen A mit Südafrika, Südkorea oder Tschechien, B mit Kanada, Schweiz, Bosnien-Herzegowina oder Katar, C mit Brasilien, Marokko oder Schottland, D mit Australien oder Paraguay oder F mit den Niederlanden, Japan oder Schweden.

Derzeit sind Duelle gegen Schottland aus Gruppe C und Paraguay oder Australien aus Gruppe D nach aktuellem Stand die wahrscheinlichsten Optionen. Die Chance auf ein Spiel gegen eine Mannschaft aus der Gruppe A wie die Schweiz, Bosnien-Herzegowina oder Katar geht gegen null. Dennoch: Soweit, so unklar.

"Die anderen Gruppen können wir nicht beeinflussen", sagte Nagelsmann. Grund für die Verwirrung ist der komplizierte Modus, da gleich acht der zwölf Gruppendritten weiterkommen. Insgesamt gibt es 495 Konstellationen, wie sich die besten acht Vorrundendritten auf das Sechzehntelfinale verteilen lassen.

Gruppendritte sind völlig im Unklaren

Und so ist hat es das DFB-Team tatsächlich noch gut. Immerhin der Weg ist komplett vorgezeichnet. Im Achtelfinale würde im Falle des Weiterkommens mit Frankreich oder Norwegen wohl ein richtig dicker Brocken warten, im Viertelfinale hielte der Turnierbaum unter Umständen ein Aufeinandertreffen mit den Niederlanden oder Brasilien bereit, im Halbfinale könnte es gegen Spanien gehen. Zu einem Duell gegen Titelverteidiger Argentinien, zumindest das ist schon Fakt, kann es nur im Endspiel kommen.

Ganz anders geht es denen, die darauf hoffen, als Gruppendritte weiterzukommen. Nach ihrem letzten Vorrundenspiel gibt es teils bis zu vier Tage langes Zittern - womöglich ohne Happy End. Denn wer von ihnen überhaupt noch dabei ist, steht wohl erst mit dem Vorrundenabschluss in der Nacht auf Sonntag fest. Heißt, dann erfährt das DFB-Team auch erst, gegen wen es ran muss. Im Vorteil sind dabei die Teams aus den hinteren Gruppen, da sie gegen Ende des dritten Spieltags besser wissen, welches Ergebnis für das Weiterkommen reicht.

Die Tabellendritten aller Gruppen werden in einer eigenen Rangliste von der FIFA gewertet. Sortiert ist diese nach Punkten und Toren, die jedes Team erzielt hat. Bei Gleichstand gilt die Anzahl der erzielten Tore, danach käme die Fair-Play-Wertung ins Spiel, anschließend der Weltranglistenplatz. Wer nach drei Spielen die Plätze neun bis zwölf belegt, scheidet aus. Die anderen erfahren dann, gegen wen sie spielen - und eben, wohin sie reisen müssen.

Schweden kann es besonders übel treffen

Besonders deutlich könnten die Schattenseiten der WM-Aufstockung etwa für Schweden zutage treten. Die Skandinavier bestreiten ihr letztes Vorrundenspiel gegen Japan in der Nacht auf Freitag. Sollte Schweden die Gruppe F als Dritter abschließen, würde dann das große Warten beginnen. Zu diesem Zeitpunkt gäbe es - neben einem möglichen Turnieraus - noch fünf Szenarien für das Sechzehntelfinale. Alle drei Gastgeberländer kämen als Spielort infrage, fünf Städte wären denkbar und vier verschiedene Termine.

Ein besonders brisantes Szenario: Die Schweden erfahren unter Umständen erst kurz vor Mitternacht des 27. Juni, wie es weitergeht. Das Sechzehntelfinale könnte das Team dann schon am 29. Juni in Boston bestreiten. Gegen - und so würde sich der Kreis schließen - die DFB-Elf.

Was so manchem Team blüht, ist dabei kein gänzlich neues Phänomen im internationalen Fußball. 2016 etwa erkämpfte sich der damalige EM-Neuling Albanien bei der Europameisterschaft in Frankreich in seinem letzten Vorrundenspiel Rang drei, verbrachte anschließend noch drei Tage zwischen Bangen und Hoffen im Gastgeberland - nur um als einer der "schlechtesten" Gruppendritten letztlich doch nach Hause fahren zu müssen.

Verwendete Quellen: ntv.de, ara/sid