Trauer, Tränen, Tumulte

Danke, Cristiano: Der Meistgehasste tritt mit einem Schluchzen ab

David BeduerftigVon David Bedürftig, Dallas
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Das war's: Cristiano Ronaldo wird nie wieder bei einer WM auflaufen. (Foto: IMAGO/ZUMA Press)
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07.07.2026 | 04:46 Uhr
Nie wieder WM mit Cristiano Ronaldo: Nach einer erneut miserablen Leistung von CR7 scheidet Portugal aus. Der Superstar weint bittere Tränen - und wird trotz Pfiffen und Buhrufen vermisst werden. Nach der Partie kommt es zu regelrechten Cristiano-Tumulten.

Nicht mit einem Knall, sondern mit einem Schluchzen endet es. Irgendwann kann er die Tränen nicht mehr zurückhalten. Sie kullern aus seinen geröteten Augen. Alles ist vorbei. Ohne WM-Titel.

Cristiano Ronaldo, einer der größten Fußballer aller Zeiten, verlässt die größte aller Bühnen. Der Weltstar nie wieder bei einer Weltmeisterschaft auf dem Rasen zaubern. Keine Übersteiger mehr. Kein Reklamieren. Keine Tore. Kein "Siiiuuuu".

Gnadenlose Spanier zerstören Ronaldos WM-Träume

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Mit der späten 0:1 (0:0)-Pleite gegen Spanien scheidet Portugal in Dallas aus der WM aus. Und Ronaldo, der bereits angekündigt hatte, dass dies seine letzte Weltmeisterschaft sein werde, weint auf dem Rasen. Der 41-Jährige lässt mit dem Abpfiff den Kopf fallen und schleicht an seinen Mitspielern vorbei, ohne ihnen Beachtung zu schenken. Sein leerer, glasiger Blick geht ins Nirgendwo, er sucht halt und stemmt die Arme in die Seite. Großer Applaus brandet im Stadion auf, als er auf den Leinwänden gezeigt wird. Dann kommen die Tränen.

Ronaldos Wachablösung

Mit einer fast schon entschuldigenden Geste schleppt Ronaldo sich noch einmal zu den Fans, ein paar Spanier klatschen bei ihm ab. Das war es für die Ikone beim größten Turnier der Welt. Vielleicht sogar komplett auf der internationalen Bühne. Darüber müsse er noch nachdenken, sagt er später. Lamine Yamal, einer seiner Nachfolger in Sachen Superstar, gibt ihm eine Umarmung. Es ist ein Symbol der Wachablösung, vom Ende einer Ära und vom Beginn einer neuen. Eines, das unfassbar schmerzhaft ist für den extrem ehrgeizigen und von sich selbst überzeugten Portugiesen.

DFB-Albtraum schockt Cristiano Ronaldo

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Ronaldo muss damit abfinden, dass er vom absoluten Gipfel des Sports hinabgestiegen ist. Doch diese WM zeigt erneut, dass er immer noch nicht weiß, wie er damit umgehen soll. Schließlich basiert ein Großteil seiner Identität darauf, dass er einer der besten Fußballer der Welt ist. Wer ist Cristiano Ronaldo, wenn er kein Fußballer mehr ist? Der WM-Abtritt ist ein erster Schritt, das Unvermeidliche anzuerkennen.

Obwohl Ronaldo als einziger bei sechs Weltmeisterschaften ein Tor erzielte, war die WM nie sein Turnier. Ein schwarzer Fleck auf seiner sonst so weiß-strahlenden sportlichen Vita. Die Niederlage gegen Spanien ist bereits das vierte Mal, dass Ronaldo mit Portugal nicht über das Achtelfinale hinauskommt. Das beste Ergebnis: der vierte Platz bei seiner WM-Teilnahme 2006 in Deutschland. Hinzu kommt, dass der Stürmer nur ein einziges Tor bei seinen K.o.-Spielen bei Weltmeisterschaften erzielt hat, den Elfmeter beim 2:1-Sieg gegen Kroatien im Achtelfinale vor wenigen Tagen.

Journalisten flippen aus wegen CR7

Das grellste aller Scheinwerferlichter wird CR7 trotzdem vermissen. Das wird auch in den Katakomben nach dem Spiel deutlich. Dort beginnen nach der Partie die großen Cristiano-Tumulte. Wann kommt er? Woher kommt er? Und kommt er überhaupt? Dicht gedrängelt warten die Journalisten aus aller Welt, viele von ihnen tragen das Trikot des Portugiesen. Der bemitleidenswerte Rúben Dias dampft wieder ab, als ihm niemand eine Frage auf Portugiesisch stellen kann.

Dann folgt die Ansage. Gleich ist es soweit. Die Drängelei wird gleich noch ein wenig wilder, etlichen Medienschaffenden rinnt der Schweiß von der Stirn. Leiden für den Superstar. Ein Sicherheitsgitter fällt beinahe um, weil Journalisten sich so nah wie möglich an Ronaldo herandrücken wollen. Es gibt Schubser und Schiebereien.

