Fußball-WM

Regierungsgebäude gestürmtIm WM-Gastgeberland Mexiko erschüttern Lehrer gewaltsam die Vorfreude

04.06.2026, 11:43 Uhr
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MEXICO-CITY-MEXICO-JUNE-03-Demonstrators-attempt-to-breach-the-gates-of-the-Mexico-s-Education-Ministry-building-as-riot-police-discharge-fire-extinguishers-at-them-during-a-protest-by-CNTE-teachers-in-Mexico-City-Mexico-on-June-03-2026-Members-of-National-Coordination-of-Education-Workers-CNTE-forced-their-way-into-Mexico-s-Education-Ministry-building-causing-damage-to-the-facilities-as-part-of-the-third-day-of-protests-following-the-declaration-of-a-national-strike
Laternenmasten dienen als Rammböcke. (Foto: picture alliance / Anadolu)

In der kommenden Woche startet die Fußball-Weltmeisterschaft - doch in Mexiko herrscht Chaos. Nach Drogen-Kartellen und Banden sind es diesmal Lehrer, die für Krawalle sorgen. Ihr Protest artet immer weiter aus. Sie schrecken nicht vor dem Einsatz improvisierter Rammböcke und selbstgebauter Sprengkörper zurück.

Die Lehrerproteste in Mexiko-Stadt haben kurz vor dem Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft eine neue Dimension erreicht. Demonstranten in Mexiko stürmten am Mittwoch ein Regierungsgebäude, dabei setzten sie Laternenmasten als Rammböcke ein, um sich gewaltsam Zutritt zur Zentrale des Bildungsministeriums in der Hauptstadt zu verschaffen.

Bereits am Dienstag hatte eine abgespaltene Gruppe der Lehrergewerkschaft CNTE riesige Plastikstatuen von Spielern mithilfe von Seilen umgerissen, ihnen die Trikots ausgezogen und diese verbrannt. Entlang der berühmten Paseo de la Reforma sollten die fünf Meter hohen Statuen mitten im Herzen der Hauptstadt eigentlich die WM-Euphorie entfachen - stattdessen brannten ihre Trikots.

Wenige Tage vor dem Eröffnungsspiel im legendären Aztekenstadion sind die Sorgen um die Sicherheit in Mexiko zurück. Neu ist, dass es diesmal nicht Bandenkriege oder Drogen-Kartelle sind, die für Aufregung sorgen, sondern Lehrer. Der Aufbau für das große Fanfest auf dem zentralen Platz Zócalo läuft, die Lehrer nutzen diese Aufmerksamkeit. Sie zündeten Feuerwerkskörper und selbstgebaute Sprengkörper, die Polizei setzte Tränengas ein. Gewerkschaftsvertreter Filiberto Frausto sagte der Nachrichtenagentur AFP mit Blick auf das Fanfest: "Diese Veranstaltung muss abgesagt werden." Seine Begründung: "Unser Anliegen sollte viel wichtiger sein als ein bisschen Ablenkung und Spaß." 

Sind Kartelle für ein reibungsloses Turnier?

Staatspräsidentin Claudia Sheinbaum bekräftigte dagegen, sie werde nicht in die "Falle" tappen, Demonstrationen gewaltsam niederzuschlagen. "Sie wollen, dass wir im Vorfeld der Weltmeisterschaft auf Repression zurückgreifen", sagte sie auf ihrer täglichen Pressekonferenz und versprach zugleich, genau dies nicht zu tun.

CNTE droht mit Massendemonstrationen bei der Eröffnung der WM am 11. Juni, falls die Regierung ihre Forderungen nach Gehaltserhöhungen und neuen Verhandlungen über das Rentensystem nicht erfüllt. "Wenn es keine Lösung gibt, rollt der Ball nicht", wurde als Graffiti auf eine der gefallenen Statuen gesprayt.

Sheinbaum hat einen Dialog mit den Demonstranten angeboten. Sie sagte allerdings auch: "Es gibt einige Forderungen, die über unsere Haushaltsmöglichkeiten hinausgehen." Ihre Regierung hat sich mit der CNTE auf eine Gehaltserhöhung von neun Prozent geeinigt - ein Wert, der weit unter der von den protestierenden Lehrern geforderten Steigerung von 100 Prozent liegt. Das monatliche Brutto-Einstiegsgehalt eines Lehrers an einer öffentlichen Schule in Mexiko entspricht umgerechnet 833 Euro.

Rund 100.000 Einsatzkräfte in den drei Austragungsorten Mexiko‑Stadt, Guadalajara und Monterrey sowie in den Touristenhochburgen sollen während der WM für Sicherheit sorgen. Experten glauben, dass ausgerechnet auch die Kartelle an einem Turnier ohne Zwischenfälle interessiert sind - weil sie vom Tourismus profitieren. Es wird erwartet, dass die Nachfrage nach Drogen und sexuellen Dienstleistungen steigt, Haupteinnahmequellen der Kartelle. "Stabilität liegt also im Interesse der organisierten Kriminalität", sagte Victoria Dittmar vom Thinktank InSight Crime in Mexiko. 

Quelle: ntv.de, ara/sid

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