Nach dem Rote-Karten-Festival zum WM-Start schüttelte Hugo Broos nur noch den Kopf. Über den ersten Platzverweis, gut, da müsse man nicht groß reden, sagte der Nationaltrainer Südafrikas, "die Karte kann ich noch verstehen". Die zweite aber, für ein vergleichsweise harmloses Vergehen? Nein! "Da blockt ein Mexikaner meinen Spieler", klagte Broos in der Pressekonferenz, "das war zu wenig, um eine Rote Karte zu geben." Er habe zwar noch genügend "Spieler für das nächste Spiel, aber das ist wirklich nicht schön".
Zunächst hatte Yaya Sithole im Eröffnungsspiel gegen Gastgeber Mexiko (0:2) nach einer Notbremse Rot gesehen. Sechs Minuten vor dem Abpfiff folgte sein Mitspieler Themba Zwane wegen einer Tätlichkeit, was aber fragwürdig war. Schiedsrichter Wilton Sampaio aus Brasilien hatte den Videobeweis bemüht und einen Schlag gesehen. Am Ende erwischte es auch noch den Mexikaner César Montes (90.+2/Notbremse).
"Das bleibt hängen, das ist schade"
"Ich glaube, es hätte dem Spiel gutgetan, wenn es nur eine Rote Karte gewesen wäre", sagte der ehemalige Schiedsrichter Patrick Ittrich als Experte bei MagentaTV. "Jetzt reden alle über den Schiedsrichter und das nach einem WM-Eröffnungsspiel. Das bleibt hängen, das ist schade." Thorsten Kinhöfer pflichtete Ittrich im ZDF bei. "Der Schiri hat eigentlich einen sehr guten Blick. Wenn der Mexikaner direkt aufsteht - und das kann er, denn er hat ja überlebt - dann gibt der Schiedsrichter nicht Rot. In Realgeschwindigkeit und ohne die Schauspielerei des Gegners wäre es keine Rote Karte gewesen, auch wenn man es regeltechnisch vertreten kann."
Drei Platzverweise? Schon mal dagewesen. Den unrühmlichen Rekord in einem WM-Spiel hält das Achtelfinale 2006 in Deutschland zwischen Portugal und den Niederlanden (1:0). In dem Spiel, später als "Schlacht von Nürnberg" bezeichnet, flogen gleich vier Spieler vom Platz, zwei von jeder Mannschaft, alle mit Gelb-Rot.
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Drei Rote Karten in einem WM-Spiel waren zuletzt ebenfalls beim Turnier in Deutschland gezeigt worden - und das gleich zweimal. Drei Platzverweise gab es bei den Spielen Italien gegen die USA (1:1) und Kroatien gegen Australien (2:2). Insgesamt sah bei der WM 2006 die Rekordzahl von 28 Spielern Gelb-Rot oder Rot. Drei oder mehr Platzverweise gab es seit der WM 1938 in insgesamt acht Spielen.
Die erste tragische Figur der WM
Besonders bitter verlief der Eröffnungsabend für Yaya Sithole. Der Südafrikaner blickte verzweifelt in Richtung Himmel über dem Aztekenstadion, dann trottete er mit hängenden Schultern vom Rasen: Gegentor verschuldet, Rot kassiert. Nach nicht einmal einer Stunde Spielzeit hatte die Fußball-WM ihre erste tragische Figur.
Sphephelo S'Miso Sithole, so "Yayas" voller und klangvoller Name, ist eigentlich ein grundsolider Mittelfeldspieler, 27 Jahre alt, berufstätig bei CD Tondela, mit dem er gerade aus Portugals erster Liga abgestiegen ist. Doch sein 29. Länderspiel sorgte dafür, dass der Abstieg bei Weitem nicht sein unerfreulichstes Fußball-Erlebnis war.
In der 9. Minute hatte Sithole den Ball am eigenen Strafraum gegen Érik Lira verloren, Julian Quinones dankte mit dem ersten Treffer dieser Mega-WM. Und nach der Pause endete Südafrikas zaghafte Aufholjagd, als Sithole dem enteilten Brian Gutierrez von hinten in die Beine stolperte (49.). Schiedsrichter Wilton Sampaio aus Brasilien zeigte unverzüglich Rot. Und machte Yayas schwärzesten Tag perfekt. Ach ja: Der Unglücksrabe trägt bei dieser WM die Nummer 13. Oder womöglich: Er trug sie.





