Messi kommt und trifft

Irre Schlussphase: Österreich und Algerien marschieren gemeinsam in die K.o.-Runde

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(Foto: IMAGN IMAGES via Reuters)
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28.06.2026 | 06:06 Uhr
Zwei späte Tore in der Nachspielzeit: Algerien und Österreich schieben erst den Ball hin und her und liefern sich dann doch eine epische Schlussphase. Am Ende kommen beide ins Sechzehntelfinale. Lionel Messi baut bei Argentiniens Pflichtsieg gegen Jordanien seine unfassbare Serie aus.

Österreich und Algerien haben bei der Fußball-WM die K.o.-Runde erreicht und in einem wilden Spiel eine "Schande von Kansas City" mit Last-Minute-Treffern vermieden. Im brisanten letzten Vorrundenspiel der Gruppe J, in dem es im direkten Duell um Platz zwei und drei ging, trennten sich beide Teams in Kansas City nach einer dramatischen Schlussphase 3:3 (1:1).

Von einem offensichtlichen "Nichtangriffspakt" war das Spiel 70 Minuten lang weit entfernt - bis dahin war es phasenweise ein offener Schlagabtausch. Danach aber gingen beide Mannschaften ebenso offensichtlich nicht mehr ins Risiko, was das Publikum mit Pfiffen quittierte. Dann wurde es verrückt: Erst traf Riyad Mahrez zum 3:2 für die Algerier (90.+3), kurz darauf rettete Sasa Kalajdzic die Österreicher mit seinem Tor (90.+6) wieder als Gruppenzweiter in die K.o.-Phase. Durch das für beide Mannschaften passende Resultat ist der Iran ausgeschieden. 

Marko Arnautovic (28.) und Marcel Sabitzer (55.) trafen zunächst für die Österreicher, die erstmals seit jenem Abend 1982 wieder die Vorrunde überstanden und es als Zweiter im Sechzehntelfinale am Donnerstag (21.00 Uhr MESZ) in Los Angeles mit Europameister Spanien zu tun bekommen. 

Rafik Belghali (45.) und Rihad Mahrez (60.) hatten zunächst jeweils die passende Antwort parat. Algerien schaffte es trotz des späten Ausgleichs der Österreicher unter die acht besten Gruppendritten und trifft in der Nacht auf Freitag (5.00 Uhr MESZ) in Vancouver auf die Schweiz.

Zum Abschluss der erstmals ausgetragenen XXL-Vorrunde mit 48 Teams hatten Österreich und Algerien gegenüber der Konkurrenz den Vorteil, dass sie genau wussten, welches Ergebnis nötig war, um weiterzukommen. Ein Remis reichte beiden, eine Niederlage hingegen würde das Aus bedeuten. Deshalb war im Vorfeld auch über eine Wiederholung der "Schande von Gijón" diskutiert worden.

Ralf Rangnick wollte davon nichts wissen. Als die Partie 1982 zwischen Deutschland und Österreich (1:0) stattgefunden habe und Algerien aufgrund des "Nichtangriffspakts" der beiden Teams aus dem Turnier flog, "war noch kein Spieler auf der Welt", betonte der deutsche Trainer. Er werde "die Mannschaft sicher nicht ins Rennen schicken, um unentschieden zu spielen". In den algerischen Medien war entsprechend eher von "Rache" als Aussöhnung die Rede.

Algerien - Österreich 3:3 (1:1)

Algerien: Benbot - Belghali (71. Chergui), Mandi, Bensebaini, Hadjam (71. Ait-Nouri), Aouar, Bentaleb, Maza - Mahrez, Gouiri (71. Belaid), Chaibi. - Trainer: Petkovic

Österreich: Alexander Schlager - Posch, Lienhart, Alaba (62. Danso), Mwene - Seiwald, Xaver Schlager (46. Grilitsch) - Schmid (46. Wanner), Laimer, Sabitzer - Arnautovic (46. Gregoritsch). - Trainer: Rangnick

Schiedsrichter: Ilgiz Tantashev (Usbekistan)

Tore: 0:1 Marko Arnautovic (28.), 1:1 Rafik (45.), 1:2 Marcel Sabitzer (55.), 2:2 Riyad Mahrez (60.), 3:2 Riyad Mahrez (90.+3), 3:3 Sasa Kajaldzic (90.+6)

Gelbe Karten: - Arnautovic

Zuschauer: 69.045 in Kansas City

Nachdem in der Anfangsphase bis auf einen heftigen Ellebogenschlag von Arnautovic (11.) wenig passiert war, ertönten erste Pfiffe im Arrowhead Stadium. Arnautovic setzte diesen mit der ersten gefährlichen Aktion und seinem 49. Länderspieltor vorerst ein Ende: Einen tiefen Ball von Kapitän David Alaba streichelte der Altstar am algerischen Torhüter Oussama Benbot, der den zuletzt schwachen Star-Sohn Luca Zidane ersetzte, vorbei. 

Nun musste auch Algerien agieren und drückte enorm aufs Tempo. Der Frankfurter Farés Chaibi scheiterte am Pfosten (40.), der starke Ibrahim Maza von Bayer Leverkusen freistehend am glänzend aufgelegten Alexander Schlager (44.), ehe es kurios wurde: Mahrez profitierte von der Eckfahne, nahm den Ball auf - und kurz darauf vollendete Belghali trocken ins kurze Eck.

