Wenn es um die Sache geht, versteht Nico Schlotterbeck keinen Spaß. "Wir sind sehr eingespielt", beantwortet er die Frage nach dem Zusammenspiel mit Jonathan Tah. Alles sei "sehr gut". Er und Jonathan Tah seien ein "Top-Innenverteidiger-Duo". Dabei spricht Schlotterbeck so schnörkellos, dass sich im Presse-Hörsaal von Winston-Salem leichtes Gekicher regt. Meint der BVB-Verteidiger das etwa ironisch?
Auf dem Feld müssen Verteidiger jede Bewegung ihrer Gegner wahrnehmen, das macht auch Schlotterbeck in der Pressekonferenz. "Ich höre viel Gelächter im Saal", fährt Schlotterbeck fort, aber "ich meine das komplett ernst." Das Duo brauche sich nicht zu verstecken, sagt eine Hälfte davon. Tah "spielt beim FC Bayern, ich habe einen guten linken Fuß." Das Gelächter legt sich, die Sache ist klar: Nico Schlotterbeck fährt nicht zur Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada, um sportlich Späße zu machen.
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Lange Zeit fehlte dem DFB-Team noch eben das: ein eingespieltes Innenverteidiger-Duo. Als Julian Nagelsmann seine Reise im Oktober 2023 in den USA als Bundestrainer angefangen hatte, dauerte es nicht lange bis zur ersten Krise. Schon einen Monat später, im November, war die Aufbruchsstimmung wieder verflogen.
Die Suche nach den "Abwehrmonstern"
Das DFB-Team verlor mit 2:3 gegen die Türkei und - viel schlimmer - dann auch noch mit 0:2 in Österreich. Der noch frische Bundestrainer verlor sich in Experimenten. Kai Havertz tauchte plötzlich als Linksverteidiger auf; Leroy Sané flog in Wien vom Platz. Und Nagelsmann konstatierte nach den beiden Spielen: Es fehlt dem DFB-Team an "Abwehrmonstern".
Mittlerweile liegt all das in der Vergangenheit. Der Bundestrainer hält sich (meistens) mit Experimenten zurück. Und: Die Nagelsmannschaft hat ihre "Abwehrmonster" gefunden. Tah und Schlotterbeck haben alle anderen Kandidaten für die beiden Innenverteidigerpositionen verwiesen. Selbst Real-Stammspieler Antonio Rüdiger gehört inzwischen ein Platz in der zweiten Reihe. Und auch sonst sind alle anderen Kandidaten verschwunden.
"Fußball ist letztes Lagerfeuer der Nation"

Tah und Schlotterbeck haben sich vor allem deshalb durchgesetzt, weil sich ihre Qualitäten ergänzen. "Wir profitieren echt voneinander, haben unterschiedliche Stärken", sagt Schlotterbeck. Die Stärke des BVB-Profis ist vor allem die Spieleröffnung. "Mit Ball gibt es nicht viele, die auf dem Niveau unterwegs sind, das macht er überragend, ist mutig. Ich finde es top, wie er sich entwickelt hat, die letzten Jahre", sagt Tah über Schlotterbeck.
"Bekommen ein iPad hingestellt"
Und Tah? Er hat bei Bayer Leverkusen unter Xabi Alonso endlich die Konstanz gelernt, die ihm lange gefehlt hat. Beim FC Bayern ist er unter Vincent Kompany dann den nächsten Schritt gegangen, der Belgier ist der richtige Lehrmeister, schließlich war er selbst einst ein Weltklasseverteidiger. Tah gebe auf dem Platz dne Takt vor, sagt Schlotterbeck. Der 30-Jährige coacht seine Vorderleute.
"Jona hat die letzten drei, vier Jahre einen extremen Step gemacht", gibt Schlotterbeck deshalb das Kompliment zurück. Tahs erste Saison in München sei "richtig, richtig gut" gewesen. "Er ist ein unglaublich guter Verteidiger im Tor-Beschützen, das hat man gegen die USA gesehen" bei der WM-Generalprobe und dem 2:1-Erfolg gegen die USA, als Tah gleich mehrfach gegen den heranrauschenden Christian Pulisic retten musste.
Auf beide wartet nun jedoch eine neue Herausforderung, die heißt Curacao am Sonntag (19 Uhr/Magenta, ARD und im ntv.de-Liveticker). Die Mittelstürmer vom FC Augsburg oder dem SC Freiburg kennt man irgendwie, vielleicht auch noch die von der Elfenbeinküste oder Ecuador. Aber die des Inselstaats? Da muss man sich auf die Vorarbeit des Trainerteams verlassen, sagt Schlotterbeck. "Wir bekommen ein iPad hingestellt, auf denen ein paar Szenen abgespielt werden." Wichtig sei für Schlotterbeck ohnehin nur der starke Fuß der Angreife, um ihnen den Spaß zu nehmen.





