Der Jubel über den Gegner im Sechzehntelfinale ist in Paraguay riesig. "Der Traum geht weiter. Jetzt beginnt das Turnier erst so richtig", schrieb die "Asunción Times" über das anstehende K.o.-Duell mit dem "traditionellen Mitfavoriten" aus Europa. "Obwohl der europäische Gigant mit seinen Toren eine beeindruckende Leistung abliefert, reist er nach der Niederlage gegen Ecuador angeschlagen an und beweist damit, dass er nicht unbesiegbar ist", schreibt der Sender ABC Color.
Die Vorfreude dürfte in dem südamerikanischen Land deutlich größer sein als in Deutschland. Dass und wie die deutsche Mannschaft bei der WM schlagbar ist, verdeutlichte erst am Donnerstag die ecuadorianische Auswahl. Vor allem gegen die starke Physis tat sich das DFB-Team beim 1:2 sichtbar schwer. In der Offensive gelang nur wenig. Die körperliche Robustheit greift die Achillesferse der Nationalmannschaft an. "Greif sie an, dann tun sie dir nicht mehr weh", analysierte ntv.de-Experte Arie van Lent nach dem Spiel gegen Ecuador nicht zum ersten Mal in diesem Turnier.
Auch Paraguays Coach Alfaro sieht die Chance auf eine Überraschung. "Natürlich wird es schwer, einen der Top-Favoriten auszuschalten. Aber es ist nicht unmöglich. 'Unmöglich' gibt es nicht. Wir werden mit Gelassenheit in die Partie gehen", hatte der 63-Jährige schon nach dem 0:0 gegen Australien zum Abschluss der Gruppenphase gesagt.
Erinnerungen an 2002
Dabei lief die Vorrunde für die Südamerikaner nicht wirklich rund. Schon das 1:4 gegen die USA und das eher schmeichelhafte 1:0 gegen die Türkei hatten in der Heimat nicht gerade für Begeisterung gesorgt. Alfaro sah sich prompt zu einer Verteidigungsrede veranlasst.
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"Ich frage nur: Wisst ihr, wie schwer es war, sich für die WM zu qualifizieren? Wir stehen auf Platz 42 der Weltrangliste!", sagte er. Seine Spieler seien international kaum bekannt, geschweige denn präsent "Das ist ein Problem. Warum können sich unsere Spieler nicht durchsetzen? Ich spreche nicht einmal von Europa. Wir können uns auch in Brasilien oder Argentinien nicht durchsetzen."
Tatsächlich spielen nur der am Montag (22.30 Uhr MESZ/ZDF und MagentaTV) in Foxborough bei Boston gelbgesperrt fehlende Mittelfeldspieler Diego Gómez (Brighton), der angeschlagen ausgewechselte Innenverteidiger Omar Alderete (Sunderland) sowie die Angreifer Antonio Sanabria (Cremonese) und Julio Enciso (Straßburg), mit dem Mainz 05 in der Conference League unliebsame Erfahrungen gemacht hatte, in Europa.
Bei der letzten WM-Teilnahme war das noch anders. 2010 hatte Paraguay mit dem Ex-Bayern-Stürmer Roque Santa Cruz und dem BVB-Duo Lucas Barrios/Nelson Valdez das Viertelfinale erreicht, wo es ein höchst unglückliches 0:1 gegen Spanien gab, inklusive verschossenem Elfmeter. Danach scheiterten die Südamerikaner dreimal in Folge in der Qualifikation.
Nun also geht es gegen Deutschland. In Erinnerung ist gerade in Paraguay noch das WM-Achtelfinale 2002 in Südkorea, das Oliver Neuville erst in der 88. Minute mit seinem Tor zum 1:0-Endstand entschied. 2013 trafen sich beide Teams wieder, der Test in Kaiserslautern endete 3:3. Nun kommt es zum erst dritten Vergleich.

