Katar kann's nicht fassen

Die Schweiz bricht vor Wut zusammen

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14.06.2026 | 06:28 Uhr
Die Schweizer "Nati" will bei dieser Fußball-Weltmeisterschaft Großes erreichen. Der Auftakt misslingt jedoch spät. Ein ausgebliebener Abseitspfiff ruft Verwunderung hervor.

Murat Yakin konnte es nicht glauben. Er wollte es nicht glauben. Der ehrenvoll ergraute Fußball-Lehrer warf vor Wut eine Plastikflasche auf den Boden. Das WM-Auftaktspiel seiner Schweizer war schon fast vorbei, da fing sich die "Nati" noch einen Gegentreffer. Einen verhängnisvollen. Einen historischen. Gegner Katar glich zum 1:1 aus. Es war der erste Punkt bei einer WM-Endrunde für den Turnier-Gastgeber 2022.

Homam Ahmed war über die linke Seite durchgebrochen. Die ermüdeten Schweizer waren weit weg. Er flankte, er fand Boualem Khoukhi und der köpfte den Ball ins Tor. Zugeschrieben bekam er den Treffer allerdings nicht. Zu allem Schweizer Pech wurde Miro Muheim als Torschütze benannt. Er hatte den Ball per Kopf noch abgefälscht. "Nati"-Keeper Gregor Kobel war chancenlos. Und danach restlos bedient. Der verspielte Sieg sei "extrem bitter. Das ist nicht der Start, den wir uns gewünscht haben. Vielleicht gut, dass es jetzt im ersten Spiel passiert ist. Uns haben Präzision und Intensität gefehlt. Wir hätten es mehr erzwingen müssen."

Underdog Katar schockt Schweiz spät

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Yakin fand nach seinem Blitz-Wutausbruch schnell zu seiner gewohnten Contenance zurück und wurde sachlich in der Analyse. "In der Spielweise müssen wir uns nichts vorwerfen", resümierte der Nati-Coach. "Wenn man sich anschaut, dass wir statistisch 26 Torschüsse hatten, haben wir heute den Torwart warm geschossen. Ich glaube, da müssen wir an der Präzision und an der Überzeugung arbeiten."

Irritationen um Elfmeter

Chancen zur Vorentscheidung hatten die Eidgenossen mehr als genug. Nach einem frühen Schreck durch Katars Edmilson Junior (einer von vielen eingebürgten Nationalspielern), der frei vor Kobel aufgetaucht war, jedoch am BVB-Keeper scheiterte, übernahmen die Schweizer. Die "beste WM aller Zeiten" wollen sie spielen, sagte Granit Xhaka, der Anführer. Stürmer Dan Ndoye war nicht zu kontrollieren, nur im Abschluss war er nicht konsequent.

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Ein Elfmeter brachte die Schweizer dann in Führung. Katars Torwart Mahmud Abunada hatte Remo Freuler im Strafraum gefoult. Breel Embolo, der aufgrund von Visa-Problemen erst spät zum Team gestoßen war, ließ sich den Wirbel der vergangenen Tage nicht anmerken und verwandelte ganz sicher. Um den Treffer gab es indes Irritationen. Weil eine kurze Störung die Erstellung der Grafikanimation vor dem Elfmeter verhinderte, herrschte Uneinigkeit über eine mögliche Abseitsstellung vor dem Foul von Abunada.

Katar - Schweiz 1:1 (0:1)

Tore: 0:1 Embolo (17., Foulelfmeter), 1:1 Khoukhi (90.+4)

Katar: Abunada - Mohammed Al-Oui (60. Fathi), Pedro Miguel, Khoukhi, Ahmed - Gaber (60. Boudiaf), Madibo (78. Al Manai), Laye - Abdurisag (60. Alaaeldin), Afif, Edmílson Junior (89. Al Haydos). - Trainer: Lopetegui

Schweiz: Kobel - Zakaria, Elvedi, Akanji, Rodríguez (89. Muheim) - Aebischer (66. Rieder), Xhaka, Freuler (89. Jashari) - Ndoye (66. Manzambi), Embolo, Vargas (79. Amdouni). - Trainer: Yakin

