"Immer wieder Österreich" ist der bekannte Schlachtruf der Fans aus der Alpenrepublik. Sogar im Nacken der Trikots ist der Slogan platziert. Man könnte sich auch fragen: Immer länger Österreich? Bei den vergangenen beiden Europameisterschaften überstand das Team jeweils die Vorrunde, dann war im Achtelfinale Schluss (was historisch gut war). Die letzte WM-Teilnahme liegt sogar schon 28 Jahre zurück. In Frankreich endete das WM-Abenteuer damals schon in der Vorrunde. Die Hoffnungen in Österreich sind groß, dass es diesmal sogar noch weiter geht. Dabei helfen soll ein Kader, der mit einer zweistelligen Anzahl von Bundesliga-Profis gespickt ist.
Optimismus verbreitet auch der Coach. Ralf Rangnick hat seinem Team einen aktiv-offensiven Spielstil mit Gegenpressing eingeimpft. So wie man es von seinen Bundesliga-Teams kannte. Als Underdog sieht der Schwabe die Nationalelf nicht. Er traue dem Team "einiges zu", erklärte er. In der Tat ist die Mannschaft unter Rangnick ziemlich eingespielt und hat sich seit dessen Übernahme 2022 weiterentwickelt. Durch ein mutiges, aktives Auftreten hat sich die Elf auf den WM-Radar als möglicher Dark Horse - oder eher: Dark Horsl - gespielt, auch wenn das Team nicht wirklich zum erweiterten Favoritenkreis zählt. Die Fans in der Heimat sind jedenfalls schon derart euphorisiert, dass 32 Prozent bei einer ORF-Umfrage auf den WM-Titel tippen.
Wie lief die Quali?
Ziemlich souverän. In der Gruppe mit Bosnien und Herzegowina, Rumänien, Zypern und San Marino holte das Team den Gruppensieg – bei einer Pleite (0:1 gegen Rumänien) und einem Remis gegen Bosnien-Herzegowina (1:1). Erfolgreichster Torschütze war Oldie Marko Arnautovic (acht Treffer).
Wer sind die größten Stars?
Rangnick setzt auf eine stabile Achse um die größten Namen im Team. In der Verteidigung ist das der ehemalige Bayern-Profi und Real-Titelsammler David Alaba. Im Mittelfeld ackern Konrad Laimer und Marcel Sabitzer von den deutschen Topteams FC Bayern und Borussia Dortmund.
Vorn im Sturm sieht es etwas mauer aus. Am ehesten sticht der inzwischen 37 Jahre alte Marko Arnautovic heraus – der wie erwähnt die meisten Quali-Tore erzielte. Beeindruckend ist das Comeback von Dauerpechvogel Sasa Kalajdzic nach drei Kreuzbrandrissen.
Dreifach-Dusel rettet Österreichs wilden WM-Test

Auch Rangnick selbst geht als großer Name durch. Zuletzt soll wieder die AC Milan an ihm interessiert gewesen sein. Ein Engagement als sportlicher Leiter stand im Raum, Rangnick hat inzwischen aber verneint. Der ehemalige Leipzig-Coach hat vielmehr bis 2028 beim ÖFB verlängert. Dem FC Bayern sagte er vor zwei Jahren ebenfalls ab, um das österreichische Projekt weiterzuentwickeln.
Wer fehlt?
Überschattet wurde die Vorbereitung von der bitteren Verletzung Christoph Baumgartners. Der offensive Schlüsselspieler von RB Leipzig verletzte sich beim Aufwärmen vor einem Testspiel und verpasst die WM. Für ihn wurde der Schalker Dejan Ljubicic nachnominiert. "Das ist für Christoph und für uns als Team natürlich eine sehr bittere Nachricht. Er ist ein wichtiger Spieler und eine zentrale Persönlichkeit innerhalb unserer Mannschaft", sagte Rangnick zum Ausfall. Neu dabei sind inzwischen der ehemalige DFB-Juniorenspieler Paul Wanner (PSV Eindhoven) und Carney Chukwuemeka von Borussia Dortmund.
Das sollte man wissen:
Das jüngere WM-Abschneiden Österreichs war mau. ABER: Die Vergangenheit glänzt. 1954 wurde das Land unter Trainer Walter Nausch WM-Dritter in der Schweiz. Beteiligt war die Mannschaft dabei auch am torreichsten Spiel der WM-Geschichte. In der "Hitzeschlacht von Lausanne" gewann die ÖFB-Auswahl trotz Sonnenstichs des eigenen Keepers 7:5 gegen Gastgeber Schweiz. Auch 1934 belegte Österreich immerhin den vierten Platz (Niederlage gegen Deutschland im Spiel um Platz drei).
Das ist drin:
Das Minimalziel für Österreich und Rangnick ist das Erreichen der K.-o.-Runde. Danach soll es so weit gehen wie eben möglich. Und zwischen Aus im Sechzehntelfinale bis hin zum sensationellen Halbfinal-Einzug lässt die Fantasie in Felix Austria sehr viel zu.
Gegner in der Gruppe J sind Weltmeister Argentinien, Algerien und Debütant Jordanien. Platz zwei gilt als realistisches Ziel. Vermutlich wird das Duell gegen Algerien darüber entscheiden. Das Problem: Anschließend könnte es von dort aus schon im Sechzehntelfinale gegen Europameister Spanien gehen. Dann droht ein schnelles Aus – oder eine dicke Überraschung.



