Mattias Svanberg ist wohl aktuell am glücklichsten, dass die Fußball-Weltmeisterschaft mit dem Ball Trionda gespielt wird. Nicht, weil das Modell von Adidas mit seinen Farben Blau, Grün und Rot, die die Gastgeberländer Mexiko, Kanada und die USA darstellen sollen, so schön aussieht. Nein, weil er ihm auf ganz spezielle Weise ein Tor geschenkt hat.
Gerade einmal 18 Sekunden stand Svanberg im Auftaktspiel seiner Schweden gegen Tunesien auf dem Platz, als er den Ball ins Tor beförderte. Gerade erst war der Profi vom Bundesliga-Absteiger VfL Wolfsburg in der 84. Minute eingewechselt worden. Er kam, sah, traf - und sein Jubel wurde zurückgepfiffen. Ganz klar Abseits - so entschied es Schiedsrichter Yael Falcon Perez in Zusammenarbeit mit seinem Linienrichter.
Und in der Tat, die erste Einblendung bei Magenta TV ist völlig unstrittig, Svanberg stand weit im Abseits. Doch plötzlich griff der Videoschiedsrichter ein und bat Perez an den Monitor. Denn der Ball selbst hat da ein Wörtchen mitzusprechen - und der hat sich gemeldet beim Videoschiedsrichter-Team. Er kann natürlich nicht wörtlich sprechen, aber ist vollgestopft mit einer ganzen Menge aussagekräftiger Technologie.
Pulsausschlag beweist Isaks Berührung
Im Trionda sitzt, wie schon bei den Vorgängern, ein Sensor. In diesem Jahr erstmals nicht mehr im Mittelpunkt des Balles, sondern direkt unter der Haut. In den anderen drei Teilen des aus vier Paneelen bestehenden Balles sitzen Gegengewichte, die die Flugeigenschaften des Balles im Vergleich zu vorherigen Modellen verbessern sollen, obwohl der Sensor selbst nur 14 Gramm wiegt. Die "Connected Ball Technology" kann mithilfe eines IMU-Messers die Beschleunigung und die Drehbewegungen des Balles mit einer Frequenz von 500 Hertz messen. 500-mal pro Sekunde werden Bewegungsdaten in Echtzeit an die Videoschiedsrichter gesendet.
Zusätzlich kommen die Tracking-Daten mehrerer Kameras im Stadion zum Tragen. Diese verfolgen die Bewegungen der Spieler und spiegeln in Echtzeit, wann der Ball gespielt wurde. Das gesamte System ist dafür da, den Unparteiischen bei kniffligen Handspiel- und Abseitsentscheidungen zur Hilfe zu stehen. Diese sollen innerhalb von Sekundenbruchteilen deutlich präziser gefällt werden können.
Es waren zwar keine Sekundenbruchteile, doch im Spiel der Schweden gegen Tunesien haben die Daten ganze Arbeit geleistet: Die Technologie erkannte, dass der Ball noch einmal auf einer Zwischenstation zwischen Passgeber und Svanberg berührt wurde - und zwar von Liverpools Alexander Isak. Das bedeutet für die Situation: Isak selbst stand beim Abspiel des Passes nicht im Abseits, als er wiederum den Ball berührte, stand Svanberg selbst nicht mehr im Abseits - das Tor ist also gültig, 4:1 durch Svanberg.
Die Ballberührung Isaks konnte sogar bildlich belegt werden: Mittels des Pulsausschlags, den der Ball bei der Berührung von Isaks Fuß anzeigte. Ein Wellenausschlag, ähnlich wie beim Puls- oder Blutdruckmessen. Diese wurde erstmals bei der WM 2022 und dann auch bei der EM 2024 in Deutschland im TV gezeigt. In Katar etwa bewies das System, dass Bruno Fernandes Portugals Führungstreffer beim 2:0-Sieg gegen Uruguay erzielt hatte - und eben nicht Cristiano Ronaldo, wie der Superstar selbst gedacht hatte.
Kleiner Funfact zum Abschluss: Damit der Ball richtig funktioniert, muss er vor dem Spiel aufgeladen werden.