Schiedsrichter: Said Martínez (Honduras)

Zuschauer: 67.966

Gelbe Karten: Abunada, Gaber - Zakaria

Die FIFA erklärte später, dass es sich zwar um eine TV-Panne gehandelt habe, dass der Arbeitsablauf des Video-Assistenten aber nicht beeinträchtigt gewesen sei. "Die vom VAR zur Überprüfung der Positionen der betreffenden Spieler verwendeten Linien ergaben in keiner der beiden Situationen unmittelbar vor der Elfmeterentscheidung, dass sich der Angreifer in einer Abseitsposition befand", hieß es von der FIFA. 

Katar platzt vor Glück und Stolz

Den Schweizern war's natürlich wumpe. Sie kontrollierten auch in der Folge das Spiel und hatte Chancen für weitere Tore. Der starke Abunada verhinderte jedoch eine schnelle Vorentscheidung. So hatte Katar bei einer seiner wenigen Offensivaktionen kurz vor der Pause die Ausgleichschance. Erneut blieb Kobel gegen Edmilson Junior der Sieger. Nach dem Seitenwechsel änderte sich wenig. Die Schweizer ließen den Ball laufen, glänzten aber kaum. Phasenweise hatte die Partie etwas von Sommervorbereitung - auch atmosphärisch.

"Wir müssen viele Sachen ändern", klagte Kapitän Xhaka. Der Höhenflug durch die USA entpuppte sich zumindest zum Start als Illusion. Xhaka forderte von seinen Teamkollegen, "die Realität zu verstehen: Wir müssen nicht über den Titel reden oder über die beste WM der Geschichte. Wir sind aktuell nicht so weit!" Schon nach dem ersten Spiel brennt es in der "Nati", und Xhaka gab sich zunächst keine Mühe, das Feuer auszutreten.

"Nicht jeder muss der Showmaker sein"

"Es hatte definitiv auch mit Disziplin zu tun. Man muss auch einmal einfach akzeptieren, was der Trainer sagt. Nicht jeder muss das Gefühl haben, der Showmaker zu sein", kritisierte der 33-Jährige, in der Hoffnung, der Weckruf komme noch rechtzeitig. "Ich glaube, das Ergebnis tut uns als Mannschaft gut, damit wir sehen, wo wir stehen, damit wir sehen, dass wir mehr machen müssen, als wir vielleicht denken. "Nur: Schon nach der Generalprobe gegen Australien (1:1) in der Vorwoche hatte Xhaka öffentlich Kritik an der Leistung geübt und vor den kommenden Herausforderungen gewarnt - offenbar ohne Wirkung.

Traumtor rettet Brasilien, Katar sorgt für große Überraschung

Und so wurde auch dieser WM-Sommerkick zum sportlichen Albtraum. Für die "Nati". In den Schweizer Medien ist von einer "mittleren Katastrophe" die Rede. Zumindest gemessen am Ergebnis. Auf die Frage, ob die Schweiz sich nach der unerwarteten Niederlage wieder aufrappeln könne, hatte Xhaka eine klare Antwort: "Wir müssen."

Katar dagegen eskalierte vor Glück. Nach dem historischen Unentschieden posierten die Spieler für ein Jubelfoto vor ihrer Fankurve, den Punkt feierte das Team von Trainer Julen Lopetegui wie einen Sieg. "Wir sind sehr stolz auf uns", sagte Stürmer Akram Afif und hat nun großen Appetit auf mehr. "Hoffentlich holen wir drei Punkte im nächsten Spiel, dann wird es doppelt historisch." Er sei "stolz auf den Kampf, die Mentalität und die Disziplin", sagte Lopetegui. Nun müsse sich sein Team "gut ausruhen, wir haben einen Tag weniger Pause als Kanada", betonte der Coach. Was die Mannschaft dann besser machen könne? "Das Spiel gewinnen", sagte Afif.

Verwendete Quellen: ntv.de, tno