Rangnick reagierte auf die Drangphase der Algerier und wechselte zur Pause dreimal. Es entwickelte sich ein offener Schlagabtausch. Sabitzer schob eine Hereingabe von Bayerns Konrad Laimer zur erneuten Führung ein, Mahrez antwortete nur fünf Minuten später. Danach aber gingen beide Mannschaften zunehmend weniger bis kein Risiko mehr ein - bis der Treffer von Mahrez eine aberwitzige Schlussphase auslöste.

Joker Messi trifft per Freistoß

Superstar Lionel Messi hat seine Torejagd bei der Fußball-WM auch in Teilzeit fortgesetzt und Titelverteidiger Argentinien den nächsten Sieg beschert. Die B-Elf des Weltmeisters, bei dem Kapitän Messi nur zu einem rund 30-minütigen Kurzeinsatz kam und per Freistoß traf, gewann ihr letztes Gruppenspiel gegen Außenseiter Jordanien auch dank des insgesamt 19. WM-Treffers Messis mit 3:1 (2:0). Für den dreimaligen Weltmeister war es das 50. gewonnene WM-Spiel. Nur Brasilien (78) und Deutschland (70) haben mehr Siege auf dem Konto. 

In Dallas trafen Giovani Lo Celso (19.) per Freistoß, Lautaro Martínez (31., Foulelfmeter) und der eingewechselte Messi (80.) für die Albiceleste, die schon vor Anpfiff als Gewinner der Gruppe J festgestanden hatte. Musa Al-Taamari (55.) ließ Jordanien jubeln, für das die erste WM dennoch mit der dritten Niederlage endete. Argentiniens nächster Gegner auf dem Weg zur erfolgreichen Titelverteidigung ist im Sechzehntelfinale das Überraschungsteam aus Kap Verde (Samstag, 0.00 Uhr MES/MagentaTV). 

Weltmeistertrainer Lionel Scaloni hatte nach den souveränen Siegen gegen Algerien (3:0) und Österreich (2:0) eine Rotation angekündigt. Im Vergleich zum Duell mit der ÖFB-Auswahl stellte Scaloni gleich auf neun Positionen um. Auch Messi, der Argentinien mit fünf Toren fast im Alleingang vorzeitig in die K.o.-Runde geschossen hatte, erhielt eine Pause. Der 39-Jährige saß erstmals seit 20 Jahren bei einem WM-Spiel zunächst auf der Bank, dafür rückte unter anderem Bayer Leverkusens Exequiel Palacios in die Startelf.

Jordanien - Argentinien 1:3 (0:2)

Jordanien: Abulaila - Nasib, Al-Arab, Abu Dahab - Hadad, Al-Rashdan (76. Jamous), Al-Rawabdeh, Abu Taha - Azaizeh (46. Tamari), Fakhoury (46. Al-Mardi) - Olwan. - Trainer: Sellami

Argentinien: Martínez - Simeone (71. Barco), Otamendi, Senesi, Tagliafico - Palacios, Paz (61. Mac Allister), Paredes, Lo Celso (60. Almada) - Alvarez (82. Lopez), Martinez (60. Messi). - Trainer: Scaloni

Schiedsrichter: Istvan Kovacs (Rumänien)

Tore: 0:1 Lo Celso (19.), 0:2 Martinez (31./Foulelfmeter), 1:2 Al-Tamari (55.), 1:3 Messi (80.)

Zuschauer: 70.649 in Dallas

Gelbe Karten: Mohannad Abu Taha, Yazan Al-Arab -

Das runderneuerte Team bemühte sich um Ordnung und blieb Scalonis Spielidee treu. Mit viel Ballbesitz kontrollierte Argentinien das Geschehen und suchte nach Lücken in der Defensive. Wirkliche Gefahr entstand dabei jedoch zunächst nicht. Der sehenswerte Freistoß Lo Celsos, der sein erstes WM-Spiel bestritt, brach den Bann. Auf der Bank lächelte Messi zufrieden.

Argentinien hielt den Druck aufrecht und wurde belohnt. Nach einem Martínez-Lattentreffer wurde Marcos Senesi von Nizar Al-Rashdan mit dem Fuß im Gesicht getroffen, Schiedsrichter Istvan Kovacs (Rumänien) entschied nach VAR-Einsatz auf Elfmeter. Martínez verwandelte sicher. Jordanien wurde nach dem erneuten Rückschlag etwas mutiger. Ersatzkapitän Nicolás Otamendi (45.+3) verpasste auf der Gegenseite das dritte Tor.

Die Zuschauer forderten nach dem Wiederanpfiff lautstark die Einwechslung Messis, wurden aber zunächst auch ohne ihn unterhalten. Martínez (53.) traf erneut die Latte, dann schloss Al-Taamari einen seltenen Abschluss des Underdogs erfolgreich ab - und ließ auf der Tribüne auch den jordanischen König Abdullah II. bin al-Hussein jubeln. Messi kam zur 60. Spielminute und riss das Offensivspiel an sich. Bei einem Freistoß zielte er hoch (65.) - bei einem weiteren schlug es aber ein. Auf der Tribüne jubelte auch Messis Ehefrau Antonela Roccuzzo über den Treffer.

Verwendete Quellen: ntv.de, msc/sid