Spanischer "Normal one"

Wie ein leise surrender Pass-Roboter über den WM-Pokal entscheidet

imageVon Emmanuel Schneider
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Rodri lenkt und liest das spanische Spiel, das selbst für Frankreich eine Nummer zu groß war. (Foto: REUTERS)
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19.07.2026 | 12:05 Uhr
Spanien geht als Favorit ins WM-Finale. Das liegt auch am stillen Taktgeber Rodri. Dem Mittelfeld-Genie liegen nicht nur Pep Guardiola und Luis de la Fuente zu Füßen.

1,91 Meter Gardemaß, Trikot in der Hose, lange Gräten. Gegner und Fans wissen bei diesem Anblick: Jetzt wird's schwierig.

Rodri, voller Name Rodrigo Hernández Cascante, ist der Taktgeber des spanischen Tiki-Taka-Monsters 2.0 und damit zugleich der Anführer der wohl besten Offensiv-Defensiv-Maschinerie der WM-Geschichte.

Wenn Spanien am Sonntag auf Argentinien (21 Uhr/ZDF, MagentaTV und im Liveticker auf ntv.de) trifft, sind die Iberer der Favorit. Das liegt am eingespielten Team, aber auch an Rodri, der als Gehirn dieser spanischen Krake Leben verleiht.

Er ist der Mann, der das Mittelfeld regelt. Auf den Profi von Manchester City wird es ankommen. Gelingt ihm das so gut wie im Halbfinale gegen Frankreich, wird es für Argentinien sehr eng. Von einer "Masterclass" und einer der "besten Individual-Leistungen überhaupt" war im Nachhinein die Rede, so gut dirigierte Rodri das Geschehen. Nach vorne organisierte er das technisch versierte Spiel der Spanier. In der Defensive ließ er die Offensiv-Power der Franzosen überhaupt nicht entfalten. Es war ein nahezu perfektes Spiel.

König Rodri regiert das Mittelfeld

Gerade im Zentrum nimmt der kürzlich 30 Jahre alt gewordene Spielmacher massiven Einfluss. Offensive gewinnt Spiele, Defensive Meisterschaften, lautet ein altes Sprichwort. In dieser Hinsicht ist Spanien bestens aufgestellt. Bisher kassierten sie nur ein einziges Gegentor (gegen Belgien). Auch das eine Folge des verdichteten Mittelfelds.

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Messi badet Yamal: Die Geschichte hinter dem Kultbild

Auch bei dieser WM hat Rodri gigantische Werte. 694 Pässe spielte er, 648 davon erfolgreich. Alles Bestwerte. Noch nie zuvor wurden bei einer WM mehr erfolgreiche Pässe von einem Mann gespielt. Das macht eine Quote von 93 Prozent.

Mit 232 Ballberührungen unter Druck führt er die WM-Liste mit großem Vorsprung an, sein Wert für Gesamtbeteiligungen an Aktionen liegt weit vor allen anderen WM-Spielern. Hinzu kommen 34 Balleroberungen und die meisten abgespulten Kilometer bei diesem Turnier.

Schaffe, schaffe - Bälle passen. Rodri ist ein schwerbeschäftigter Mann.

Pep Guardiola ist sein größter Fan

Irgendwie passend, dass er unter dem großen Star-Trainer Pep Guardiola aufgeblüht ist, der die erste Tiki-Taka-Hochphase beim FC Barcelona einläutete und unter dem viele 2010er-Weltmeister Spaniens spielten.

2019 kam Rodri zu den Skyblues von Manchester und gewann dort alles, was es zu gewinnen gibt. Meisterschaft, Pokal und 2023 die bisherige Krönung mit dem Champions-League-Titel. Rodri traf im Finale gegen Inter Mailand zum entscheidenden 1:0. Es war der erste Titel für City in der Königsklasse. Wenig später wurde er mit dem Ballon d'Or gekrönt. Rodri war auf dem vorläufigen Höhepunkt angekommen.

