Der DFB hat das Aus von Bundestrainer Julian Nagelsmann in einem Statement verkündet. Nach 1015 Tagen endet damit dessen Ära als DFB-Coach. Zuvor hatten schon Sky und die "Bild"-Zeitung vom Rücktritt Nagelsmanns berichtet.
Weg frei für Jürgen Klopp dank "mündlicher Vereinbarung"

Der bis 2028 laufende Vertrag des Bundestrainers wurde mit sofortiger Wirkung aufgelöst. Das teilte der DFB am Freitag, vier Tage nach dem verlorenen Sechzehntelfinale in Foxborough gegen Paraguay (3:4 i.E.) mit. Nagelsmann hatte das Amt im September 2023 von Hansi Flick übernommen. Auch Nagelsmanns Assistenten Benjamin Glück und Benjamin Hübner werden den DFB verlassen.
Gesellschaftervertreter und Aufsichtsrat der DFB GmbH und Co. KG haben demnach auf Vorschlag von DFB-Präsident Bernd Neuendorf einstimmig die sofortige Auflösung des Vertragsverhältnisses mit Nagelsmann beschlossen. Er habe darum in einem Gespräch mit den Verantwortlichen am Vortag gebeten. Das Gremium tagte in einer Videoschalte am Vormittag. Nach RTL/ntv-Informationen dauerte die Präsidiumssitzung eine knappe Stunde, die Stimmung soll dem Anlass entsprechend wenig euphorisch gewesen sein. Die Kosten für das vorzeitige Nagelsmann-Aus sollen sich auf weniger als sieben Millionen Euro belaufen, die aufgelösten Verträge der Assistenten miteingeschlossen.
"Ich habe in den vergangenen Tagen seit dem Ausscheiden viel nachgedacht und mich mit Vertrauten in meinem persönlichen Umfeld und im Verband ausgetauscht. Die Entscheidung ist mir alles andere als leichtgefallen. Mein oberstes Ziel war immer der Erfolg der Mannschaft. Sie hat nach so einer herben Enttäuschung die Chance auf einen unbelasteten Neuanfang verdient", sagte Nagelsmann in der Presseerklärung des Verbandes.
Klopp signalisiert "grundsätzliche Bereitschaft"
Der Verband bestätigte zudem, dass er mit Blick auf die Neubesetzung das Gespräch mit Jürgen Klopp suchen werde. Dieser habe "bereits seine grundsätzliche Bereitschaft zur Übernahme des Postens signalisiert". Der 59-jährige Klopp ist seit Januar 2025 als Head of Global Soccer für die Red Bull GmbH tätig. Davor war Klopp als Trainer sehr erfolgreich bei Borussia Dortmund und dem FC Liverpool. Bei Red Bull soll er laut Sky eine Exit-Klausel für ein Engagement beim DFB haben. Womöglich muss der DFB eine Ablösesumme für Klopp bezahlen. Die Gespräche sollen nach RTL/ntv-Informationen so schnell wie möglich geführt werden. Noch ist aber unklar, ob diese digital erfolgen oder DFB-Vertreter wie Rudi Völler in die USA reisen, wo Klopp gerade als TV-Experte arbeitet.
Nagelsmann zurückgetreten: Vom Hoffnungsträger zum Buhmann

Unmittelbar nach dem Ausscheiden hatte Nagelsmann einen Rücktritt ausgeschlossen. "Ich bin keiner, der wegläuft", hatte er im Stadion in Foxborough in den USA gesagt. Nun kam es aber zu dem Sinneswandel. "Nach dem für ausnahmslos alle enttäuschenden WM-Aus verdient Julians Entscheidung unseren Respekt. Weil er Verantwortung übernimmt, wo er gerne weiter gestalten würde und die Nationalmannschaft als Ganzes über die eigene Person stellt", sagte Sportdirektor Rudi Völler.
Über die Zukunft des Weltmeisters von 1990 äußerte sich der DFB nicht. Sport-Geschäftsführer Andreas Rettig wird seinen zum Jahresende auslaufenden Vertrag aus persönlichen Gründen nicht verlängern. Hierüber habe er den DFB-Präsidenten bereits vor Beginn der Weltmeisterschaft informiert.

