Bayer-Star trifft mit Blut-Fuß

"Heftige Szene": US-Coach wütet nach Sieg gegen Rot und FIFA-Regel

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02.07.2026 | 10:09 Uhr
Grenzenlose Euphorie im Land des Gastgebers: Die USA ziehen ins WM-Achtelfinale ein. Eine Szene regt Trainer Pochettino trotzdem auf. Sein bester Torschütze wird gegen Belgien fehlen.

Aus den Boxen dröhnten die "Country Roads", der ehemalige Schalker Weston McKennie dirigierte ein beseeltes Publikum zum identitätsstiftenden Schlager von John Denver, und unten auf dem Rasen wurde auch Trainer Mauricio Pochettino völlig übermannt von der Euphorie, die er mit dem US-Team ausgelöst hat. Erst grölte er die Siegerhymne voller Inbrunst mit, dann rief er: "Ich bin so stolz, so stolz auf diese Mannschaft. Und die Fans waren unglaublich. Es ist so unglaublich, das zu erleben."

Die Amerikaner mögen nach dem schwer erkämpften 2:0 (1:0) gegen Bosnien-Herzegowina, bei dem sie nach der Roten Karte für Torschütze Folarin Balogun (64.) eine halbe Stunde lang dessen Führungstreffer (45.) verteidigten, zunächst nur im Achtelfinale gegen Belgien stehen. Doch der erste K.-o.-Runden-Sieg bei einer WM seit 24 Jahren lässt sie an alles glauben: "Für diese Gruppe ist der Himmel die Grenze", schrie der aufgeregte TV-Kommentator John Strong in sein Mikrofon. Und, ach ja: "Ich bin stolz, ein Amerikaner zu sein."

US-Torjäger fliegt nach heftigem Foul vom Platz

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Nicht nur im Stadion der San Francisco 49ers schien sich die Erkenntnis breitgemacht zu haben, dass alles möglich ist. Von West nach Ost, von Nord nach Süd saßen, standen und feierten Amerikaner zu Tausenden beim Public Viewing. Und sie sahen sich durchaus bestätigt in den Worten, die von der Leinwand kamen. Thierry Henry, Experte beim übertragenden Sender Fox, sagte in der Tat: "Manchmal muss du so ein Spiel gewinnen, um auch ein Turnier zu gewinnen." Besserwisser Zlatan Ibrahimovic saß wie üblich daneben - und nickte nur zustimmend.

"Es war zu keinem Zeitpunkt seine Absicht ..."

"So ein Spiel" wurde es nach dem Platzverweis für den herausragenden Balogun, der unabsichtlich und eher unglücklich Tarik Muharemovic aufs Sprunggelenk getreten war. Die Szene sorgte im US-Lager für Ärger. "Für mich ist das niemals eine Rote Karte", sagte Pochettino. "Es war zu keinem Zeitpunkt seine Absicht, den Spieler zu treten. Es war eine im Fußball ganz normale Aktion: Man kämpft um den Ball, und der Fuß landet eben dort, oder? Ja, die Szene sah vielleicht etwas heftig aus. Aber ich glaube, es war keinesfalls Absicht."

Gemäß den FIFA-Regularien ist Balogun für das nächste Spiel automatisch gesperrt. Gegen diese Sperre kann kein Einspruch eingelegt werden, wie ein Sprecher des Weltverbands bestätigte. Pochettino entgegnete, es "sollte fair sein", Einspruch gegen die Entscheidung einzulegen, fügte jedoch hinzu, er müsse "verschiedene Optionen" in Betracht ziehen, sollte dies nicht möglich sein.

"Blood, sweat and tears"

Danach rackerten sich die Amerikaner ab, es war ein Spiel nach dem Geschmack eines Publikums, das "blood, sweat and tears" honoriert. Allerdings: Pochettinos offensiv wie defensiv bestens organisierte Mannschaft gab sich nicht mit stumpfem Verteidigen zufrieden. Sie legte nochmal nach, durch einen traumhaften Freistoß von Malik Tillman (82.), geboren in Nürnberg.

Die Widerstandskraft und die Ruhe, mit der die Amerikaner allerdings arg ideenlose Bosnier bearbeiteten, zeuge "vom Charakter dieser Mannschaft", sagte Tillman, dessen Treffer zu den Highlights der WM zählen dürfte - und zu den wohl ungewöhnlichsten: Unmittelbar vor dem Schuss hatte er noch seine Schuhe wechseln müssen. "Ich hatte Schmerzen. Der Schuh war zerrissen, weil mir jemand draufgestiegen ist. Ich musste wechseln", berichtete der Profi von Bayer Leverkusen, dessen rechte Socke in der Interviewzone von Blut getränkt war.

Tillmans Freistoß löste im Stadion eine wahre Explosion der Emotionen aus, die ganze Anspannung war mit einem Mal verflogen. Und, klar, die Geschichte dieses Spiels, dieses Treffers wurde noch besser, weil Tillman danach erzählte, er habe Freistöße im Training geübt - und: "Ich habe davon geträumt, dass ich einen Freistoß schieße, und dass ich mit einem Freistoß treffe." Wieder so ein Moment, der ein ganzes Land davon überzeugt, dass Träume wahr werden können - man muss nur dran glauben. Die Anhänger des US-Team brüllen mittlerweile ohnehin bei jeder Gelegenheit: "We believe!"

Verwendete Quellen: ntv.de, tno/sid