"Weltmacht besiegt"

Emotionaler Trainer verwandelt sich nach DFB-Coup in Feierbiest

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26.06.2026 | 08:44 Uhr
90 Minuten lang springt Sébastian Beccacece im WM-Spiel gegen Deutschland an der Seite herum. Nach Abpfiff müssen die Emotionen endgültig heraus. Der Ecuador-Trainer kämpft dabei auch um die Liebe der Fans.

Sebastián Beccacece stürmte im Vollsprint zur Tribüne und ließ sich von seinen Liebsten feiern. Der Jubel mit der Familie sei für ihn "sehr wichtig" gewesen, sagte Ecuadors Nationalcoach nach dem 2:1-Sieg gegen Deutschland und dem damit verbundenen Einzug ins Sechzehntelfinale der Fußball-WM. Es war einer der wohl emotionalsten Tage in der Karriere des Trainers. Eines Trainers, der leidenschaftlich um die Liebe der Fans kämpft.

Töchter, Ehefrau, Mutter und Schwester seien da gewesen, zählte Beccacece auf. Nur der Vater lebe nicht mehr und schaue nun "von oben zu", sagte der 45-Jährige, nachdem er die Ecuadorianer in ihre erste K.-o.-Phase bei einer WM seit 20 Jahren geführt und damit mutmaßlich auch seinen Job gerettet hatte.

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Sebastián Beccacece stürmte nach dem Sieg auf den Zaun zu seiner Familie. (Foto: IMAGO/Nicolo Campo)

"Ecuador ist verliebenswert"

Die Beziehung zwischen Beccacece und Ecuadors Anhängern ist - gelinde gesagt - nicht die einfachste. Und erklärt die großen Gefühle, die der Argentinier beim Vorrundenabschluss gegen die DFB-Elf in East Rutherford zeigte. Über die komplette Partie hinweg hatte der Coach seine Mannschaft voller Hingabe nach vorn getrieben, phasenweise stand er sogar im Spielfeld. Schon nach dem Siegtreffer durch Gonzalo Plata rannte Beccacece wild die Seitenlinie entlang. Nach dem Schlusspfiff gab's für das Energiebündel endgültig kein Halten mehr.

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Sein Team habe an diesem Donnerstag "etwas Großes geschafft" und "eine Weltmacht besiegt", sagte Beccacece. "Ich wünsche mir wirklich, dass die Menschen sich verlieben in diese Spieler. Ecuador ist verliebenswert." Er selbst habe sich längst in dieses Team und dieses Land verliebt, gab er zu verstehen. Er sei der Bevölkerung in der 18-Millionen-Einwohner-Nation "sehr dankbar", sagte Beccacece und zählte diverse Städte auf, die er dort schon bereist habe.

Verlieben sich knapp zwei Jahre nach seinem Amtsantritt nun auch die Fans der Ecuadorianer in ihn? Er habe ihre Herzen bisher nicht erreicht, hatte Beccacece vor dem Spiel gesagt. "Diese Menschen kennen mich wirklich. Aber mit dem Fan, der mich nicht kennt, habe ich keine Verbindung aufbauen können. Offenbar gibt es etwas an mir, das ihm nicht gefällt. Und das ist in Ordnung. Man muss solche Dinge akzeptieren. Es tut mir nicht weh." Er klagte aber zugleich, dass die Wahrnehmung seiner Arbeit auch "durch politische Strömungen und durch gewisse mediale Sektoren beeinflusst und gelenkt" worden. Die Kritik an ihm war zuletzt immer lauter geworden.

Auch wegen seines defensiven Spielstils. "El Tri", wie die Nationalelf genannt wird, hatte die WM-Qualifikation in Südamerika zwar als Tabellenzweiter abgeschlossen, sich mit nur 14 Toren in 18 Spielen aber regelrecht zum Turnier gemauert. Dort drohte nach dem 0:1 gegen die Elfenbeinküste und dem 0:0 gegen Curaçao ein Fiasko. Doch gegen Deutschland gab's das Comeback.

Job-Aus verhindert

Zigtausende Fans in Gelben Trikots feierten das Team von Beccacece - und den Trainer selbst. Er gehe davon aus, dass er im Falle eines Scheiterns seinen Posten räumen müsse, hatte Beccacece, der schon seit 23 Jahren als Trainer arbeitet und lange Argentiniens früherem Nationalcoach Jorge Sampaoli assistierte, angekündigt. Stattdessen bejubelte er einen "historischen Sieg", wie die ecuadorianische Zeitung "El Universo" es formulierte.

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"Wir haben uns nicht in der Hölle gefühlt, wir fühlen uns jetzt nicht im Himmel, wir sind auf der Erde", sagte Beccacece pathetisch über seine emotionale Achterbahnfahrt in den vergangenen Tagen. Er lobte seine "26 Krieger" und gab mutig das Viertelfinale als Wunschziel für das weitere Turnier aus. "Ich weiß nicht, wozu diese Mannschaft am Ende fähig ist. Was ich weiß, ist, dass wir jedes Spiel so bestreiten, als wäre es unser letztes", versprach er. Glauben Ecuadors Fans nun auch an ihn?

Verwendete Quellen: ntv.de, ara/dpa/sid