Auch unter Verbandstrainer Luis de la Fuente gingen die Erfolgsgeschichten immer weiter. 2023 gelang der Sieg in der Nations League, 2024 der Europameister-Coup in Deutschland. Beide Male wurde Rodri zum besten Spieler des Turniers gewählt. Der MVP Spaniens. Seit 2018 läuft Rodri für die A-Mannschaft auf. Sein Debüt feierte er bei einem 1:1 gegen Deutschland.

Doch um Rodri gibt es auch eine kurios-traurige Geschichte. Nach der EM 2024 kritisierte er lautstark die viel zu vollen Spielkalender, getrieben von immer größeren EMs/WMs, Champions-League-Reformen und der Klub-WM. In den beiden Saisons zuvor absolvierte er 56 respektive 50 Partien. Rodri warnte: Die Spieler werden leiden, es geht um die Gesundheit. Zugleich deutete er sogar einen Spielerstreik an. Nur kurze Zeit später verletzte er sich im Ligaspiel ohne Gegnereinwirkung schwer. Mit einem Kreuzbandriss fiel er lange aus. Ein fast schon ironischer Zug des Fußball-Schicksals.

Rodri braucht kein Social Media

Seither plagen ihn immer wieder Verletzungen und Rückschläge, sie warfen ihn zurück. Eine Folge: Auch nach der WM muss er wieder operiert werden. Trotzdem hat er sich seit der bösen Verletzung eindrucksvoll zurückgearbeitet. Rodri ist ein MVP, der nicht den ganz großen Star-Status innehat. Rodri ist kein Lamine Yamal oder gar Lionel Messi. Sondern ein etwas leiserer Leader.

Vielleicht sogar eine Art Anti-Star. Er hat bis heute keinen Social-Media-Auftritt. Mitspieler machen sich seiner Aussage nach lustig darüber, dass er so "normal" sei. Rodri ist im Vergleich zu Jürgen Klopp wohl der wahre "Normal one".

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Weltmeistern winkt ganz besondere WM-Prämie

Das liegt vielleicht auch daran, dass er nicht bei einem der ganz großen Teams ausgebildet wurde. Die Coaches von Atletico Madrid sortierten ihn früh aus, zu schmächtig. Weiter ging es beim FC Villarreal nahe Valencia. Auch zu Beginn seiner Profikarriere lebte er dort in einem Studentenwohnheim und machte nebenbei seinen Uni-Abschluss in "Management & Business Administration".

Statt dicker Karre gab es zunächst einen gebrauchten Opel, der dann neben den Sportwagen der Kollegen am Vereinsgelände stand. Einmal verpasste er nach eigener Aussage die Abfahrt des Villarreal-Teambusses, weil er noch für die Uni lernte. Rodri, der Streber. Er wirkt auch heute geerdet.

Der "Beste der Welt"?

Und trotz der Rückschläge ist er für Guardiola weiter der beste Spieler der Welt. Schon vor dem Turnier hatte der Katalane seinem Schützling eine grandiose WM und den "besten Rodri" prophezeit. Er hat recht behalten.

Nach dem spektakulär unerfolgreichen Auftakt gegen Kap Verde (0:0) gab es dann aber schnell Kritik an dem Strippenzieher. Der erfahrene Luis de la Fuente aber behielt die Nerven. Öffentlich stärkte er Rodri den Rücken, sprang ihm bei und verteidigte ihn gegen die Kritik. Mit den Erfolgen im Turnierverlauf zahlte es Rodri zurück.

"Wenn du so etwas von deinem Chef hörst, kannst du dich nur mit einer Leistung wie dieser bedanken", sagte der Mittelfeldspieler nach dem Erfolg im Sechzehntelfinale gegen Portugal.

Spaniens Nationaltrainer schwärmt von Rodi als "Rückgrat", er vertraut ihm. Das liegt an Erfolgen wie 2015, als sie zusammen die spanische U19 zum EM-Titel führten. Am Sonntag, genau elf Jahre später, könnten sie auf der allergrößten Bühne der Fußball-Welt triumphieren.

Verwendete Quelle: ntv.de