Mehrere amtliche Unwetterwarnungen könnten den Spielplan bei der Fußball-Weltmeisterschaft durcheinanderbringen. Drei Stunden vor Anpfiff des Spiels zwischen Topfavorit Frankreich und Irak ist der Einlassstart für die Zuschauer verschoben worden. "Ein heftiges Gewitter nähert sich", stand auf der Anzeigetafel des Stadions: "Bitte verlassen Sie den offenen Sitzplatzbereich. Suchen Sie Schutz gemäß der Anweisungen des Stadionpersonals." Das Heimatstadion des NFL-Teams Philadelphia Eagles hat für die Zuschauer kein Dach. Zu diesem Zeitpunkt hatte starker Regen und Donner eingesetzt.
Der US-Sender CBS meldete schon frühzeitig, dass eine extreme Unwetterfront droht, die über das Lincoln Financial Field in Philadelphia - während der WM trägt es den Namen Philadelphia-Stadion - ziehen könnte, wenn dort das zweite Gruppenspiel der beiden Teams ansteht (23 Uhr/ARD, MagentaTV und im ntv.de-Liveticker). Die Meteorologen warnen vor mehreren Gewittersystemen, die sich zu einem schweren Unwetter mit "zerstörerischen Winden, heftigen Blitzen und der Gefahr vereinzelter Tornados" entwickeln könnten. Dieses Risiko mache die Durchführung der Partie unter freiem Himmel unmöglich, es sei zu gefährlich für alle Beteiligten - Teams und Fans.
Neben Gewittern wird mit Starkregen und sogar Sturzfluten gerechnet. Damit einhergehend seien Stromausfälle möglich. Allerdings zeigte sich die FIFA vorsichtig optimistisch, dass die Partie wie geplant starten kann. Für den Zeitraum des Spiels seien die Prognosen der Wetterdienste eher positiv, man gehe deshalb von einer regulären Austragung der Partie aus.
Überschwemmung in New Jersey?
Auch für die Partie zwischen Norwegen und Senegal (2 Uhr/MagentaTV und im ntv.de-Liveticker) wird mit Wetterkapriolen gerechnet. Der US-Wetterdienst gab eine Hochwasserwarnung heraus. Für das Gebiet rund um das Stadion in East Rutherford wurden starker Regen und mögliche Überschwemmungen vorhergesagt. Die Warnung gilt für Teile von New York City und New Jersey und schließt auch das Gebiet um das Stadion ein, in dem am 19. Juli das WM-Finale steigen soll.
"Für den heutigen Nachmittag und die kommende Nacht wird erwartet, dass Schauer und mögliche Gewitter mit hoher Feuchtigkeitskonzentration über das Gebiet ziehen", teilte der Wetterdienst NWS mit. "Diese Schauer können Niederschlagsmengen von bis zu etwa fünf Zentimetern pro Stunde mit sich bringen. Solche Intensitäten könnten vor allem in städtischen Gebieten und Zonen mit schlechter Entwässerung zu Sturzfluten führen."
New Yorks Bürgermeister Zohran Mamdani mahnte die Fußball-Fans hinsichtlich ihrer Anreise zur Vorsicht: "Ich fordere alle auf, vorausschauend zu planen und mehr Zeit für eine sichere Anreise einzuplanen. Kein Ziel ist es wert, die eigene Sicherheit aufs Spiel zu setzen. Sollte sich die Wetterlage verschlechtern, bleiben Sie im Haus und warten Sie, bis Reisen wieder gefahrlos möglich ist." Die Katastrophenschutzbehörde von New York City gab eine Reisewarnung heraus.
Unwetter-Regeln sind strikt
Aufgrund der US-Regeln für Unwetter drohen lange Verzögerungen. Sobald bei einer Sportveranstaltung im Radius von 13 Kilometern um den Austragungsort Blitzgefahr besteht, müssen sich alle Personen vor einem potenziellen Einschlag in Sicherheit bringen. Die Spiele dürfen erst weitergeführt werden, wenn das Gewitter weitergezogen ist und innerhalb von 30 Minuten kein Blitz oder Donner im entsprechenden Radius mehr registriert wird. Sollte es in der Wartezeit trotzdem noch einen Blitz geben, wird die Wartezeit von vorn gestartet. Das macht es nahezu unvorhersehbar, ob und wann eine Partie weitergespielt werden kann.
Wird ein Spiel aufgrund höherer Gewalt unter- oder abgebrochen, muss es laut WM-Regularien später in der entsprechenden Minute und beim gleichen Spielstand fortgesetzt werden. Im Notfall kann die Veranstaltung auch ganz abgesagt werden. Sollten Spiele verlegt werden müssen, ist das ein großer organisatorischer Aufwand. Der Spielplan der WM ist eng getaktet.
Frankreich würde mit einem Sieg schon das Weiterkommen in Gruppe I sichern. Das Auftaktspiel gewann das Team um die Superstars Kylian Mbappé von Real Madrid und Michael Olise vom FC Bayern mit 3:1 gegen Senegal. Irak verlor seinerseits 1:4 gegen Norwegen um Erling Haaland. Alles andere als ein Sieg der Franzosen gegen Irak wäre eine große Sensation. Auch für Norwegen geht es entsprechend ums frühzeitige Weiterkommen.

