Mexikos ungute Höhenluft

Tuchel beschwert sich über Benachteiligung wegen FIFA-Regel

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03.07.2026 | 16:37 Uhr
Für Englands Fußballer geht es bei der WM im Achtelfinale nicht nur ums Weiterkommen, sondern auch um die Bekämpfung eines nationalen Traumas. Thomas Tuchel beschwört das Karma - hat aber auch eine vehemente Klage.

Harry Kane und seine Engländer wollen in der dünnen Luft von Mexiko-Stadt ein 40 Jahre altes Trauma aus dem Aztekenstadion besiegen und sich vom euphorisierten WM-Gastgeber in dessen Festung nicht aufhalten lassen. Doch die Mannschaft von Trainer Thomas Tuchel muss sich auf eine gnadenlos beeindruckende Atmosphäre in einem der legendärsten und geschichtsträchtigsten Fußball-Tempel der Welt gefasst machen - und nicht nur das.

"Ich hoffe, wir können endlich Frieden mit dem Stadion schließen", sagte Tuchel englischen Medien mit Blick auf das dramatisch-historische WM-Aus in Mexiko-Stadt 1986. Damals hatte Argentinien die Engländer im Viertelfinale ausgeschaltet - auch dank der "Hand Gottes", dem legendären Schummel-Tor von Diego Maradona: "Es ist Karma. Das Karma wird zu uns zurückkehren. Wir werden das Ganze umdrehen." Was für ein Duell in der Runde der besten 16. "In Mexiko gegen Mexiko zu spielen, ist vielleicht das Größte, was die Weltmeisterschaft zu bieten hat", sagte Kane: "Es wird aus vielen Gründen hart."

So klingt es auch bei Tuchel: "Es ist vielleicht eines der schönsten und spannendsten Spiele, die man sich vorstellen kann", sagte der 52-Jährige vor dem Achtelfinal-Kracher in der deutschen Nacht auf Montag (2 Uhr/Magenta TV und im ntv.de-Liveticker): Aber viele, viele, viele Hindernisse würden auf sie warten. Eine der größten Sorgen: die Höhe von über 2200 Metern über dem Meeresspiegel. "Das ist natürlich ein großer Nachteil", betonte Tuchel. "Wir können uns physisch nicht darauf einstellen, das ist unmöglich."

FIFA-Regel verbietet kurzfristige Anreise

Daran ändert auch nichts, dass er die sonstigen Abläufe ändert, und einen Tag früher mit der Mannschaft anreist. "Die Empfehlung ist entweder zehn Tage vorher - was für uns nicht möglich ist - oder auf den letzten Drücker - was nicht erlaubt ist - zu kommen", erklärte Tuchel. Die FIFA schreibt ab dem Achtelfinale vor, dass die Mannschaften am Tag vor den Spielen an "spielortspezifischen Orten" in der Nähe des Stadions trainieren müssen, berichtet der "Guardian".

"Sie werden wahrscheinlich mit ihrer Laufleistung hinten dran sein, früher 'aus der Puste kommen' als in niedrigeren Höhen gewohnt", sagte Dr. Matthias Krüll, Internist und Pneumologe sowie Chef-Mediziner des Berlin-Marathons: "Idealerweise versuchen sie, nicht in den Ausdauerbereich zu gehen, sondern schnell und effizient ihre Tore zu machen, damit sie gar nicht die Notwendigkeit haben, lange und ausdauernd laufen oder sich belasten zu müssen."

Die Engländer reisen aus ihrem WM-Camp bei Kansas City an, das gerade mal rund 280 Meter über dem Meeresspiegel liegt. Die Mexikaner sind es gewohnt, ihr Quartier liegt zehn Kilometer vom Stadion entfernt. auch der Ball wird in der Höhe "anders fliegen, vielleicht fünf Meter weiter", prognostizierte Tuchel. Für die Mexikaner sei die vertraute Höhe also ein "riesiger Vorteil". Wie man ohne perfekten Fußball aber weiterkommt, das hatte Tuchels Team schon beim mühsamen 2:1-Sieg im Sechzehntelfinale gegen die DR Kongo bewiesen.

Verwendete Quellen: ntv.de, ara/dpa