"Es macht mich traurig, die Weltmeisterschaft auf diese Weise zu verlassen", sagt Ronaldo schließlich. "Ich habe alles gegeben und gehe mit gutem Gewissen. So ist das Leben eines Fußballers." In der Hand hält er einen großen Sombrero-Hut, im Ohr glitzert ein Brillantohrring. "Ich habe alles gegeben. Ich habe mit Portugal drei Titel gewonnen", so Ronaldo weiter. "Der Titel bei der EM 2016 steht auf einer Stufe mit einem Weltmeistertitel."

Der Portugiese nimmt sich diesmal Zeit für die Medienschaffenden, kostet das Reportermeer vollends aus. Es wirkt, als wolle er den WM-Abtritt noch ein paar Minuten hinauszögern. "Gracias, Cristiano", ruft einer der Journalisten laut. "Wir müssen klatschen", meint ein anderer. Der spanische Mittelfeld-Regisseur lobt unterdessen seinen Gegner als "einer der besten aller Zeiten".

"Gibt nicht viele wie Cristiano"

Dass CR7 wieder ein schwaches WM-Spiel abliefert, dass er oft einen Schritt zu langsam ist oder falsch läuft, ist am Ende beinahe egal. Er hat in der ersten Halbzeit ganze zwölf Ballberührungen, weniger als alle anderen auf dem Platz. An zweiter Stelle steht der Stürmer auf der Gegenseite, Mikel Oyarzabal, mit 21 Ballkontakten. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass von diesem mit Champions-League-Siegern gespickten portugiesischen Team zu wenig Hilfe für Ronaldo aus dem Mittelfeld und von den Flügeln kommt.

Trainer Roberto Martinez, der weitaus mehr aus diesem Kader hätte herausholen müssen, tritt direkt nach dem Aus zurück. "Einen vorbildlichen Kapitän", nennt er Ronaldo. "Wir sprechen hier von einer Fußballikone. Es gibt nicht viele wie Cristiano Ronaldo. Wir müssen ihm für das danken, was er bei dieser Weltmeisterschaft geleistet hat. Er ist ein Paradebeispiel für den Fußball, für einen Sportler und für den Menschen, der hinter diesem Sportler steht."

Cristiano Ronaldo verabschiedet sich tränenreich

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Zuvor blitzt auf dem Rasen nur einmal Ronaldos altes Können auf. In der 37. Minute schlägt Pedro Neto eine tiefe Flanke von rechts, João Félix legt per Kopf ab und CR7 spitzelt die Kugel im Fallen und mit dem Rücken zum Tor auf den Kasten. Spaniens Keeper Unai Simon muss sich ganz lang machen, erhechtet den Versuch gerade noch so. Direkt nach dieser starken Improvisation ist Ronaldo mit ausgestreckter Zunge auf den riesigen Videoleinwänden zu sehen. Wilde Buhrufe hallen von den Rängen.

Der Meistgehasste aller Zeiten

Der Meistgehasste. Aller Zeiten. Für den Rekordhalter in Sachen Länderspieltore (146) und Länderspieleinsätze (233) gibt es stets mehr Abneigung als für jeden anderen. Von Millionen geliebt, von Millionen verabscheut. Beides hat seine Gründe. Aber bei Ronaldo gehen die Gefühle in die Extreme: entweder Jesus oder Judas. Mit dem wohl größten Ego, das die Fußballwelt je gesehen hat, macht der Portugiese sich selbst zur Zielscheibe für Kritik und mutiert dennoch zu weitaus mehr als einem Fußballer. Zu einer Ikone, einem Vorbild, einer Marke. CR7.

Auch wer den extravaganten Superstar nicht mag, wird ihn auf die eine oder andere Art vermissen. Vor seiner Arbeitsmoral, seinem Killerinstinkt, seiner Gier, immer besser zu werden - nein: der Beste zu sein -, muss ein jeder den Hut ziehen. Mit Lionel Messi zusammen hat er die letzten zwei Jahrzehnte des Fußballs geprägt, wie nur wenige vor ihm.

Dieses Vermächtnis wird für immer und ewig bleiben. Genauso wie seine Tore. Unfassbare 976 in 1326 Spielen für sein Land und seine Vereine sind es. Zumindest dem Klubfußball wird er mindestens noch so lange erhalten bleiben, bis er die 1000 vollgemacht hat. Das kann dem Besessenen niemand nehmen oder vorhalten.

Es folgen Abschied und Tränen

Als sich Ronaldo und Co. schon auf die Verlängerung eingestellt haben, schlägt Spanien doch noch zu in Person von Einwechsler Mikel Merino (90.+1). Ronaldo geht sofort zum Mittelpunkt. Klatscht und feuert seine Mitspieler an. Gut vier WM-Minuten bleiben ihm noch. Aber er zieht bei den anschließenden Angriffen nicht in den Strafraum, der damit komplett unbesetzt bleibt und kommt bis zum Spielende kein einziges Mal mehr an den Ball.

Eine Kopfballverlängerung von João Neves nach einem allerletzten portugiesischen Freistoß rauscht haarscharf an Ronaldo vorbei. Zentimeter fehlen für den ganz großen Moment, doch wieder ist CR7 mit seinen 41 Jahren einen Schritt zu langsam. Es folgt der Abschied. Und dann die Tränen.

Verwendete Quelle: ntv.de