Der Mann, der unfreiwillig ins Zentrum eines stetig wachsenden WM-Skandals geraten ist, ließ zunächst Michael Jackson für sich sprechen. Folarin Balogun postete bei Instagram ein Bild von sich im US-Trikot, dazu sang der King of Pop "Bad". Als die ganze Fußballwelt Stunden später bebte und sich eine diplomatische Krise anbahnte, hüllte sich Balogun in Schweigen. Das Urteil in seinem Fall hatten längst andere gefällt.
Doch wer ist dieser 25 Jahre alte Fußballer, der zuerst zum Hoffnungsträger beim Heimturnier wurde und dann urplötzlich in die beispiellosen Verstrickungen zwischen FIFA und US-Regierung geriet? Einer, so viel stand zumindest bis vor Kurzem fest, der für Präsident Donald Trump niemals für das Team USA hätte auflaufen sollen. Die US-Staatsbürgerschaft besitzt Folarin Balogun jedenfalls nur durch einen Zufall. Seine Mutter Florence war im Frühjahr 2001 hochschwanger zu Besuch bei Verwandten in New York. Die geplante Rückreise nach London konnte sie nicht antreten, weil ihr die Airline aus Sicherheitsgründen den Zutritt zum Flugzeug verweigerte. So wurde Folarin im Stadtteil Brooklyn geboren.
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Das bescherte dem Sohn der in Nigeria aufgewachsenen Florence und Ben Balogun, die in London eine neue Heimat gefunden hatten, das "birthright citizenship". Dieses Recht, festgeschrieben im 14. Verfassungszusatz von 1868, das Menschen, die auf dem Boden der Vereinigten Staaten zur Welt kommen, automatisch zu US-Bürgern macht, will Trump abschaffen.
Balogun soll begeistert reagiert haben
Balogun hätte auch für Nigeria spielen oder für England bei der WM Tore schießen können. Im Alter von acht Jahren nahm ihn der FC Arsenal in seine Akademie auf, für englische U-Teams bestritt er bis 2021 immerhin 32 Spiele. Kurios: 2018 spielte Balogun auch vier Mal für die U18 der USA. Doch erst im Frühjahr 2023 entschied er sich für sein Geburtsland.
"Wir haben beschlossen", erklärte Balogun, "dass es das Richtige ist, das Land zu repräsentieren, in dem ich geboren wurde." Mutter Florence erhob keinen Einwand. Zum Glück für die US-Nationalmannschaft, die verzweifelt nach einem Mittelstürmer gesucht hatte. Bei der Weltmeisterschaft schoss sich Balogun mit zwei Toren gegen Paraguay und einem gegen Bosnien-Herzegowina in den Fokus, dann sah er die folgenschwere Rote Karte.
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Unabsichtlich, aber schmerzhaft war er dem Bosnier Tarik Muharemovic aufs Sprunggelenk getreten. Eine unglückliche Szene, die von Schiedsrichter und VAR aber eindeutig beurteilt wurde: Der Platzverweis zog eine Sperre für das Achtelfinale gegen Belgien (Dienstag, 2 Uhr MESZ/ARD und MagentaTV sowie im ntv.de-Liveticker) nach sich - das dachten zumindest alle, auch Baloguns Teamkollegen.
Die Entscheidung, die Sperre zur Bewährung auszusetzen, überraschte die Mannschaft. "Wir waren uns nicht ganz sicher, ob es wahr ist oder nicht. Ich denke, jeder weiß, wie das mit KI ist", berichtete Abwehrchef Chris Richards. "Am Ende haben wir es über Social Media herausgefunden", sagte Verteidiger Chris Richards. Baloguns Reaktion sei "lit" gewesen, also begeistert, ergänzte er lachend. Mehr Einblick in Baloguns Seele bekam die Fußballwelt nicht. Der Stürmer der AS Monaco will aber ohnehin lieber Tore für sich sprechen lassen.
